Bauen und Architektur

Vom Ankommen und Wiederkommen

Bieder war gestern: Der Tourismus im Schwarzwald vollzieht einen Imagewandel und wird zum Wohlfühlort für Jung und Alt – auch weil moderne architektonische Schmuckstücke die traditionelle Schwarzwaldhausromantik aufmischen.

von Susanne Ehmann

Foto: Luisenhöhe

Ein Resort auf einem Hochplateau, drumherum Wälder und Wiesen. Kein grober Hotelklotz, sondern ein elegant geschwungener Gebäudekörper. Er wirkt wie in die Landschaft gegossen. Vor drei Jahren wurde das Luxushotel Luisenhöhe in Horben bei Freiburg fertiggestellt, seither heimst es Lob und Preise ein: fürs Essen, fürs Spa – und für die Architektur. Das Resort ist bereits Preisträger für beispielhaftes Bauen der Architektenkammer Baden-Württemberg und aktuell in der Kategorie Hospitality für den Badischen Architekturpreis 2026 nominiert. 

Architektur ist ein Schlüssel zum Erfolg

Die Luisenhöhe ist ein Paradebeispiel für eine ganze Reihe architektonischer Schmuckstücke der jüngsten Zeit, die zeigen: Es tut sich was im Walde. Der Tourismus im Schwarzwald vollzieht einen Wandel: vom Image des biederen Urlaubsorts für eher ältere Semester hin zum Wohlfühlort für alle, findet auch Wolfgang Riehle. Der Architekt und Stadtplaner ist Juryvorsitzender beim Badischen Architekturpreis. Er sagt: Die Region habe verstanden, „dass Architektur ein Schlüssel zum Erfolg“ sei.

Gerade beim Bau von Hotels und Ferienwohnungen stehen aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit und Gesundheit oder der pflegliche Umgang mit Baubestand und umgebender Naturlandschaft im Fokus: Es geht um Identität und Authentizität, um Innovationen und Wohlgefühl.“ Die Zukunft gehöre „nicht vorrangig der tradierten Schwarzwaldhausromantik“, sondern Foto: Luisenhöhe Objekten, die sich in die Landschaft einfügen und „den Schwarzwald als gastfreundliche Wohlfühlregion erlebbar“ machen.

Einen Wandel erkennt auch Schwarzwald-Tourismus-Chef Hansjörg Mair: „Der Schwarzwald hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt und ist längst nicht mehr das Klischee einer traditionellen Ferienregion.“ Das Image der Region sei „hervorragend“ und gleichzeitig entstünden zahlreiche neue Hotels sowie außergewöhnliche Urlaubsunterkünfte. Mair: „Diese Entwicklungen tragen dazu bei, den Schwarzwald für neue Zielgruppen attraktiv zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit der Region weiter zu stärken.“ 

Luxuriöse Luisenhöhe: Das Resort ist Preisträger für beispielhaftes Bauen 2023 der Architektenkammer Baden-Württemberg und aktuell in der Kategorie Hospitality für den Badischen Architekturpreis 2026 nominiert. Fotos: Luisenhöhe

Den Schwarzwald kennen fast alle

Das Reiseziel Schwarzwald gehört in der deutschen Bevölkerung zu den bekanntesten inländischen Destinationen. Kuckucksuhr, Schwarzwaldhaus und Bollenhut sind beliebt, das belegen steigende Gästezahlen: 2025 kamen laut Statistischem Bundesamt 9,3 Millionen Besucher in die Region, knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen stieg leicht auf rund 23,4 Millionen. Bei aller Begeisterung gibt es aber auch einen kleinen Dämpfer. Die Online-Reputation der Beherbergungsbetriebe zeigt: Lage, Service und Sauberkeit der Unterkünfte in der Ferienregion Schwarzwald werden von Nutzern in den relevanten Online-Portalen zwar positiv bewertet – beim Zustand der Hotels ist aber noch Luft nach oben. Auch daher rücke Architektur zunehmend ins Bewusstsein von Gastgebern und Tourismus-Experten. 

Auch auf Anregung der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) wurde daher die Kategorie „Hospitality“ (also Gastlichkeit) beim Badischen Architekturpreis neu eingeführt. STG-Chef Mair: „Urlaubsentscheidungen werden heute längst nicht mehr nur aufgrund der Landschaft oder des Freizeitangebots getroff en, sondern zunehmend auch aufgrund architektonischer Qualität. Mit der neuen Kategorie erhält dieser wichtige Erfolgsfaktor die Sichtbarkeit, die er verdient.“ 

„Gastgeber schaffen Mehrwert mit Kreativität, regionaler Identität und Mut zu Neuem“
Eckhart Fink, IHK Hochrhein-Bodensee

Das gelte sowohl fürs ländliche als auch fürs urbanere Umfeld, genauso für Wellness- oder Wander-Urlaub wie für Business- oder Städtetrip. Das zeige auch der Blick nach Waldkirch, zum Artbau Hotel, ebenfalls für den Badischen Architekturpreis nominiert. Ein kleines Boutique-Hotel mit Café und Bar, Baujahr 2022. Gebaut auf einem schmalen Grundstück in einem gewerblich geprägten Umfeld. Mit viel Wir halten, was wir bauen Für uns beginnt jedes Projekt mit einem Gespräch und dem Verständnis für Ziele, Verantwortung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Wir planen, koordinieren und realisieren bis zur Schlüsselübergabe. Sichtbeton, regionalem Ulmenholz, Terrazzo, Stahl und Licht. „Ein Haus, das regionale Baukultur zeitgemäß übersetzt“, heißt es auf der Website des Badischen Architekturpreises. Und eines, das im Gedächtnis bleiben soll. 

Sichtbeton, Holz und Licht: Das Artbau Hotel in Waldkirch, ein kleines Boutique-Hotel mit viel Sichtbeton, ist für den Badischen Architekturpreis nominiert Fotos: Maris Mezulis

Mit Mut Mehrwert schaffen

Wir stellen fest, dass Gastgeberinnen und Gastgeber mit Kreativität, regionaler Identität und Mut zu neuen Konzepten Mehrwert schaffen“, sagt Eckhart Fink, Referent Handel und Tourismus bei der IHK Hochrhein-Bodensee. Noch so ein Beispiel: Marius Tröndle. Mit dem Auerhahn, dem Gourmet- und Wellnesshotel direkt am Schluchsee, will der junge Hotelier bewusst jüngere Menschen mit einer Kombination von Kulinarik, Wellness und Aktivurlaub ansprechen. Der 1774 erbaute traditionelle Schwarzwaldhof wurde zuletzt für einen zweistelligen Millionenbetrag umgebaut und ins Heute geholt. Anfang 2025 eröffnete der Auerhahn 4.0 und damit hat die Familie Tröndle zusammen mit dem Restaurant „Mühle“, das erst kürzlich vom Gault Millau von einem auf zwei Sterne hochgewertet wurde, am Schluchsee ein kleines Tröndle-Imperium geschaffen.

Ausspannen im Auerhahn: Der 1774 erbaute traditionelle Schwarzwaldhof am Schluchsee wurde für einen zweistelligen Millionenbetrag umgebaut. Fotos: Rainer Kallenbach

Wandel oder logische Konsequenz?

Die Liste der architektonischen Hospitality-Highlights in der Region lässt sich leicht fortsetzen: Da wäre noch das Friz B&B, die denkmalgeschützte Pflughofscheune von 1843 in Gundelfingen bei Freiburg, die mit viel Gefühl restauriert und in sieben architektonisch individuell gestaltete Design-Ferienwohnungen verwandelt wurde. Oder Le Rossignol etwa 60 Kilometer weiter südlich im Efringen-Kirchener Ortsteil Blansingen, ein 200 Jahre alter, denkmalgeschützter Gutshof, der sensibel im Bestand saniert und modernisiert wurde. 

Was für die einen Wandel ist, ist für die anderen logische Konsequenz: Christina Gehri von der IHK Südlicher Oberrhein führt die Entwicklungen eher zurück auf die notwendigen Anforderungen an laufende Modernisierung, Nachhaltigkeit sowie das gestiegene Bewusstsein für eine Architektur, die ins Landschaftsbild einer Urlaubsregion passt. Für die Leiterin des Fachbereichs Standort und Branchen ist es nicht allein die Architektur, die ein Hotel erfolgreich macht. „Dafür braucht es ein Gesamtpaket.“ Übernachtungsbetriebe müssten das besondere Gästeerlebnis grundsätzlich im Bewusstsein haben, um am Markt bestehen zu können. So könne der USP auch die Alleinlage des Hotels oder das Außergewöhnliche sein. Eine Übernachtung in Fässern, im Baumhaus oder im Schloss liege beispielsweise im Trend.  „Was bekommen fürs Geld“ – darauf komme es an. 

Scheune in schön: Die Ferienwohnungen im Friz B&B in Gundelfingen sind alle architektonisch individuell gestaltet. Foto: Levgen Lompei

Eckhart Fink von der IHK Hochrhein-Bodensee pflichtet Gehri bei: „Menschen reisen heute nicht nur an einen Ort, sie suchen Erlebnisse und Geschichten, das Besondere und Authentizität – also Angebote, die positive Erinnerungen schaffen.“ Beherbergungsbetriebe stelle das vor die Aufgabe, sich auf die Ansprüche ihrer Zielgruppen auszurichten und individuell von anderen abzuheben. Eine echte Chance und zugleich eine enorme Herausforderung, sagt Tourismus-Experte Fink. 

Denn anspruchsvolle Architektur kostet Geld. Doch das kann sich rechnen. „Wer kontinuierlich in sein Hotel und seine Dienstleistungen investiert, hat die Möglichkeit, zu einer echten Marke zu werden und vorne mitzuspielen. Die Gäste werden zu Fans und kommen im Idealfall wieder“, sagt Fink. Davon profitiere die gesamte Wirtschaft in der Region, indem ein Kreislauf mit lokalen Tourismus-, Handels- und Dienstleistungsbetrieben entstehe. Das zeigt einmal mehr das Beispiel Luisenhöhe: Das Luxushotel bescherte dem 1200-Einwohner-Örtchen Horben im vergangenen Jahr 33 Prozent mehr Übernachtungen.

Wurde in den vergangenen Jahren zu wenig in hochwertige Hospitality-Projekte investiert? STG-Chef Mair antwortet diplomatisch: „Wenn man den Vergleich mit vielen Mitbewerber- regionen zieht, dann waren die Investitionszyklen dort häufig kürzer.“ Daher engagiere sich die STG mit der Zusammenarbeit beim Badischen Architekturpreis oder Initiativen wie „Designed to stay“ gezielt für mehr Aufmerksamkeit rund um die Themen Architektur und touristische Qualität. 

Neues Leben im alten Gemäuer La Rossignol in Blansingen ist ein 200 Jahre alter, denkmalgeschützter Gutshof, der liebevoll restauriert wurde. Altes wurde hier mit Modernem vermischt und so ins Jetzt geholt. Fotos: Paul Wagner

Neue Qualitätsimpulse

Der Wettbewerb „Designed to stay“, der auch von den regionalen Industrie- und Handelskammern unterstützt wird, fördert innovative Hotelkonzepte. In diesem Jahr wurden unter anderem das Hotel Hanauerhof in Appenweier und das Hotel Jägerhaus in St. Peter ausgewählt, sie erhielten ein maßgeschneidertes Hotelzimmer beziehungsweise ein Bad. So sollen Hoteliers in Zeiten steigender Kosten, veränderter Gästebedürfnisse und zunehmenden Modernisierungsdrucks nachhaltig unterstützt und neue Qualitätsimpulse im Schwarzwald gesetzt werden, schreibt dazu die STG. 

Doch es sei nicht so, dass nun gefühlt jeder zweite Betrieb seine Immobilie völlig neu gestalten müsse, beschwichtigt IHK-Expertin Gehri. „Die Architektur muss zum Angebot, zur Zielgruppe und in die Region passen. Wie heißt es so schön: Der Köder muss dem Fisch schmecken.“ Klar ist laut STG-Chef Mair aber: „Wer künftig kein marktgerechtes und qualitativ hochwertiges Angebot bereitstellt, wird es zunehmend schwer haben, Gäste zu gewinnen und dauerhaft erfolgreich zu sein. Investitionen in Architektur, Design und Aufenthaltsqualität sind heute keine Kür mehr, sondern ein wichtiger Bestandteil der touristischen Wettbewerbsfähigkeit.“

Kontakt zu den IHK-Experten

Immer für Sie da:

Christina Gehri:

  • 07 61/38 58-1 42 
  • christina.gehri@freiburg.ihk.de

Eckhart Fink: 

  • 0 75 31/28 60-1 30 
  • eckhart.fink@konstanz.ihk.de

Daniela Hermann:

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