Noch nie führte der Rhein so wenig Wasser wie aktuell – und das kostet die Unternehmen am südlichen Oberrhein viel Geld.

Eine bundesweite IHK-Umfrage zeigt: Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens ist enorm. 78 Prozent der Unternehmen melden höhere Kosten. 72 Prozent müssen ihre Logistikprozesse umstellen. Fast jedes dritte Unternehmen schränkt bereits die Produktion ein, sechs Prozent haben Produktionsprozesse gestoppt. 13 Prozent sehen die Existenz ihres Standortes gefährdet. An der Umfrage unter 170 Unternehmen entlang des Rheinkorridors haben sich Unternehmen aus allen Rheinabschnitten und sämtlichen Größenklassen beteiligt. Mehr als drei Viertel der teilnehmenden Betriebe stammen aus den Bereichen Logistik und Industrie.
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei den Logistikkosten: Gut die Hälfte der Unternehmen verzeichnet einen Anstieg um mindestens 25 Prozent. Bei knapp einem Drittel sind die Logistikkosten um 50 Prozent oder mehr gestiegen. Besonders anfällig für Einschränkungen auf dem Rhein sind rohstoff- und transportintensive Branchen. Entlang des Flusses befinden sich bedeutende Standorte der Stahl-, Chemie-, Mineralöl-, Maschinenbau- sowie Getreide- und Futtermittelwirtschaft. Diese Unternehmen sind auf den zuverlässigen Transport großer Gütermengen angewiesen.
Das Niedrigwasser könnte auch künftige Logistik- und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Rund ein Drittel will künftig weniger Güter mit dem Schiff transportieren lassen. Etwa ein Viertel plant, die Lagerhaltung anzupassen.
Auch am südlichen Oberrhein führt der niedrige Wasserstand zu großen Problemen. „Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein bedroht unsere logistische Versorgung, da Schiffe teilweise überhaupt nicht mehr oder nur noch mit einem Bruchteil ihrer normalen Ladung fahren können“, so Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke. „Als rohstoffintensives Unternehmen erhalten über wir über diesen Verkehrsweg jedoch rund 60 Prozent unserer Rohstoffe. Zugleich wird die Wasserstraße für den Abtransport von circa 50 Prozent unserer Produkte genutzt. Pro Monat sind das insgesamt mehr als 200.000 Tonnen. Ein Ausweichen auf Straße oder Schiene ist aufgrund fehlender Kapazitäten kurzfristig kaum möglich und treibt unsere Logistikkosten massiv in die Höhe“, erklärt Glück von den Badischen Stahlwerken.
Volker Molz, Hafendirektor des Hafen Kehls ergänzt: „Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein schränkt unsere operative Leistungsfähigkeit massiv ein, weshalb wir unsere Hafendienstleistungen aktuell nicht in der gewohnten Qualität und Zuverlässigkeit anbieten können. Da die Binnenschiffe Kehl nur noch mit stark verminderter Ladung anlaufen können, staut sich derzeit der Umschlag von wichtigen Gütern im Hafenbecken.“
Durch den niedrigen Pegelstand können Binnenschiffe wesentlich weniger Fracht laden. Diese muss auf mehrere Schiffe aufgeteilt werden. Dadurch werden Transporte teurer und Unternehmen weichen vermehrt auf Straße und Schiene aus. Doch auch hier sind die Kapazitäten begrenzt.
Dabei ist die Problematik längst bekannt. „Seit dem letzten Extrem-Niedrigwasser 2018 ist zu wenig passiert“, sagt Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. Kurzfristig könne man auf Niederschlag hoffen, langfristig brauche die Wirtschaft am Rhein aber eine krisenfeste Wasserstraße. Da die Transportkapazität eines Schiffes immer durch die flachste Stelle einer Wasserstraße bestimmt wird, begrenzt dieser Abschnitt die Leistungsfähigkeit des gesamten Rheinkorridors. „Daher müssen die Pläne zur Vertiefung dieser Flachstellen nun unverzüglich angegangen werden“, fordert Wagner „die Schaffung einer Niedrigwasser-Taskforce für den Rhein ist daher nur zu begrüßen. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir in naher Zukunft wieder in die gleiche Situation geraten“.
