IHK-Akademie

„Wir bleiben flexibel“

Seit fast 50 Jahren reagiert die IHK-Akademie auf neue Anforderungen der Arbeitswelt. Andreas Klöble erklärt, warum persönliche Weiterbildung trotz KI unverzichtbar bleibt.

von Doris Geiger

Akademie-Leiter Andreas Klöble: „Jede Weiterbildung bei uns wird mit bis zu 75 Prozent der Kosten öffentlich gefördert.“ Foto: IHK SO/Markus Schwerer

Die IHK-Akademie Südlicher Oberrhein ist eine Instanz in der Weiterbildungswelt der Region. Über neue Lernformate, gefragte Qualifikationen und die Frage, warum Weiterbildung gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig ist, sprachen wir mit Leiter Andreas Klöble.

Herr Klöble, die Digitalisierung verändert das Lernen und Lehren grundlegend. Wie entwickelt  sich die IHK-Akademie weiter?
Unsere Akademie hat sich in den vergangenen fast 50 Jahren immer an den aktuellen Anforderungen orientiert – auch heute. Mit rund 180 Dozentinnen und Dozenten bieten wir unterschiedliche Weiterbildungen und individuelle Firmentrainings an. Gerade bei diesen wird Präsenz weiterhin bevorzugt, weil Menschen nach ihrem eigenen Bekunden so besser lernen und der persönliche Austausch einen hohen Stellenwert hat. Gleichzeitig nutzen wir die Shared Services der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung und bieten unseren Mitgliedern und Kunden damit standardisierte, digitale Online-Bildungsangebote. Darüber hinaus kooperieren wir mit unseren Nachbarkammern, indem wir Kurzformate entwickeln. Wir verstehen uns aber in erster Linie als regionaler Präsenzanbieter, um vor Ort größtmögliche Wirkung erzielen zu können. Deswegen freuen wir uns umso mehr, unsere Kunden ab September wieder in unseren modernisierten Räumen in der Freiburger Schnewlinstraße begrüßen zu dürfen.

Was bietet die Akademie in Sachen KI?
Wir haben die Fortbildung zum Meister in der vernetzten Industrie bereits umgesetzt, bilden seit Jahren Kaufleute im E-Commerce weiter und bieten Qualifizierungen zur Datenschutz-Grundverordnung sowie zum EU AI Act an. Somit greifen wir als IHK-Organisation schnell die Trends der Wirtschaft auf und konzipieren passende Weiterbildungsformate. Trotz des Hypes um die KI darf eines nicht vergessen werden: Entscheidend ist, dass junge und erfahrene Menschen ihr Wissen miteinander teilen. Das Wissen eines jeden ist wertvoll – Azubis nutzen die KI vermutlich zielführender als so mancher Berufsschullehrer. Parallel aber gibt es in den Unternehmen eine Menge Menschen kurz vor der Rente, die wertvolles Wissen in den Ruhestand mitnehmen, wenn man es nicht vorher transferiert. Dazu kommt: Wir befinden uns in einer angespannten wirtschaftliche Lage mit zahlreichen Krisen – die übersteht man am besten, wenn Menschen sich verbinden und miteinander arbeiten. KI ist hierfür ein Werkzeug.

Wie gut läuft Ihr Geschäft denn gerade?
Einige Branchen investieren aktuell weniger in Weiterbildung. Das spüren wir. Dabei ist es so, dass jede Weiterbildung bei uns mit bis zu 75 Prozent der Kosten öffentlich gefördert wird und somit trotz der Herausforderungen für Unternehmen oder Privatpersonen äußerst interessant bleibt. Und wir als Akademie bleiben flexibel und reagieren zügig auf neue Anforderungen, entwickeln Schulungskonzepte für entsprechende Fördermaßnahmen und arbeiten spontan an neuen Weiterbildungen, die wir in kurzer Zeit von der Idee in die Praxis umsetzen. Dauert diese zum Beispiel nur einen Tag, organisieren wir das innerhalb einer Woche. 

Gibt es hierfür ein Beispiel?
Unter anderem die Weiterbildung zur NIS-2-Richtlinie, der neuen EU-Gesetzgebung zur Cybersicherheit und -resilienz. Anfang Oktober bieten wir hierfür eine halbtägige hybride Schulung speziell für Geschäftsleitungen an.

Was unterscheidet eine Weiterbildung bei der IHK von jener eines privaten Anbieters?
Unsere Zertifikatslehrgänge werden vollständig von der IHK entwickelt und begleitet. Außerdem wollen Unternehmen wie deren Beschäftigte, dass eine Weiterbildung eine gewisse Wertigkeit aufweist und dass ein seriöses Konzept dahintersteht. Genau das liefern wir. Wir haben zum Beispiel mit dem Freiburger Unternehmen Alexander Bürkle einen Zertifikatslehrgang für Fachkräfte für Kommunikationstechnik entwickelt, bei dem unser Kunde auch noch die eigenen Lieferanten einbindet. Das Ganze ist perfekt auf das Unternehmen zugeschnitten und entspricht vollumfänglich den bundeseinheitlichen Zertifikatsregeln der IHK-Organisation – Vergleichbares würde man bei Privatanbietern lange suchen müssen.

Es gibt jede Menge offener Stellen – und leider sehr viele Menschen mit zu geringer Qualifikation. Wie begegnet die IHK diesem Problem?
Wir arbeiten mit Unternehmen wie beispielsweise Zalando am Standort Lahr zusammen und machen deren Mitarbeiter fit, damit sie Prüfungen bestehen und ihr eigenes Berufsleben endlich ambitioniert voranbringen. Außerdem öffnen wir uns gerade dafür, dass wir mit Bildungsgutscheinen zum Beispiel für die Agentur für Arbeit wieder Leute dorthin zurückbringen, wo es ihnen gut geht und wo sie gebraucht werden: im Job und in neu definierten Jobprofilen.

Tag der Aus- und Weiterbildung


Persönliche Gespräche, praxisnahe Einblicke und wertvolle Kontakte: Das alles und noch viel mehr gibt es beim Tag der Aus- und Weiterbildung am 26. September in der IHK in Freiburg. Für Fachkräfte, die den nächsten Schritt auf ihrem beruflichen Weg gehen wollen. Und für Eltern und Schülerinnen und Schüler, die etwas über die Karrierechancen mit einer dualen Ausbildung erfahren wollen. 

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