Früher war das Gebäude Teil einer Schießpulver-Fabrik, heute zünden im Gewächshaus Rottweil nur noch die Ideen junger Unternehmen. Womit die Eventagentur Trend Factory erneut demonstriert, wie man ein Stück Vergangenheit erfolgreich in die Gegenwart holt.

Es knallt in lautem Sonnengelb und Grasgrün. Passende Zutaten für ein Gewächshaus, in dem gewachsen werden soll. In diesem speziellen Fall aber nicht Tomaten oder Salat, sondern junge Unternehmen. Das fünfstöckige Bürogebäude mit dem Namen Gewächshaus liegt im Rottweiler Gewerbepark Neckartal. Außen leuchtend gelb von der Fassade bis zu den Jalousien, mit angestellten grünen Gerüstbauelementen, innen viel Luft, Licht, Holz und Industrieelemente wie ein Kran, der an die frühere Nutzung erinnert. Gebaut wurde das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts als Säurelager für die frühere Pulverfabrik. Denn dort im Neckartal wurde vor etwa 100 Jahren noch im großen Stil Schwarzpulver hergestellt.

Von der Mühle zum Firmenimperium
Max Duttenhofer machte um die Jahrhundertwende aus einer Pulvermühle einen weltweiten Konzern, der Teil des Rüstungsindustrie-Zentrums im deutschen Südwesten wurde, neben der Metallpatronenfabrik Lorenz in Karlsruhe und dem Waffenhersteller Mauser in Oberndorf (gehört heute zu Rheinmetall). Mit der Firma wuchs auch die Produktionsstätte im Neckartal. Namhafte Architekten wie Paul Bonatz und Heinrich Henes wurden für die Industriebauten beauftragt, die größtenteils Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Zuletzt ließ Rhodia auf dem Gelände Nylonfasern produzieren, dann endete vorerst die Erfolgsgeschichte. In den 1990ern wurde das Rottweiler Werk geschlossen und das Gelände verfiel. Bis die architektonischen Schmuckstücke wiederentdeckt, restauriert und saniert wurden.
Aufstieg eines Standorts
Erstmals namentlich erwähnt wird die Rottweiler Pulvermühle 1564, so die Architekturhistorikerin Katharina Stolz. Ab dem frühen 19. Jahrhundert ging es für den Standort steil bergauf. Denn seit der industriellen Revolution war die Nachfrage nach Schwarzpulver für den Ausbau des Eisenbahnschienennetzes und besonders durch die Rüstungsindustrie stark gestiegen. In dieser Phase stieg der Vater von Max Duttenhofer in die Pulvermühle ein und legte somit den Grundstein für den Aufstieg seines Sohnes als enorm erfolgreicher Unternehmer.
Thomas Wenger und Mike Wutta etwa nahmen sich des von Bonatz erbauten Kohlekraftwerks an und hauchten der Industrieruine neues Leben ein – auch indem sie den morbiden Charme des historischen Gebäudes erhielten. Die beiden Gründer der Eventagentur Trend Factory machten aus dem imposanten Bau Firmensitz und (Firmen-)Eventlocation für bis zu 2000 Menschen. Von Bosch bis Zeiss waren schon die ganz Großen da. 2016 wurde das „Kraftwerk“ als beste Eventlocation mit Erlebnischarakter mit dem nationalen Location Award ausgezeichnet. Und weil das mit dem Umbau des Kraftwerks allen Unkenrufen zum Trotz so gut gelaufen und ihnen während Corona auch ein bisschen langweilig war, wandten sich Wenger und Wutta dem nächsten Projekt zu. Sie putzten das halbverfallene, alte Säurelager zum Bürogebäude heraus. Mit Knallgelb als einer Art Markenzeichen.

Die Büroflächen waren vermietet, bevor sie überhaupt fertig waren. „Was wir sicher mitbringen aus dem Event ist das Thema Atmosphäre“, sagt Wenger. Wie und wo fühlen sich Leute wohl, was ist wichtig? „Und die Community, das sind alles Einzel- oder Jungunternehmer, aber alle schon im Business etabliert und das passt super zusammen.“ Auch Marlene Roming, Referentin für Gründung und Nachfolge bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, gefällt’s: „Dieser Ort zeigt eindrucksvoll, wie stark das Gründerökosystem in unserer Region ist. Hier kommen Menschen zusammen, die Ideen umsetzen wollen und genau diese Dynamik brauchen wir für eine zukunftsfähige regionale Wirtschaft.“ Dass beim Umbau – siebenstellig und wie beim Kraftwerk eigenfinanziert – der Industriecharme des historischen Gebäudes erhalten und unter hohen ökologischen Standards gebaut wurde, brachte dem Gewächshaus 2025 den Preis für Beispielhaftes Bauen der Architektenkammer des Landes ein.

Da geht was!
„Hier ist ja schon irgendwie immer was im Gang, ganz viel Eigeninitiative“, sagt der 55-Jährige Wenger über seine Heimat Rottweil, der ältesten Stadt Baden-Württembergs. Der 246 Meter hohe Aufzugstestturm von Thyssenkrupp wirkt wie ein moderner Gegenpol und eben erst ist die neue Hängebrücke Neckarline eröffnet worden. 2028 steht die Landesgartenschau an und dann sind da noch das jährliche Jazzfestival, das Kultur- und Musikfestival Ferienzauber und, klar, die Fasnacht. Wenger und Wutta sind natürlich auch schon an was Neuem dran, auch was für Rottweil. Noch nichts Spruchreifes, aber eine „große Idee“. Susanne Ehmann
