gute Nachrichten haben es derzeit nicht leicht – aber es gibt sie und in unserer Wirtschaft im Südwesten haben diese Themen ihre publizistische Heimat. Ein gutes Beispiel dafür: die neue Rechtsform Europas, die EU Inc. Klingt auf den ersten Blick ein bisschen sperrig, könnte aber wirklich ein regulatorischer Durchbruch werden. Mit der EU Inc. sollen sich Unternehmen fortan binnen Stunden gründen lassen – ohne Behördengänge, ohne Notar und mit Zugang zum gesamten europäischen Binnenmarkt. Dagegen sieht sogar die deutsche GmbH ziemlich alt aus.
Inspirierend ist auch, was sich bei der Sondermaschinenbaufirma Teubert in Blumberg tut, mit wie viel Energie man dort mit den drei Geschwistern der dritten Generation und einer selbstentwickelten Technologie durchstartet. Beachtenswert dabei: Die Freude am Fortschritt trifft im ländlich geprägten Blumberg auf Menschen, die im besten Sinne altmodisch sind: sehr schaffig, sehr fleißig, sehr verlässlich. Work-Life-Balance bedeutet oben auf der Baar mitunter: Morgens geht man in die Fabrik, nachmittags mit dem Trecker aufs Feld, schreibt unser Redakteur Ulf Tietge ab Seite 66.
Auch fernab von Blumberg gibt es gute Nachrichten aus der Metall- und
Elektroindustrie. Heimlich, still und leise arbeiten sich Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften aus der Krise. Das Pforzheimer Abkommen ist dabei die Basis für individuelle Vereinbarungen, mit denen man arbeitskostenbedingte Standortnachteile ein Stück weit egalisiert und die Tür aufstößt für neue
Investitionen im Südwesten und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Aesculaps neue 90-Millionen-Euro-Fabrik ist nur eines von vielen Beispielen für gelebte Verantwortung und pragmatischen Schulterschluss. Mehr dazu ab Seite 62.
Ansonsten widmen wir uns in dieser Ausgabe dem großen Thema Bildung – auch und gerade in Zeiten von KI. Wir waren dafür im Bosch-College und haben mit Bob Blume einen Bestseller-Autor und Lehramts-Rebellen interviewt. Und was kommt dabei heraus, wenn Wissenschaft und Wirtschaft an einem Strang ziehen, wenn neues Wissen auf industriellen Boden trifft? Unterwegs mit Technologietransfermanagerin Hülya Sevgin haben wir erlebt, wie Experten von der IHK vor Ort in den Betrieben bei kleinen und großen Technologiesprüngen den Unterschied machen (Seite 19) und wie in Freiburg an Quantencomputern aus Diamanten geforscht wird. Und auch das ist doch eine gute Nachricht, oder?
In diesem Sinne, liebe Grüße und gute Geschäfte,
Ihr Eberhard Liebherr,
Präsident der IHK Südlicher Oberrhein




