Danile Blattert und die Bonndorfer Blattert-Mühle

Donnerwetter, was für eine Mühle!

Der einst jüngste Müller Deutschlands hat aus einer 200 Jahre alten Mühle einen gut geschmierten Jobmotor gemacht. Von zwei Leuten auf gut 50: Wie mahlt man das denn?

von Pascal Cames

Kein nennenswerter Bachlauf in der Nähe und von einer Schwarzwälder Kornkammer ist hier auch weit und breit nichts zu sehen. Trotz solcher Standortnachteile ist die Blattert Mühle in Bonndorf-Wellendingen (Landkreis Waldshut) eine nennenswerte Größe, wenn es um Mehl, Backmischungen, Brot sowie Tierfutter geht. Die Kundschaft fährt  100 Kilometer und weiter für die Produkte aus der Blattert Mühle. Ausgeliefert wird in ganz Deutschland – und damit ist Blattert auch einer unserer hidden champions, wenn auch ein wirklich sehr versteckter...

Vom langen Warten aufs Donnerwetter

Die Bonndorfer Mühle geht auf die Benediktiner Mönche aus Sankt Blasien zurück, seit 1822 mahlt hier die Familie Blattert. Daniel Blattert, 42, ist die sechste Generation. Die Mühle war früher eine sogenannte Dundewetter-Mühle, also eine Donnerwettermühle, für die Regenwasser in einem Bassin gesammelt wurde, um sie nach Bedarf zum Laufen zu bringen. Inzwischen sind die Mühlen längst vom Wasser abgekoppelt. Pro Jahr werden 1000 Tonnen Mehl in Säcke abgepackt – und nebenbei produziert die Blattert Mühle Solarstrom mit einer 100 KW Anlage auf dem Kornhaus. 

„Wir machen 1000 Tonnen Mehl im Jahr – andere mahlen diese Menge an einem Tag“
Erfolgreich in der Nische: Müllermeister Daniel Blattert

In Bonndorf hat Daniel Blattert aus einer traditionellen Mühle einen Hotspot für Sauerteig-Freunde und Dinkel-Deuter geschaffen. Je spezieller Mehlsorte oder Backmischung, desto eher findet man sie hier

„1000 Tausend Tonnen sind nichts im Vergleich zu den großen Mühlen“, sagt Daniel Blattert. „Andere machen das an einem Tag!“ Er hat 1998 das Geschäft vom kinderlosen Onkel übernommen. Der Feinschmecker schrieb schon damals über ihn als dem „jüngsten Müller Deutschlands“. Um die Jahrtausendwende waren sie hier oben noch zu zweit. Heute sind 50 Mitarbeiter in der Produktion, Lager, Verkauf und Versand, Backstube, Café, Büro beschäftigt. Bis vor Jahrzehnten gab es eine Handvoll Mehle, heute sind es 30 Sorten dazu 60 verschiedene Backmischungen für Brote und Brezel sowie für Linzer, Lebkuchen und ein  „arrondierendes Sortiment“, wie Daniel Blattert sagt. Dazu gehören Nudeln, Spirituosen und Säfte, Backbücher und Müsli. Sogar ein Tierfutterhandel ist by the way noch entstanden. 2018 wurde eine Zimmerei hinzugekauft und zu Lager und Mühlenladen umgewidmet. Dieser wird mit seinen 450 Quadratmetern als „der größte Mühlenladen in Deutschland und wahrscheinlich auch in Europa“ beworben. Zudem verkaufen Supermärkte, Gourmetgroßhändler und Feinkostfirmen Blattert-Produkte. 

Woher kommt der Erfolg? Der Müllermeister weiß von keiner Strategie zu berichten.  Aber von Zufällen, die ihn zu einem neuen Geschäftsfeld führten und das primäre Kerngeschäft Mehl stärkten. Erster Zufall: In den Nullerjahren wird Daniel von hiesigen Hebammen für einen Vortrag über Dinkelmehl angefragt. Statt 30 Leute kommen 80 zum Vortrag! Das war zu Zeiten, als Dinkelmehl im Supermarkt noch unbekannt war. Aber die Blattert Mühle hatte es und das sprach sich herum. Ein weiterer Zufall machte die Blattert Mühle noch bekannter. Nach einer Backvorführung riefen drei Personen unabhängig voneinander an. Alle sagten sie: Wir essen eigentlich kein Brot mehr, mussten aber probieren, weil es so köstlich duftete und: „Wir hatten keine Beschwerden!“ 

Man könnte Mehlsäcke auch vollautomatisch verschließen – aber als Spezialitätenmüller legt Daniel Blattert immer noch oft selbst Hand an

Brezelkurse und Sauerteigseminare

Was macht Daniel Blattert anders? Zum einen ist es die Güte seiner Produkte. Zum anderen erkannte er früh das Potenzial von Dinkelmehl und Sauerteig. Auch Backvorführungen und Backkurse („Das kleine Brezel 1 x 1“ oder „Das Sauerteig Intensiv Seminar“) haben für die Mühle eine Wirkung wie Hefe im Teig. All das zieht Kreise und bringt Prozesse in Gang.

Lässig wirft er den Begriff von After-Sales-Betreuung ins Gespräch ein. Das klingt modern. Oder zeitlos. Miteinander sprechen, um etwas besser zu machen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Das geht Daniel Blattert proaktiv an. Was kann ich mit dem Mehl alles backen? Wie gelingt mir ein Mürbeteig? Das sollte so selbstverständlich sein, wie das kurze „Passt’s?“, mit dem Daniel mit seinen Gästen ins Gespräch kommt. Die freuen sich über das Interesse und plaudern  dann gern mit dem Müllermeister im Café oder der Terrasse. Vom Sonnendeck des Cafés zeigt er rüber zur Mühle auf der anderen Straßenseite. Dort steht die Mühle, wie eh und je. Kein Bach fließt vorbei. Nicht immer gehört klappern zum Geschäft. Es gibt auch andere Gründe, warum es gut läuft. 

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