Unisphere in Konstanz

Die Drohnen-Schaltzentrale

Die Konstanzer Firma Unisphere hat eine Plattform entwickelt, mit der sich zivile Drohnenflüge per digitalem Zwilling berechnen und simulieren lassen. 

von Benedikt Brüne

Foto: Unisphere

Gleich links neben der Glastür hängt die Solar Impulse 2 an der Decke – als würde sie im nächsten Moment durch das Büro des Konstanzer Unternehmens Unisphere schweben. Ein Modell natürlich, Maßstab 1:70. 2016 hatte die Originalversion des Flugzeugs Geschichte geschrieben. Damals absolvierten die Schweizer Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg eine Weltumrundung – zum ersten Mal mit einem emissionsfreien Flugzeug, bestückt mit vier Elektromotoren, gut 17 000 Solarzellen und einer Spannweite, die mit 72 Metern die einer Boing 747 übertraf.

Vom Boden bis in die Stratosphäre

Zum Team der beiden Abenteurer gehörten Ingenieur Michael Anger und Pilot Christoph Schlettig. Ein Jahr später haben sie am Bodensee ihr Start-up Unisphere gegründet. Wirtschaftsingenieur Christoph Selig, 2017 noch Doktorand der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, komplettierte als CCO die Führungsebene. Simulationstechnologien für die automatisierte, unbemannte Luftfahrt: Mit diesem Kerngeschäft arbeitet das Trio mit Drohnenbetreibern vom unteren Luftraum bis 20 Kilometer hinauf in die Stratosphäre. „Ein Großteil der heutigen Drohnen wird in Sichtweite des Piloten gesteuert, per Joystick“, erklärt Selig. Fliegt die Drohne aus dem Sichtfeld hinaus, weil sie – wie etwa in Zürich – Blut- und Gewebeproben vom Uni-Spital zum Labor transportiert, kommt die Unisphere-Software Nova ins Spiel. Die erzeugt einen digitalen Zwilling, der den Flug berechnet, simuliert, überwacht. Kunden sind Betreiber von Drohnen sowie von Vertiports, also von Start- und Landeplätzen für senkrecht startende Flugtaxis. Ohne Sicherheitseinbußen reduziert Unisphere das menschliche Involvement und generiert so einen wirtschaftlichen Vorteil. 
Per Ampelfarben zeigt die mit Wetterdaten gefütterte Software an, wann der Flug sicher absolviert werden kann. Anders als in der klassischen Luftfahrt, stellt kein Pilot ein Briefing aus Wetterdaten, Spritvolumen, Gewicht, Entfernung etc. zusammen, sondern Nova. Mehrere Tausend Flüge simuliert Unisphere auf diese Weise – täglich

Medizin, Logistik und Verteidigung

15 feste Mitarbeiter schieben das Geschäft voran, ergänzt durch studentische Hilfskräfte. Der siebenstellige Jahresumsatz wird mit Software-Entwicklung, Engineering und Consulting erzielt. Auch in Zulassungsfragen ist Unisphere Wissenshub für Unternehmen. Hinzu kommen Forschungs- und Förderprojekte. Eine Kooperation gibt es mit dem auf Verteidigung und Sicherheit spezialisierten Thales-Konzern. „Allerdings ist das eher ein Randaspekt“, sagt Schlettig. 90 Prozent des Geschäfts betreffen zivile Anwendungen speziell in den Sparten Medizin und Logistik. Transporte bis vier Kilogramm Gewicht, Inspektionen an Windparks in Nord- und Ostsee gehören dazu, auch an Bahntrassen, etwa nach Sturmschäden. 
Rund ein Viertel des globalen Marktes deckt Unisphere ab. „Es gibt eine Handvoll Unternehmen, die etwas Ähnliches anbieten wie wir“, sagt Selig. Weltweit stehen die Zeichen auf Wachstum. Statt der deutschen Zurückhaltung gibt es vielerorts Innovation und Begeisterung. So sei es in Dublin schon heute normal, Pakete für Privathaushalte per Drohne zuzustellen, ergänzt Michael Anger. 250 000 Lieferungen in den letzten drei Jahren. 

Gründer: Michael Anger, Christoph Schlettig,  Christoph Selig
Ort: Konstanz
Gründung: 2017
Branche: IT/Logistik
Website: https://unisphere.io/de

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