Huber Kältemaschinen: der Weltmarktführer aus Offenburg

Coole Jungs

Früher ein kleiner Handwerksbetrieb, heute gleich mit zwei Firmen als  Hidden Champion unterwegs: Die Offenburger Unternehmer-Familie Huber war schon immer cool – aber jetzt dreht die dritte Generation richtig am Gas.

von Ulf Tietge

100 Millionen Euro Umsatz einfach verdoppeln. „Das ginge“, sagt Daniel Huber. „Die Nachfrage dafür ist da.“ Der Offenburger Unternehmer schaut bei diesen Worten aus seinem großen Fenster mit Blick aufs Hohe Horn rüber zum Werk von Schneider Elektrotechnik, wo Trafos für die modernsten Windkraftanlagen der Welt gefertigt werden. Aus Kapazitätsgründen aktuell nur für einen einzigen Hersteller – dabei wären drei möglich. Wie sehr es Daniel Huber in den Fingern juckt, dieses Thema anzugehen: Man kann regelrecht spüren, wie es ihm in den Fingern juckt…

Dabei sind wir eigentlich hier, um über die Peter Huber Kältemaschinenbau SE zu sprechen. Die 1968 vom Vater als Handwerksbetrieb gegründete Firma, die Daniel und sein Bruder Joe gemeinsam mit den Schwestern Beatrice und Huber zum technologischen Weltmarktführer geformt haben. 550 Mitarbeiter, 95 Millionen Euro Umsatz, acht Tochterfirmen und klar über 10 Prozent EBIT – denn Huber ist der global führende Hersteller von hochgenauen Temperiergeräten, die von minus 125 bis plus 425 Grad alles beherrschen, was Kunden verlangen.

Taugt für Kampfmittel wie für Cannabis

Diese Temperaturen braucht es für pharmazeutische und chemische Prozesse. Für Biotechnik-Anwendungen, Nanotechnik, Brennstoffzellen und die Luftfahrt, für militärische Anwendungen und die Cannabis-Extraktion. Weltweit stehen rund eine Million Temperiergeräte in Laboren und Produktionshallen – und die Nachfrage steigt noch.

Ein Grund: Eine superexakte Temperaturführung braucht es für immer mehr Prozesse. Der zweite Grund: Manche alte Anlage läuft noch mit problematischen Kältemitteln. Schlecht fürs Klima, gut für Geschäft – denn Huber weiß Rat. 70 Mitarbeiter beschäftigen die Offenburger im Bereich Forschung und Entwicklung. Dass man so bei Kältemaschinen die Nase vorn hat: nur logisch.

Seit einigen Monaten aber diskutieren Daniel Huber und sein Sohn Ben noch über ganz andere Themen. Das eine: Ben wird seinem Vater nachfolgen. Zwei Jahre noch, dann steht der Junior als Kapitän auf der Brücke und der Senior wechselt in den Aufsichtsrat. Bis dahin aber haben sich die Hubers noch ein Mega-Projekt vorgenommen, vielleicht noch größer als der Kauf der Anteile an Schneider Elektrotechnik Ende 2023.

„Es geht bei uns gar nicht um die Kosten einer Maschine – sondern bis wann wir liefern.“
Daniel Huber über das Umdenken in der Fertigung

Blick auf den Huber-Campus in Offenburg-Elgersweier und in die Fertigung und die Unternehmerfamilie beim Gruppenbild mit Bärbel, Joe, Ben und Daniel Huber und ihrer Schwester Beatrice Geiler (von links)

Wie können wir uns selbst überholen?

Es geht darum, unsere Produktion komplett neu zu denken“, sagt Ben Huber. Dazu muss man wissen: Wenn die Hubers ihre Tore öffnen – wie jüngst beim Offenburger Wirtschaftstag – denn stehen andere Unternehmer staunend in den Hallen. So geordnet, so aufgeräumt, so konzentriert wie hier gearbeitet wird: Das ist beeindruckend. Aber: Es ist eben Sondermaschinenbau. Auftragsbezogen. Maßarbeit, wenn man so will und die kostet Zeit. „Es geht bei uns gar nicht mal so sehr um die Kosten einer Maschine“ sagt Daniel Huber. „Sondern um die Zeit, in der wir liefern können.“ Nach der bisherigen Methode dauerte es schon mal 20 Wochen, bis eine bestellte Maschine am Einsatzort ist. Und wenn man weiß, dass in Indien eine neue Fabrik auch gern mal in acht Wochen hochgezogen wird, ist das zu lang. Künftig soll die Time-to-Market-Zeit auf sechs Wochen sinken. Dafür investieren die Hubers einen zweistelligen Millionenbetrag und haben bei den Tschiggfreis von WTO in Ohlsbach die alten Hallen gemietet. Das Ziel dort: Kältemaschinen und Temperiergeräte in Modulbauweise. Also Maßkonfektion statt Maßarbeit. Immer noch mit höchstem technologischem Anspruch an die Geräte, aber mit mehr Flussfertigung, mehr Lagerhaltung und mit Kleinserien statt Einzelstücken. „Wir haben ein recht großes Standardproduktsortiment, von dem aus wir auch in Modulbauweise noch individuelle Kundenwünsch erfüllen können“, sagt Ben Huber.

Neue Werke: erst Indien, dann USA

Die Erfahrungen aus der Modulproduktion in Ohlsbach sind durchaus exportierbar. In Indien baut Huber daher auch gerade ein neues Werk. Baubeginn war im Juni, ab November werden in dem dreistöckigen Gebäude einfache Temperieranlagen für den lokalen Markt gefertigt. Nächstes Ziel: die USA. Nicht allein der Zölle wegen – die konnte man tatsächlich 1:1 an die Kunden weiterreichen – eher der Nachfrage wegen. Denn Temperiertechnik auf Huber-Niveau: da kann bisher keine amerikanische Firma mithalten. Bisher…

„Er hat einfach alles infrage gestellt“

Wenn Daniel Huber von seiner Arbeit spricht, klingt das nach Ingenieurskunst, Unternehmergeist – und nach Familiengeschichte. In Offenburg-Elgersweier führt er mit seinen Geschwistern und seinem Sohn Ben fort, was sein Vater 1968 in einer kleinen Werkstatt begann: Kältemaschinenbau auf Weltniveau. „Mein Vater war ein Autodidakt, ein echter badischer Revoluzzer“, sagt Daniel Huber. „Er hat alles infrage gestellt und Neues ausprobiert. Einer von hier halt, aus der Heimat der Erfinder und Querdenker. Früher waren es Uhrmacher, heute präzisionsorientierte Ingenieure und Techniker.“

Hubers neue Familienstatuten

Für Huber sind all das große Steps. 40 Mitarbeiter kümmern sich seit Monaten um Aufbau und Strukturierung der neuen Modulfertigung und darum, dass man als Familienunternehmen den nächsten großen Meilenstein erreicht, ehe dann die dritte Generation so langsam übernimmt. Basis dafür sind die Familienstatuten, ganz ähnlich wie bei den Macks, nur dass sich bei den Hubers eben die junge Generation um Ben ihre Regeln selbst geschrieben haben. Die wichtigsten: Kein fremder Dritter kann Gesellschafter werden, wenn nicht alle dafür sind. Niemand darf Verantwortung übernehmen, ohne dafür qualifiziert zu sein. Ausschüttungen gibt es nur, wenn die Firma brummt und von den zwölf Familiengesellschaftern werden immer nur zwei als Entscheider auserkoren. Aktuell sind das Jo (als Techniker quasi der Erfinder vom Dienst) und Daniel (der Verkäufer).

„Unsere Aufgabe ist es, ein Klima zu schaffen, in dem alle auch künftig Lust auf die Firma haben und sich einbringen wollen“, sagt Ben Huber dazu. Keinen Schlendrian einkehren lassen, nicht zu bürokratisch werden, hungrig bleiben: Wie macht man das? „Alles eine Frage der Personalentwicklung“, sagen Ben und Daniel Huber. Eng mit den Hochschulen in Karlsruhe und Offenburg zusammenarbeiten, dazu die besten Lehrlinge ausbilden und jedes Jahr wieder Kammerpreise abräumen: dafür steht Huber. „Wir brauchen Menschen, die so ticken wie wir“, sagt Daniel Huber. „Leute, die Dinge hinter denken und zuhören, was ihre Kunden sagen. Die sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben, sondern weiter wollen. Immer weiter.“

Das klingt ein bisschen nach Oliver Kahn und FC Bayern – und ist bei Daniel Huber sicher auch kein Zufall. Denn der Mann ist glühender Bayern-Fan, sein Neffe sogar als Team-Manager der Profis an der Säbener Straße und ganz sicher lässt man sich

Wir wollten nie die Größten sein

Eins aber haben die Hubers sogar den Bayern schon voraus: den Kauf einer Firma, die genau so groß war wie der eigene Betrieb. Seither dürften die Hubers eine der ganz wenigen Familien in Deutschland sein, die gleich zwei Hidden Champions kontrollieren und in beiden Unternehmungen Gas geben. „Wir wollten nie die Größten sein, aber immer die Besten“, sagt Daniel Huber dazu. Aber so ein bisschen diversifizieren und den acht Kindern aus den vier Ehen der zweiten Generation noch ein paar Möglichkeiten mehr geben: Da hat halt alles gepasst. Zumal Schneider als kerngesundes Unternehmen übernommen wurde, sauber aufgestellt in Zukunftsmärkten wie dem Riesenthema Elektrifizierung oder bei unterbrechungsfreien Stromversorgungskonzepten.

Anders als Huber war Schneider bisher jedoch fast ausschließlich im DACH-Raum tätig, Huber dagegen hat ein weltweites Vertriebsnetz mit 75 Distributoren. Und wenn man dann noch daran, denkt dass Rechenzentren für KI einen Riesenbedarf in Sachen Elektrifizierung UND Kühlung haben, dann ahnt man, dass von den Hubers noch zu erwarten ist in den nächsten Jahren…

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