EBM-Papst

Frischer Wind

Für gut fünf Milliarden Euro geht  Europas Hidden Champion für Lüfter,  Kühler und Ventilatoren an einen  US-Konzern – aus Sicht der Amerikaner auf jeden Fall ein guter Deal, oder? 

von Ulf Tietge

Was kostet ein echter Hidden Champion aus Deutschland mit 13 000 Mitarbeitern? Nur halb so viel wie das fast zeitgleich verkaufte Football-Team der Seattle Seahawks – also fünf Milliarden Euro. Auf Grundlage dieser Bewertung hat der US-Konzern Madison Air Solutions Mitte August seinen großen europäischen Wettbewerber EBMPapst (mitsamt dem Papst-Werk in St. Georgen)  übernommen – aber gefeiert wurde das an der Wall Street nicht. Ganz im Gegenteil: Binnen einer Woche sackte der Madison-Kurs nach massiven Verkäufen von 30 auf nur noch 25 Dollar ab, die Börsenkapitalisierung brach um 1,5 Milliarden Euro ein. Liegt Larry Gies also mit seiner Einschätzung falsch, dass EBM-Papst als deutscher Hidden Champion mit 2,2 Milliarden Euro Umsatz und einer Bewertung von 5,1 Milliarden Euro eher ein Schnäppchen denn ein Abenteuer ist? 

Boomende Nachfrage – dank KI

Wir wissen, was ein wirklich gutes Unternehmen ausmacht – und EBM-Papst ist definitiv eines davon“, teilte Larry Gies am Tag des Deals Fotos: EBM-Papst mit. „Die Nachfrage nach hochwertiger Kältetechnologie wächst weltweit rasant, und EBMPapst hat das Know-how und die Kapazitäten, die der Markt heute braucht.“ Gegenüber deutschen Medien hieß es zudem, dass „die Kultur und das Erbe“, das die Gesellschafterfamilien aufgebaut haben, als größte Stärken der Gruppe bewahrt würden und dass die beiden Unternehmen sich ideal in ihren regionalen Stärken ergänzen: EBM-Papst als Platzhirsch in Europa und attraktivem Geschäft in Asien, Madison dagegen mit seiner Präsenz in Nordamerika und dem Zugang zum US-Kapitalmarkt. 

Madison Air bringe die notwendige Finanzkraft, einen langfristigen unternehmerischen Horizont und eigene technische Lösungen mit, um das Potenzial von EBM-Papst noch stärker zu heben, erläuterten Chloë McCracken, Jan Philippiak und Ralf Sturm im Namen der Gesellschafterfamilien: „Wir sind davon überzeugt, dass die Mitarbeiter und EBM-Papst insgesamt von diesem Schritt profitieren.“

EBM-Papst in St. Georgen: Rund 600 Mitarbeiter beschäftigt EBM-Papst am Stammsitz in St. Georgen (Foto) und dem 2016 eröffneten Werk im Stadtteil Hagenmoos. Zum Standort mit seinen insgesamt 1500 Mitarbeitern gehören auch die Zweigwerke in Herbolzheim und Lauf/Pegnitz.

EBM-Papst-CEO Klaus Geißdörfer sieht den Verkauf des Familienunternehmens an die Amerikaner positiv. „EBM-Papst steht heute so stark da wie nie zuvor. Wir sind dank unserer strategischen Ausrichtung auf Wachstumskurs, unser innovatives Kerngeschäft Air Technology wächst stark, und das Datacenter-Geschäft entwickelt sich außerordentlich dynamisch.“ Das große Potenzial für die Weiterentwicklung der Gruppe sei aber nicht ausgeschöpft. Mit Madison habe man nun genau den Partner gefunden, den es brauche, um die Marktführerschaft weiter auszubauen. Geißdörfer blickt derweil vor allem auf das boomende Geschäft mit Rechenzentren. Der weltweite Ausbau digitaler Infrastrukturen und der Fortschritt im Bereich künstlicher Intelligenz schafften einen rasant steigenden Bedarf an hocheffizienten, skalierbaren Kühllösungen – und genau darauf konzentriert sich EBM-Papst seit Anfang der 2020er-Jahre. EBM-Papst verbindet dabei über die Plattform Nexaira physische Produkte und digitale Plattformen zu intelligenten Systemen, die eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs in Rechenzentren ermöglichen. Gleichzeitig aber gibt es bei EBM nach wie vor das traditionelle Geschäft mit Elektromotoren, Ventilatoren und Pumpen sowie ein Portfolio von rund 20 000 Produkten. Aber bleibt es dabei? Das bleibt abzuwarten. Klar ist, dass sich EBM-Papst „auf Zukunftsthemen fokussieren“ will und angekündigt hat, dass Mulfingen Hauptsitz der Unternehmensgruppe bleibe sowie „ein bedeutender Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandort“.

St. Georgen wurde indes nicht erwähnt, obwohl EBM-Papst 1992 durch den Zusammenschluss der schwäbischen Elektrobau Mulfingen GmbH und der damals kriselnden Papst Motoren GmbH aus St. Georgen entstanden ist. Aber während EBM-Papst zuletzt neue große Werke in China, Indien und den USA errichtete, hat man sich vom Geschäftsfeld Industrielle Antriebstechnik, einem Teil des Papst-Erbes, verabschiedet – denn die IDT-Sparte mit 80 Mitarbeitern in St. Georgen und 650 insgesamt wurde 2025 an Siemens verkauft.

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