Eisenwarenladen Luitpold Bauer

Nische, Nähe, Nahversorgung

Luitpold Bauer Eisenwaren und Gartengeräte in Freiburg ist heute stadtprägend und ein touristischer Magnet. Und das dank zweier Enthusiasten, die das Traditionsgeschäft einst vor der Insolvenz bewahrten.

von Johanna Kaiser

Ladenbesitzer aus Leidenschaft: Nico Winterhalter und Thomas Weisser (von links) betreiben in Freiburg ein Geschäft der besonderen Art. Foto: Johanna Kaiser

Pastellfarbene Emaille-Milchkannen hängen neben Zink-Gießkannen, darunter reihen sich Espressokocher aus Edelstahl und Gartenwerkzeuge aus Holz und Eisen aneinander – vor dem Schaufenster des Eisenwarenladens am Freiburger Schwabentor bleiben immer wieder Passanten stehen und betrachten neugierig die bunte Auslage. 100 Jahre alt ist „das Luitpold Bauer“ im vergangenen Jahr geworden – dabei hätte der Laden diesen Geburtstag gar nicht erlebt, wenn nicht zwei Enthusiasten beschlossen hätten, ihn vor der Insolvenz zu retten. „Das Traditionsgeschäft Luitpold Bauer demonstriert eindrucksvoll, wie Nische, Nahversorgung und echte Expertise im Zusammenspiel mit einer starken lokalen Vernetzung funktionieren“, sagt anerkennend IHK-Innenstadtberater Thomas Kaiser. 
Rückblick: Im Jahr 1925 begann Luitpold Bauer neben dem Schwabentor Eisenwaren zu verkaufen. Flacheisen, Ofenrohre, Werkzeug aus einem Schuppen heraus. Eisenhändler wie ihn gab es damals in jedem Stadtteil, sie stellten die Versorgung der Handwerker sicher. In den 1930er-Jahren zog Bauer mit seiner Ware auf die andere Straßenseite in ein städtisches Gebäude, das noch heute seinen Namen trägt: Luitpold Bauer Eisenwaren und Gartengeräte. Es ist der einzige Eisenwarenladen im Freiburger Stadtgebiet, der überlebt hat. Drei Generationen lang, bis 2015, war der Betrieb in Familienbesitz. 

Mit der Pandemie begannen die Probleme

Doch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie musste der Nachfolger Insolvenz anmelden – das Sortiment war um 80 Prozent geschrumpft, die Nachfrage versiegte. „Alles war blank“, erinnert sich Thomas Weisser. Im September 2022 übernahm der gelernte Landschaftsgärtner, Hobbytüftler und Lehrer das Geschäft mit Nico Winterhalter, der dort als Fachverkäufer angestellt war. „Ich glaube an Ideen, die mir stimmig scheinen. Und Nico ist die Gelassenheit in Person, der hatte da Lust drauf.“ Vier Jahre später ist das Eisenwarengeschäft aus der Freiburger Innenstadt nicht mehr wegzudenken. „Der Laden ist nachbarschaftlicher Treffpunkt und fester Bestandteil der Identität des Straßenzugs“, sagt IHK-Experte Thomas Kaiser. Diesen Ruf haben die neuen Inhaber hart erarbeitet: „Beim Luitpold Bauer gibt es alles“, sagt Winterhalter. Mittlerweile beschäftigen sie zehn Mitarbeiter, zwei davon in Teilzeit, den Rest als Minijobber. 

Solche Erfolgsgeschichten aus dem Einzelhandel sind eher die Ausnahme. Vielerorts sterben die Innenstädte aus, weil immer mehr Geschäfte schließen.

Einkaufen als Erlebnis: Das Schaufenster soll die Passanten neugierig machen. Und das funktioniert, denn Innenstadtbesucher suchen nicht mehr primär Ware, sondern Erlebnisse, so IHK-Experte Thomas Kaiser. Foto: Johanna Kaiser

Als Winterhalter und Weisser den Laden übernahmen, stockten sie zunächst den Warenbestand wieder auf, bis die Regale wieder prall gefüllt waren. Das zahlte sich aus: Der Umsatz stieg sofort an, das erste Weihnachtsgeschäft war ein voller Erfolg. Dass die Entwicklungskurve auch danach weiterhin steil nach oben ging, ist das Ergebnis einer Idee, die sich als fruchtbar erwiesen hat: „Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass man sehr viel mit dem Schaufenster machen kann. Dass man die Leute lockt, eine gute Stimmung schafft. Also Einkaufen als Erlebnis. Und das funktioniert.“ Das bestätigt Kaiser: „Innenstadtbesucher suchen in der Stadt nicht mehr primär Ware, sondern Erlebnisse, fundierte Beratung, soziale Begegnung und Aufenthaltsqualität.“ 

Auf gerade einmal 89 Quadratmetern präsentieren Winterhalter und Weisser 6500 Produkte. Jeder Zentimeter wird ausgenutzt, um die unzähligen Utensilien für Garten, Handwerk und Haushalt dem Publikum zugänglich zu machen. Die beiden Geschäftsführer legen großen Wert auf Qualität und – soweit möglich – auf Regionalität. Viele ihrer Produkte werden in Deutschland oder Baden-Württemberg hergestellt und mit vielen der rund 100 Zulieferer stehen sie persönlich in Kontakt. Das hat seinen Preis, den die Kunden jedoch bereit sind zu zahlen, denn die Werkzeuge begleiten sie oft ein Leben lang. Aus allen Gesellschaftsschichten kommen die Leute ins Luitpold Bauer. „Wir erreichen viele Menschen und legen großen Wert darauf, dass sich hier jeder reintraut“, sagt Weisser. Mindestens die Hälfte der Kunden sind Touristen. Ein Selbstläufer ist das Geschäft trotzdem nicht. „Du musst hier schon verdammt viel Arbeit reinstecken, dass der Laden läuft.“ In den ersten drei Jahren waren 60 bis 80 Wochenstunden Arbeit der Normalfall. Mittlerweile können sie sich eineinhalb Tage pro Woche freinehmen. Aber ohne Leidenschaft geht es nicht, und das spüren die Kunden: „Wir haben echt viel Freude dran“, sagt Winterhalter. 

Mehr aus dieser Ausgabe

Zur Ausgabe
Validierung

Verdiente Anerkennung

von Christiane Möller

IHK-Akademie

„Wir bleiben flexibel“

von Doris Geiger

Volz Gruppe

Fleig und fleißig

von Susanne Ehmann

Empfehlungen

My two cents - meine bescheidene Meinung

Wissen ist Macht - Knowledge is spam

Analysen waren einmal teuer, langsam und knapp. Heute liefert KI sie in Minuten – und macht damit nicht Wissen, sondern...

von Christoph Münzer