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Ausgabe 02/2026
Schwerpunkt  Unternehmen
Ölpreise, Lieferketten, Unsicherheit

Wie der Iran-Konflikt die Wirtschaft im Südwesten ausbremst

Donald Trumps Golfkrieg und die Folgen für die Wirtschaft: Während Verbraucher sparen und Unternehmer Investitionen aufschieben, schlägt Volkswirt Lars Feld vor, die Krise als Chance zu nutzen und endlich die Stromsteuer zu senken. Für alle. Und für immer…

Foto: Adobestock.com/Mariusz

Luftschläge, Drohnenkrieg und eine blockierte Meerenge – Donald Trumps Angriff auf den Iran trifft auch die Wirtschaft im Südwesten mit Wucht: Die Mehrheit der Unternehmen im Südwesten berichtet schon jetzt von spürbaren Folgen. Das zeigt eine IHK-Umfrage unter 400 Unternehmen. Demnach sehen sich 85 Prozent der befragten Betriebe im Land durch den Konflikt beeinträchtigt.

Der ausgebremste Aufschwung
Das hat voraussichtlich Folgen für die Konjunktur, sagt Katrin Klodt-Bußmann, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee: „Verunsicherung ist nie hilfreich für die Konjunktur. Denn Unsicherheit führt zu Zurückhaltung bei Investitionen und Konsum, somit auch zu einem Rückgang der Nachfrage.“ Die „vorsichtige Zuversicht der Wirtschaft“, die vor dem Iran-Konflikt noch erkennbar war, habe sich „wieder erheblich getrübt“, seit Lieferketten und Teile des Exportgeschäfts spürbar in Gefahr seien. Mit Blick auf eine Delegationsreise von Unternehmen aus dem Kammergebiet und Baden-Württemberg nach Saudi-Arabien im Februar sagt Klodt-Bußmann: „Aufgrund der Absatzprobleme in den USA und China hatten sich Unternehmen um neue Absatzmärkte bemüht, gerade auch im Nahen Osten. Was sich dabei anbahnte, wird nun wieder ausgebremst.“

Katrin Klodt-Bußmann und die IHK Hochrhein-Bodensee sehen sich als Partner der Wirtschaft. „Als IHK bündeln wir Wissen und Erfahrung.“ Foto: IHK Hochrhein-Bodensee;

Zurück in die Krise – das diagnostiziert auch der Freiburger Volkswirt Lars P. Feld, über Jahre als Chef der Wirtschaftsweisen Berater der Bundesregierung: „Das Bruttoinlandsprodukt sinkt um 0,1 Prozentpunkte, wenn der Ölpreis um 10 Dollar je Barrel der Sorte Brent steigt.“ Hinzu kommen Effekte aufgrund der Düngemittelknappheit und aufgrund unterbrochener Lieferketten.“ Die Gemeinschaftsdiagnose der großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute habe deswegen die Wachstumsaussichten um gut die Hälfte auf 0,6 Prozent in diesem Jahr reduziert, die Bundesregierung liegt bei 0,5 Prozent und damit noch niedriger. Diese teilen sich auf in 0,3 Prozentpunkte Kalendereffekt (weil Feiertage auf Wochenenden fallen) und auf den reinen Effekt staatlicher Mehrausgaben, weil ein Euro höhere Staatsausgaben als ein Euro höheres BIP in der Statistik auftaucht. Hinzu kommen psychologische Effekte. Feld: „Das Konsumklima wird sich angesichts höherer Inflation weiter abkühlen, die Verbraucher werden versuchen, weniger zu konsumieren.“

„Industrielle Kerne besonders betroffen“
Ähnlich ernüchternd beurteilt die Freiburger Kammer die Situation: „Die industriellen Kerne unserer Region sind besonders betroffen – also Maschinenbau, Automobilzulieferer und Chemie“, sagt Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon. „Diese Unternehmen sind stark international vernetzt. Wenn globale Lieferketten ins Stocken geraten oder sich verteuern, spüren sie das unmittelbar.“ Sorgen machen den Unternehmen am Oberrhein nicht in erster Linie die Energiepreise, sondern vor allem steigende Transportkosten, längere Wege im Welthandel und wachsende Unsicherheit. Salomon: „Für unsere exportorientierten Unternehmen heißt das: mehr Aufwand, mehr Risiken und weniger Planbarkeit im Tagesgeschäft.“
Laut BWIHK-Umfrage bauen 34 Prozent der Industrieunternehmen vorsorglich ihre Lagerbestände aus, 63 Prozent intensivieren ihr Risikomanagement. Zugleich stellen 35 Prozent Projekte oder Investitionen zurück. „Die Unternehmen fahren auf Sicht“, sagt BWIHK-Vizepräsident Claus Paal. „Was wir jetzt brauchen, sind verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine klare Unterstützung für offene Handelswege. Wenn sich die Lage weiter zuspitzt, drohen zusätzliche Belastungen für Produktion, Preise und Beschäftigung – das können wir uns wirtschaftlich aber derzeit nicht leisten.“

Dieter Salomon: Der Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein unterstützt Unternehmer, indem er sie in Gremien und Arbeitskreisen miteinander ins Gespräch bringt. Foto: IHK Südlicher Oberrhein

Wie die IHK hilft
Was rät die Kammer in dieser Situation ihren Mitgliedern? „Jetzt ist strategische Robustheit gefragt“, sagt Dieter Salomon. „Lieferketten breiter aufstellen, Abhängigkeiten reduzieren und Energiefragen aktiv managen. Als IHK unterstützen wir mit aktuellen Einschätzungen, individueller Beratung und unserem internationalen Netzwerk.“ Ähnlich ist es in der Region Hochrhein-Bodensee bei Katrin Klodt-Bußmann: „Als IHK bündeln und teilen wir Wissen und Erfahrungen. Viele Unternehmen beschäftigen sich spätestens seit der Corona-Pandemie stetig mit dringlichen Handlungsfeldern wie der Diversifizierung von Lieferketten und erwägen, ob und wie umfangreich sie einen Vorrat an erforderlichen und schwierig zu beschaffenden Materialien sowie Produktionsbestandteilen anlegen.“ Laut Lars Feld sind dabei noch Hausaufgaben zu machen. Die Wirtschaft sei „nicht wirklich“ besser für eine Krise gewappnet, wobei nicht nur Deutschland oder die EU davon betroffen sind, sondern auch die USA und der Rest der Welt. Immerhin: Der IWF gehe „noch von einem Dämpfer für die Weltwirtschaft aus, nicht aber von einer erneuten Weltwirtschaftskrise“, so Feld.
In den Ausschüssen und Arbeitskreisen der Freiburger IHK ist der Iran-Konflikt derweil eines der großen Themen – mit Sorge blicken Unternehmer beispielsweise auf Taiwans von Helium abhängige Chipindustrie. „In unseren Gremien wird intensiv darüber gesprochen, wie sich Risiken verändern und welche Anpassungen notwendig sind. Es geht weniger um abstrakte Szenarien, sondern um praktische Fragen: Kosten, Lieferfähigkeit und strategische Ausrichtung“, so Salomon. „Wie stark sich das am Ende auf die Beschäftigung auswirkt, hängt entscheidend davon ab, wie lange die Unsicherheit anhält.“ Das sieht auch Feld so: „Der Anstieg der Unternehmensinsolvenzen wird weitergehen, die Arbeitslosigkeit dürfte moderat ansteigen. Beides hängt hierzulande aber stärker von den Strukturproblemen der Wirtschaft ab. Der erneute Energiepreis-Schock wird dennoch einen zusätzlichen Effekt haben.“

Teurer Diesel: Die Kraftstoffpreise belasten nicht nur Pendler, sondern wirken teilweise existenzbedrohend. Taxifahrer ohne Elektroantrieb etwa kämpfen besonders. Foto: Adobestock.com/Anselm

Lieferengpässe: jeder Zweite betroffen
Ähnlich wirken sich Lieferengpässe aus. Nach den Ergebnissen der BWIHK-Umfrage berichtet fast jedes zweite Unternehmen schon von Einschränkungen. Heftig ist es unter anderem am Hochrhein: „Öl und Gas werden bei uns nicht nur als Energie- und Wärmeträger benötigt, sondern auch als chemischer Grundstoff“, so Klodt-Bußmann. „Unsere Region ist mit der chemischen Industrie, dem Aluminiumcluster und der Kunststoff verarbeitenden Industrie stark von energieintensiv produzierten Vorprodukten abhängig und von gestiegenen Preisen für Rohöl und Gas direkt betroffen.“ Das zeigen auch die BWIHK-Zahlen: In der Industrie melden 46 Prozent Preissteigerungen. Oft lassen sich diese Kosten aber nicht ohne Weiteres auf Kunden überwälzen, etwa aufgrund langfristiger Verträge. Besonders hart trifft es die Taxi-Branche. Dort macht Kraftstoff 15 bis 25 Prozent der Kosten aus, erklärt Onur Gürsönmez vom Taxiverband Baden-Württemberg. Anders als Frachtraten von Spediteuren werden Taxitarife von Kommunen festgelegt – auf Grundlage des Personenbeförderungsgesetzes. Bei der Tarifgestaltung werden zwar Faktoren wie Kraftstoffpreise, Personal- und Fahrzeugkosten berücksichtigt – aber oft wird nur alle zwei bis fünf Jahre nachjustiert. Die hohen Spritpreise treffen mit dem Taxigewerbe eine Branche, die ohnehin kämpft. Bei Taxi Müller in Konstanz heißt es: „Hohe Spritpreise und weitere Mindestlohnerhöhungen können eine Pleitewelle von Taxiunternehmen zur Folge haben – es sind alle bereits am Kämpfen.“ Auch dort sieht man wenig Spielraum. „Wir hoffen, dass wir das überleben. Weniger fahren können wir ja nicht, da man eine Beförderungspflicht hat, wenn man eine Konzession besitzt.“

SWEG: Hoffen auf den Staat
Ähnlich steht es um die Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH mit Hauptsitz in Lahr. So sehr die SWEG unter dem hohen Dieselpreis leidet – machen könne man nichts. Sprecher Christoph Meichsner: „Kostensteigerungen lassen sich nur durch unsere Verträge mit Aufgabenträgern kompensieren. Halten die Kostensteigerungen langfristig an, bliebe nur eine Erhöhung der Fahrpreise durch die Verkehrsverbünde.“ Da wegen der Klimaziele aber mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen sollen, sei das ein sensibles Thema. Meichsner: „Der Staat ist hier in puncto Unterstützung gefordert, da der Nahverkehr Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ist.“

Feld plädiert für Stromsteuersenkung
Als ordoliberaler Volkswirt hat Lars Feld da eine andere Meinung: „Die Menschen werden begreifen müssen, dass der Staat nicht dafür da und nicht in der Lage ist, sie vor allen wirtschaftlichen Risiken zu schützen. Das Bild eines ‚You never walk alone‘ ist grundfalsch.“ Hinzu komme, dass die gewählten Maßnahmen – Tankrabatt, Entlastungsprämie, Übergewinnsteuer – „jede für sich völlig falsch sind“.
Was wäre zielführender? „Die Bundesregierung könnte die Stromsteuer senken“, sagt Feld. Die höheren Gaspreise schlagen früher oder später auf den Strompreis durch, sodass dies eine sinnvolle Entlastung wäre. Die Stromsteuer sei für das produzierende Gewerbe schon auf das europäische Minimum abgesenkt, aber nicht für den Rest der Wirtschaft und für die privaten Haushalte und eh ein Relikt aus Zeiten, als Strom vor allem aus fossilen Energieträgern und als Atomstrom gewonnen wurde. „Heute kommt die Hälfte aus erneuerbaren Energien. Diese einerseits mit der Stromsteuer zu belasten und andererseits zu subventionieren, ist eine absurde Politik. Die aktuelle Lage könnte man dazu nutzen, dies zu korrigieren.“Ulf Tietge

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