Coole Jungs
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von Ulf Tietge
Die Vollversammlung der IHK Südlicher Oberrhein hat Brigitta Schrempp zur neuen Präsidentin gewählt – und damit die Weichen für eine Macherin gestellt, die gern vernetzt, gern zuhört und voller Optimismus handelt.
von Johanna Kaiser
Brigitta Schrempp ist eine Macherin. „Ich habe immer nach vorne geschaut“, sagt sie über sich selbst. Die Frau, die 1980 in einer Einliegerwohnung gemeinsam mit ihrem Mann Gustel Schrempp das Softwareunternehmen Schrempp EDV gegründet hat, ist eine der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten am südlichen Oberrhein. Nicht nur, weil sie in ihrem eigenen Unternehmen Vollgas gibt, auch weil sie viel ehrenamtliches Engagement zeigt: als Vorstandsmitglied im Wirtschaftsbeirat des Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nectanet, als Aufsichtsratsvorsitzende der Caritas und als Stimme der Wirtschaft im Gemeinderat von Friesenheim. Nach mehreren Jahren als Vizepräsidentin ist sie seit Ende Juli die neue Präsidentin der IHK Südlicher Oberrhein und folgt auf Eberhard Liebherr.
Die Zeit in ihre Ehrenämter investiert sie gerne. Der Austausch mit Menschen macht ihr Spaß und hält sie jung, wie sie sagt: „Ich kann in den Sitzungen meine Impulse einbringen. Gleichzeitig nehme ich wieder neue Impulse mit und sehe die Welt auch mal mit anderen Augen.“ Und das sei wichtig, sagt Schrempp, denn ohne ehrenamtliches Engagement „würde Gesellschaft nicht funktionieren“.
Schrempp hat erlebt, wie ihre Branche die Welt und die Menschheit innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert hat – gipfelnd in künstlicher Intelligenz (KI): „Das wird Berufsfelder und Berufsbilder ändern, wie damals, als die Dampfmaschine erfunden wurde.“ In dieser schnelllebigen, sich ständig wandelnden ITBranche setzte sie auf langsames, aber stetes Wachstum. In den ersten 15 Jahren nach der Gründung wuchs ihr Unternehmen auf sieben Mitarbeiter heran, mit denen sie 1995 das heutige Firmengebäude in Lahr bezog. Aktuell beschäftigt sie 85 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende für Wirtschaftsinformatik. In der überwiegend von Männern geprägten IT-Branche sah Schrempp sich immer wieder mit Vorbehalten konfrontiert. Doch davon ließ sie sich nicht beirren: „Die Bestätigung kommt, wenn man seine Sache gut macht.“ Für Schrempp geht es darum „sein Ding durchzuziehen und zu beweisen, dass man es kann“. Optimismus ist für sie daher selbstverständlich: „Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch. Mein Glas ist immer halb voll. Ich bin eine Macherin.“ Diese radikal optimistische Grundhaltung trägt sie auch in Krisenzeiten. Als ihr Mann 2012 tödlich verunglückte, dachten viele, dass sie die Firma verkaufen würde. Doch nur zwei Tage nach dem Unfall war für sie klar: „Ich mach’ das.“ Diese Entscheidung war rückblickend die größte Herausforderung ihrer Karriere – bereut hat sie diesen Schritt nie.
Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland sagt die Unternehmerin: „Es gibt immer magere und fette Jahre. Da darf man sich nicht ins Boxhorn jagen lassen, wenn’s mal ein Jahr nicht gut geht.“ Sie ist überzeugt, dass es auch wieder bergauf gehen wird und sieht in den Phasen, in denen die Wirtschaft stagniert oder stillsteht, auch eine Chance: „Man muss die Zeit dafür nutzen, sich zu reflektieren und die Prozesse im eigenen Haus zu durchleuchten.“ Den südlichen Oberrhein sieht sie für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Die Region sei durch ihre diversifizierte Wirtschaftsstruktur aus Großindustrie, Mittelstand und Familienunternehmen gesegnet: „Diese Struktur bringt uns nach vorne.“
„Immer optimistisch bleiben! Und wenn man doch mal auf die Nase fällt – dann aufstehen, Krönchen richten und weitermachen!“
Das neue Präsidium (von links): Berndhard Schmolck, Monika Schäfer, Karlkristian Dischinger, Brigitta Schrempp, Alexandra Beinert, Stephan Jager, Reiner Richter und Jörg Dattler. Fotos: IHK SO/Markus Schwerer
Arbeit nimmt einen hohen Stellenwert in Schrempps Leben ein. Zeit verbringt sie aber auch gern mit Freunden beim Grillen im Garten oder beim Golf. Im Urlaub zieht es sie in die Fjorde nach Norwegen oder ins schottische Hochland: „Das Nordische, diese Urgewalten gefallen mir gut.“ Aber ihre Heimat ist und bleibt die Ortenau: „Wenn ich unterwegs bin und heimkomme, dann freue ich mich jedes Mal.“ Denn die hügelige Landschaft rund um Lahr – das ist für sie die Toskana der Ortenau.
Im Juli konstituierte sich die neue Vollversammlung der IHK Südlicher Oberrhein und wählte das neue Präsidium. Brigitta Schrempp wurde zur Präsidentin, Karlkristian Dischinger (KD Holding) zum stellvertretenden Präsidenten gewählt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit sieht Schrempp den engen Austausch mit den Unternehmen und den IHK-Mitarbeitern sowie die weitere Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Der scheidende Präsident Eberhard Liebherr blickte auf eine Amtszeit zurück, die von Herausforderungen geprägt war – Corona-Pandemie, Energiekrise, geopolitische Turbulenzen und Transformationsprozesse. Themen seiner Arbeit waren Fachkräftesicherung, digitale und ökologische Transformation sowie die Stärkung des Standorts. Zu den wichtigsten Projekten zählten die Kampagne „Hier geht was!“, das Welcome Center zur Gewinnung internationaler Fachkräfte, der Aufbau regionaler Innovationsnetzwerke sowie die intensivere politische Interessenvertretung der Wirtschaft. Liebherr: „Es war mir eine große Ehre.“
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