Volz Gruppe

Fleig und fleißig

Die Deilinger Volz Gruppe ist ein Hidden Champion mit besonders sozialer Ader. Das liegt auch daran, dass man hier die Dinge gern ein bisschen anders macht als anderswo – und das mit Erfolg.

von Susanne Ehmann

Auch mal gegen den Trend: Christoph Fleig, Volz-Geschäftsführer in dritter Generation, hält es da genauso wie seine Vorgänger. Foto: Volz Gruppe

Auch mal links abbiegen, wenn alle rechts wollen. Und möglichst immer einen Tick vor der Welle sein. So haben sie das schon immer gehalten bei Volz und sind damit gut gefahren. Heißt zum Beispiel: Als alle für die Automobilindustrie Teile produzieren wollten, entschied sich der Hersteller von Hydraulik-Komponenten bewusst dagegen. Weitblick, der sich heute auszahlt. Als in den 2000er-Jahren andere Unternehmer keine Frauen zwischen 25 und 40 beschäftigen wollten, sie könnten ja schwanger ausfallen, stellte Volz erst recht welche an. Das brachte einige sehr gute und bis heute treue Mitarbeiterinnen hervor. Früh setzte man auf Internationalität, heute haben 70 Prozent der Belegschaft einen Migrationshintergrund. Bei der Firma mit Sitz in der 1800-Einwohner-Gemeinde-Deilingen auf der Schwäbischen Alb hat man aber vor allem früh verstanden, dass Mitarbeiter das wichtigste Kapital eines Unternehmens sind. Und in sie wird investiert, denn gerade auf dem Land sind Fachkräfte rar. Volz ist somit ein Hidden Champion der besonderen Art: mit besonderem sozialen Verantwortungsbewusstsein. „Wir werden nur Erfolg haben und der Mitarbeiter ist nur dann gut, wenn er befreit arbeiten kann“, sagt Christoph Fleig, Geschäftsführer des Familienunternehmens, das vergangenes Jahr 100-Jähriges gefeiert hat. Bei Volz wird hingehört: Was sind die Sorgen und Nöte unserer Mitarbeiter? Und dann wird nicht lange gefackelt. „Wir versuchen Probleme zu lösen, bevor sie entstehen.“ 

Volz Kidz: der Meilenstein

Motto: Just do it. Dank dieser Einstellung bietet Volz seit etwa 15 Jahren proaktiv Deutschkurse für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund an, kommt pflegenden Angehörigen in der Belegschaft mit einem flexiblen Arbeitszeitenmodell entgegen und investiert gerade 2,6 Millionen Euro für Mitarbeiterwohnungen. Die Firma baut eine Industriebrache im Ort um, fußläufig zur Volz-Zentrale gelegen. Ein Meilenstein war der Betriebskindergarten, mit dem das Unternehmen vor mehr als 20 Jahren in der Region Vorreiter war. Für Volz Kidz hat das Unternehmen im Laufe der Jahre knapp sieben Millionen Euro investiert – rein finanziell aber lange nicht so viel rausbekommen. Denn der Kindergarten trägt sich nicht. Hinzu kommen eine Menge Bürokratie und Verantwortung, Fleig ist qua Amt auch Kindergarten-Chef. Rational betrachtet, sprechen Nachteile und Risiken eigentlich gegen so ein Projekt, sagt der Volz-Chef. Trotzdem: „Wir würden es wieder machen.“ Der Kindergarten wurde ein Erfolg und sei „bestes Marketing für die Firma Volz“, bestes Employer Branding. Doch bei aller Liebe zu Sozialem: Fleig ist kein Träumer: „Eine Firma muss wirtschaftlich erfolgreich sein, damit sie sozial sein kann, und nicht umgekehrt.“ 

Vorreiterrolle: 2005 hat Volz die firmeneigene Kindergartenstätte Volz Kidz gegründet, den die Kinder von
Volz-Mitarbeitern und von Deilinger Eltern besuchen. Fotos: Volz Gruppe

Über die eigenen Produkte Fachkräfte anzuziehen, gestaltet sich für die Firma jedenfalls eher schwierig. Zwar kommen Volz-Produkte Foto: Volz Gruppe Auch mal gegen den Trend: Christoph Fleig, Volz-Geschäftsführer in dritter Generation, hält es da genauso wie seine Vorgänger. Christoph Fleig, Geschäftsführer Volz Gruppe „Eine Firma muss wirtschaftlich erfolgreich sein, um sozial sein zu können – nicht umgekehrt.“ Die Unternehmerkanzlei im Mittelstand Innovative Wege gehen bei Wachstum und Entwicklung Freiburg Karlsruhe Offenburg hbm-partner.de HBM Hecht Budai & Partner mbB Wirtschaftsprüfer Steuerberater Rechtsanwälte fast überall zum Einsatz – wenn ein Bagger die Schaufel hebt, ein Zug fährt, ein Rechenzentrum läuft, ein Kreuzfahrtschiff in See sticht – aber niemand sieht das. Volz fertigt Verbindungsstücke für Leitungen in Hydraulikanlagen. Extrem viele verschiedene Produkte für nahezu alle Branchen überall auf der Welt, allerdings sehr klein. „Aber wenn die nicht funktionieren, funktioniert die ganze Anlage nicht.“

Amazons Impact auch in Deilingen

Fleig sagt, dass seine Firma in dieser Nische zu den Top drei weltweit zählt. Für große Firmen gebe der Markt nicht genug her. Mit 40 Millionen Euro Umsatz und insgesamt 350 Mitarbeitern zählt Volz aber auch nicht zu den ganz Kleinen. Man sei ein globales Unternehmen, das mehr als die Hälfte seiner Produkte exportiert. Produziert wird in Deilingen und seit knapp 30 Jahren zusätzlich im polnischen Breslau - auch das so ein Vor-der-Welle-sein. Der Standort sei schon etwa fünf Jahre vor der großen Go-East-Bewegung in Polen entstanden. Und weil sich momentan zwar vieles verändert, aber eben doch nicht alles, blickt Fleig auch recht entspannt in die Zukunft – trotz stürmischer Zeiten. Der Markt für Hydraulik-Komponenten werde dank Service nicht von jetzt auf gleich zusammenbrechen, ist er sich sicher. Denn auch wenn etwas ganz Neues erfunden würde, fahre immer noch irgendwo der 50 Jahre alte Traktor auf dem Feld herum und der hat Ersatzteilbedarf. Aber flexibel müsse man bleiben – und schnell. Dieser „Impact von Amazon“, so nennt es Fleig, dieses heute bestellt und morgen geliefert, das komme auch im Beruflichen an. „Wir sind überzeugt, dass künftig der Schnelle erfolgreich sein wird, der Flexible – aber vielleicht nicht das größte Schlachtschiff.“ Bei einem Thema der Zukunft, dem Wasserstoff, steht Volz auch schon in den Startlöchern. Klar. Wasserstoff muss gespeichert und transportiert werden und dafür braucht es die richtige Technologie. Die Zulassung für die Schneidringverschraubungen, eine Verbindungstechnik von Rohren, die höchsten Drücken standhält, hat Fleig schon auf dem Tisch. „Die Zeit des Wasserstoffs ist noch nicht gekommen, aber wir sind bereit. Und hoffentlich wieder so ein, zwei Schritte vor der Welle.“

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