Freyer Feinmechanik

Vom Stall ins All

Vor mehr als 70 Jahren produzierte Martin Freyer in seinem kleinen Betrieb Nasenringe für Ochsen. Heute fliegen die in Tuningen gefertigten Teile durchs Weltall und sichern wissenschaftliche Geräte.   

von Patrick Merck

Außerirdisch gut: Satelliten-Bauteile wie dieses entstehen bei Freyer in Tuningen – weil man dort geduldig genug ist für solche Herausforderungen. Foto: Freyer Feinmechanik

Die Verbindung von Freyer Feinmechanik und Raumfahrt reicht mehr als 50 Jahre zurück. Gründer Martin Freyer nutzte Ende der 1960er-Jahre seine Verbindungen zum Flugzeughersteller Dornier und bot sich als Zulieferer an. Mit Erfolg: Schon in den Aeros-Satelliten, die ab 1972 ins All geschossen wurden, flogen gefräste Bauteile aus der kleinen Schlosserei mit. Seitdem ist das Unternehmen, das seit 2024 von Peter Glökler geleitet wird, Teil der Raumfahrtindustrie und Lieferant von Firmen wie Airbus Space. „50 Jahre lang hat sich aber keiner dafür interessiert“, sagt der Enkel des Gründers im Gespräch mit der WiS und lächelt. Die Freyer GmbH & Co. KG flog unter dem Radar. Das hat sich geändert.


Die Liste der Missionen, an denen Freyer mitgewirkt hat, ist lang: Forschungsprojekte auf der ISS, die Raumsonden Rosetta und Juice, das James-Webb-Weltraumteleskop. Für den Nachfolger des Hubble-Teleskops produzierte Freyer drei Bipods. Sie verbinden die Technikeinheit mit der Basisplatte. „Es geht bei solchen Projekten immer um kleine Stückzahlen oder Einzelanfertigungen – und lange Zeitfenster“, sagt Peter Glökler. Zwischen Projektstart und Produktion liegen manchmal Jahre. Verbunden ist das alles mit einem großen Aufwand. Von den 20 Mitarbeitern sind fünf in der Verwaltung aktiv und kümmern sich um kaufmännische Abläufe, Dokumentationen und Logistik. 

Tuningens Mann fürs All: Als Spezialist fürs Fräsen von Aluminium lässt Peter Glökler Satelliten sicher ins All kommen – und das als Firma mit nur 20 Angestellten. Foto: Freyer Feinmechanik


Luft- und Raumfahrt machen ein Viertel des Firmenumsatzes aus, Verteidigung, Feinwerk- und Medizintechnik kommen auf je gut 20 Prozent. Wie hoch der Umsatz zuletzt war, sagt Peter Glökler nicht. Aber die Richtung sei klar, ergänzt Alexander Hermann, der wie Friederike Glökler Teil des dreiköpfigen Führungsteams ist. „Wir wollen jedes Jahr um fünf Prozent wachsen, und das ist uns in den vergangenen Jahren gelungen“, sagt der kaufmännische Leiter. Um diesen Weg so weitergehen zu können, sucht das Unternehmen nach Fachkräften. 


„Kleine Stückzahlen, Leichtbaukompetenz und in der Lage sein, eine hohe Komplexität bei hoher Genauigkeit umzusetzen.“ So definiert Peter Glökler die Bausteine, die Freyer zum Raumfahrtdienstleister macht. Doch wie stabil dieser Status ist, hängt von wenigen Augenblicken ab. „Wenn die Satelliten oder Raumsonden durchs All schweben, ist die Belastung auf die verwendeten Bauteile kaum messbar“, sagt der Geschäftsführer. Ausschlaggebend sind die Kräfte, die beim Start und dem Ritt durch die Atmosphäre auf die Konstruktion wirken. „Das sind vielleicht zehn oder 20 Sekunden, aber die sind entscheidend.“ 

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