Vom Ankommen und Wiederkommen
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von Susanne Ehmann
Über halb Südbaden erstreckt sich inzwischen die Innovationsplattform Baden Campus. Die Badenova-Tochter unterstützt Start-ups beim Wachsen, Unternehmen beim Innovativsein - und hat aktuell ihr erstes eigenes Produkt verkauft...
von Susanne Ehmann
Damit etwas entstehen kann, braucht es die richtigen Zutaten zur richtigen Zeit. In diesem Fall waren das ein großes Unternehmen, dessen Innovationsfonds und der Wunsch, nicht nur die Innovationsarbeit in der Region zu boosten - sondern auch die eigene. Dazu eine Prise Fördergeld vom Land und herauskam: der Baden Campus, Treffpunkt für die regionale Innovationsszene. Die 2017 gegründete Tochter des Energieversorgers Badenova, angesiedelt in Breisach. Nah an Frankreich und der Schweiz, bewusst außerhalb der Großstadt. „Auch im Freiburger Umland sitzen viele Hidden Champions und die Industriepartner sind ja gerade interessant für Start-ups“, sagt CEO Thomas Scheuerle. Und so wächst und gedeiht die Innovationsplattform (das Team hat sich inzwischen auf 40 Leute verzehnfacht) und um sie herum ein Innovationsökosystem.
Thomas Scheuerle sitzt im Friz, der Kurzform für Freiburger Innovationszentrum, an einem großen Esstisch neben der Gemeinschaftsküchenzeile. Vor sich auf dem Tisch ein Glas Wasser, daneben steht Kuchen, den jemand mitgebracht hat, viel ist nicht mehr da. Der Baden-Campus-Chef hat keinen festen Schreibtisch, aber viele Arbeitsplätze: Mal sitzt er in der ehemaligen Lagerhalle in Breisach, wo der Baden Campus seinen Hauptsitz hat, mal hier im Friz, mal im Flow1986 in Offenburg, mal bei Badenova, wo der 44-Jährige in verbindender Doppelfunktion auch den Bereich Innovation und Digitalisierung leitet, oder seit kurzem auch mal im Innocel Innovations-Center in Lörrach – eben überall da, wo das Innovationszentrum nach und nach Niederlassungen eröffnet hat.
„Wie eine Cloud-Anwendung, die überall Desktop-Anwendungen hat, wenn man so will.“ Das hat den Vorteil, dass der Campus direkt vor Ort und trotzdem ein schlagkräftiges großes Ganzes sein kann. Vor Ort sein ist wichtig für Innovationsarbeit. „Das Innovationsgeschehen lebt stark von Vernetzungsformaten“, sagt Scheuerle über das Brummen der Siebträgermaschine hinweg, an der sich gerade jemand einen Kaffee macht. Zusätzlich zu Co-Working-spaces für Freelancer, Büros für Start-ups und Räumen für Workshops bietet der Baden Campus daher auch Events an. Den großen Hackathon mit 100 Technologietalenten aus Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien wie das informelle Treffen zwischen Unternehmen, Wissenschaft und Gründern.
Neben Badenova, einem wichtigen Ankerkunden, der den Baden Campus als interne Innovationsabteilung nutzt, kaufen Sick, Testo, Endress + Hauser, B. Braun, Pfizer und andere namhafte Firmen der Region regelmäßig dort Innovationsarbeit ein und bekommen als Dienstleistung Start-ups aus der ganzen Welt vermittelt.
Darüber hinaus fördert der Baden Campus gemeinsame Innovationsvorhaben, bei denen Unternehmen Wissen, Kosten und Erfahrungen teilen. Ein Beispiel: die gemeinsame Bearbeitung von Fragestellungen zur humanoiden Robotik mit der Hochschule Offenburg und interessierten Unternehmen. Jährlich betreut Baden Campus rund 100 Unternehmenskunden und begleitet etwa 30 Start-ups besonders eng, sagt Scheuerle. Insgesamt werden jährlich mehrere Hundert Startups geprüft, auf Veranstaltungen präsentiert, für Kooperationen vermittelt oder als mögliche Investments betrachtet. Der Baden Campus investiert inzwischen auch selbst – etwa in das Freiburger Start-up Prior Labs, das kürzlich von SAP übernommen wurde.
„Eine Firma wie unsere funktioniert nur, wenn sie sich wirtschaftlich tragen muss.“
It’s all about Vernetzung: Die wichtigsten Formate des Baden Campus sind Start-up-Demodays, Workshops, Hackathons, Netzwerkveranstaltungen und informelle Treff en zwischen Unternehmen, Wissenschaft und Gründern. Die Ziele sind immer ähnlich: Synergien zu schaff en und Lösungen zu entwickeln.
Seit einigen Jahren sei ein Aufschwung spürbar, so Scheuerle. Nicht nur die Unternehmen, auch die Politik habe die Bedeutung von Innovation und Start-ups für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsstandorts erkannt. Dafür spricht auch die kürzlich beschlossene Start-up- und Scaleup-Strategie, mit der die Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen schaffen will. Es gibt also viel zu tun für den Baden Campus – auch intern. Denn momentan ist das KI-Team um CTO Niklas Goby dabei, ein erstes eigenes Softwareprodukt zu entwickeln. „Wir setzen eine KI-Unterstützung unserer eigenen Arbeit auf.“ Eine Anwendung, bei der die KI wie ein Gedächtnis für die internen Informationen funktioniert und hilft, Partner und Projektideen zusammenzubringen. Der Kortex der Firma sozusagen, daher auch der Name: Cortiv. Scheuerle lächelt. „Alle sind gerade ganz aufgeregt und begeistert “ – auch weil man den ersten Kunden gewonnen hat.
Die Baden Campus GmbH & Co. KG funktioniert wie ein wirtschaftlich eigenständiges Unternehmen, Gewinne kommen über Badenova indirekt den beteiligten Kommunen zugute, sagt der CEO. Der Umsatz geht aktuell auf die drei Millionen zu. Teils kommt das Geld von großen Firmen, teils durch Förderprogramme, denn die frühphasige Betreuung ist für die Start-ups in der Regel kostenlos. Scheuerle: „Ich bin überzeugt davon, dass eine Firma wie unsere nur funktioniert, wenn sie sich wirtschaftlich selbst tragen und damit kundenorientiert arbeiten muss. Sonst fehlt der Biss.“
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