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Ausgabe 02/2026
Schwerpunkt  Unternehmen
Bob Blume im Interview

Hat Schule mit KI noch Zukunft?

Lernen in Zeiten von ChatGPT – wie geht das künftig? Und wie zeitgemäß ist unser Schulsystem noch? Das haben wir einen gefragt, der es wissen muss: den Bestseller-Autor und Lehrer Bob Blume.

Foto: Oliver Forstner

Büffeln oder prompten, Hirn anstrengen oder Handy zücken und die KI die Hausaufgaben machen lassen? Diese alltägliche Versuchung macht auch vor Schülern und Azubis in der Region nicht halt – mit spürbaren Folgen in den Betrieben. Eine davon: Mit fast 30 Prozent* ist die aktuelle Abbruchquote bei Ausbildungen in Deutschland so hoch wie nie seit Beginn der Erhebungen 1996. Und während die Wirtschaft über fehlende Fachkräfte klagt, haben knapp drei Millionen junge Menschen keinen Berufsabschluss. Wie Schule darauf reagieren und wie sie in Zeiten von KI aussehen sollte, damit beschäftigt sich der Lehrer und Autor Bob Blume. Er sagt: Auf die Lust am Lernen kommt es an – und plädiert dafür, Schulen anders zu interpretieren: als Orte, an denen sich Jugendliche entfalten können.

Herr Blume, sollte ich noch mühevoll Englischvokabeln oder Länderhauptstädte lernen, wenn die KI das viel schneller und einfacher für mich macht?
Auf alle Fälle. Jede Form von Lernen ist mühevoll. Aber wenn wir uns nicht anstrengen müssen, lernen wir auch nichts. Wichtig ist, wie wir KI sinnvoll einsetzen. Momentan ändert künstliche Intelligenz die Art, wie wir lernen. Mindestens 65 Prozent der Kinder und Jugendlichen nutzen KI in Schule und Ausbildung. Das kann dazu führen, dass Aufgaben auf den ersten Blick immer besser erledigt werden, aber unklar ist, ob sie auch verstanden wurden. Es stellt sich also die Frage: Wie gestalten wir Aufgaben so, dass sie nicht mit KI outgesourct werden? Indem wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Und beispielsweise fragen: Wie gut ist dein Prompting?

Welche Kompetenzen sollten junge Menschen entwickeln, um in einer Welt mit KI erfolgreich zu sein?
Ehrlich gesagt, ich würde nicht von Kompetenzen sprechen. Die reine Nutzungskompetenz für KI zu erlernen, ist easy peasy, das geht schnell. Ich würde von Haltung sprechen, einer Haltung des Interesses und der Bereitschaft sich anzustrengen. Und wenn ich auf etwas Lust habe, will ich mich auch anstrengen und es ist Aufgabe von Schule, von Erwachsenen, das in den Mittelpunkt zu stellen.

Was können Schulen, Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe hier tun?
Es geht vor allem darum, Inhalt mit schon vorhandenem Interesse der jungen Leute zu verknüpfen. Ihnen neben dem, was gelernt werden muss – Lesen, Schreiben, Rechnen, Sozialkompetenz, kritisches Hinterfragen – auch Angebote zur Selbstwirksamkeit zu schaffen. AGs für Sport, für gesellschaftliches Engagement oder Naturwissenschaften zum Beispiel. Wichtig ist, dass das Angebot selbst ausgewählt werden kann und es nicht um Noten geht, sondern um Prozesse und Projekte. Junge Leute brauchen etwas, wofür sie brennen, damit sie merken, dass Lernen auch Freude bereitet.

Sehen Sie auch Risiken beim Einsatz von KI im Bildungsbereich?
Ja, klar. Viele Chatbots wie ChatGPT führen Biases, also Voreingenommenheit, und Stereotype weiter. Und die KI gibt auch Informationen, die falsch sind. Hinzu kommt die Gefahr von Skill Skipping: Kompetenzen werden nicht erworben, weil KI genutzt wird. Es muss also ein Grundverständnis beigebracht werden, welche Chancen und Risiken KI birgt.

Einer, der was zu sagen hat Bob Blume ist ein gefragter Experte zum Thema Schule. Mit dem Goldenen Blogger wurde er für seine Tätigkeit auf Tik Tok als Blogger des Jahres ausgezeichnet. Fotos: Joseph Krpelan; Chris Marxen

Findet das an Schulen statt?
Ja, die Zeichen der Zeit wurden erkannt, in mehr als zehn Bundesländern wird Schul-KI eingesetzt. Es wird also daran gearbeitet.
Gerade in der beruflichen Bildung spielt praktisches Können eine große Rolle.

Wie kann KI Auszubildende beim Lernen im Betrieb unterstützen?
Etwa mit adaptiven Tutorsystemen, zum Beispiel fürs Verstehen betrieblicher Abläufe. Da kann man spezielle Chatbots so trainieren, dass die jungen Leute einen eigenen Ansprechpartner haben. So haben sie beim Lernen von Prozessen, Abläufen und Methoden jemanden, den sie fragen können.

Kritiker sind der Meinung, unser Bildungssystem mit Lernformen wie Auswendiglernen, Üben und Wiederholen ist nicht mehr zeitgemäß; andere meinen, es brauche erst eine Basis an Wissen, um KI gezielt einsetzen zu können: Was denken Sie?
Ich bin ein großer Kritiker des deutschen Schulsystems. Aber es ist was dran, dass man Basiskompetenzen braucht und einen gewissen Wissensschatz. Das muss nicht auf Auswendig-
lernen basieren, am sinnvollsten ist Lernen, wenn es direkt in etwas Eigenes übertragen werden kann. Und man muss sich fragen, ob stupides Auswendiglernen noch sinnvoll ist in einer Zeit, in der es darum geht mit Informationsfülle umzugehen.

 

Die IHK unterstützt ausbildende Unternehmen und Azubis

Ansprechpartner:

IHK Hochrhein-Bodensee:
Alexandra Thoß
0 75 31/28 60 1 31
alexandra.thoss@konstanz.ihk.de

IHK Südlicher Oberrhein:
Christiane Möller
07 61/38 58 1 69
christiane.moeller@freiburg.ihk.de

IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg:
Markus Käshammer
0 77 21/9 22 1 24
markus.kaeshammer@vs.ihk.de
Simon Korb
0 77 21/92 2 1 32
simon.korb@vs.ihk.de

Welche Rolle verändern sich für Lehrkräfte und Ausbilder durch KI?
Das ist stark von der Thematik abhängig. Wenn ich nur klassischen Unterricht mache und einmal KI einsetze, ändert sich gar nichts. Wenn ich aber in Deutsch mit Feedback-KI arbeite, die Schülern auf hohem Niveau Rückmeldung gibt, woraufhin die ihre Texte überarbeiten, ändert sich die Rolle, weil man plötzlich Prozessbegleiter wird. So ist eine Rundumbetreuung möglich, die ohne KI extrem aufwendig wäre.

Wie sollte die Schule des 21. Jahrhunderts Ihrer Meinung nach aussehen?
Das ist eine riesengroße Frage, zu der ich zwei Bücher geschrieben habe. Ich bin überzeugt: Schule sollte sehr schülernah sein, so dass es mehr Möglichkeiten gibt, Talente zu erkennen und zu fördern und Bildung als solches positiv zu besetzen. Schüler sollten selbst aktiv werden können, damit sie nicht das Gefühl haben, nur für die Lehrer zu lernen. Räume für junge Leute werden immer weniger, daher sollte man in den Schulen Räume schaffen für Musik, Bewegung, Miteinander. Das klingt kontraintuitiv, aber ich glaube, die Schule sollte weg von einer sehr strukturierten und unfreien Form hin zu mehr Räumen, wo Schüler autonom handeln können.

Wie dringend muss sich etwas ändern?
Es ist katastrophal, dass seit zehn Jahren durchgehend etwa 50 000 Kinder die Schule ohne Schulabschluss verlassen. Das gefährdet den Generationenvertrag. Wir können uns nicht leisten, dass es so weitergeht. Das kann nicht der Anspruch eines Industrielands sein.

Bob Blume

Bob Blume ist Lehrer, Autor, Podcaster und Bildungsexperte. Der heute 43-Jährige studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte an der Uni Freiburg und arbeitete bis 2025 als Oberstudienrat an einem Gymnasium in Bühl, wo er lebt. Momentan promoviert er an der Universität Linz. Blume schreibt Bücher zur Bildungsdebatte und macht in den sozialen Medien als @netzlehrer auf Bildungsthemen aufmerksam.

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