es ist noch gar nicht so lange her, dass man aus Stuttgart fast ein bisschen mitfühlend nach Südbaden geschaut hat. Landschaftlich ja schön gelegen. Kulinarisch wie klimatisch reizvoll. Aber eben doch ein bisschen ländlich geprägt, dieser grenznahe Regierungsbezirk mit dem Oberrhein-Valley und der Dreisam-Metropole. Viele Fahrräder, viele Studenten, kein großes Geld und kaum richtige Industrie. Unter Unternehmern ist die Strukturschwäche von einst immer wieder diskutiert worden und ich erinnere mich an einen Anwalt, der das große Loblied auf seine heiß geliebte schwäbische Autoindustrie als Warteschleifenmusik in seine Telefonanlage programmieren ließ: „Mir im Süden“, die Schwabenhymne mit den „hochwertigeren Kraftfahrzeugen“, den „cleaneren Treppenhäusern“ und der Hommage an ein kleines Dorf im Süden, das so ziemlich alles einfach ein kleines bisschen mehr drauf habe…
Freiburg hat man damit seinerzeit nicht gemeint, leider auch nicht Konstanz – aber es ist schon erstaunlich, wie sich gerade die Schwarzwald-Hauptstadt zuletzt entwickelt. Erst die märchenhafte Entwicklung von Robin Rombachs KI-Firma Black Forest Labs, die als große deutsche KI-Hoffnung inzwischen auf drei Milliarden Euro taxiert wird, dann die Riesen-Investitionen von Sartorius im Bereich Bio-Technologie und zuletzt der Einstieg von SAP bei Prior Labs (auch so ein KI-Unicorn) mit einem Budget von einer Milliarde Euro. Da passt es ins Bild, dass der Sportclub in Istanbul um den Europacup spielte und das Einkommensteuervolumen der aktuell 237 000 Freiburger sich 2025 erstmals auf mehr als eine Milliarde Euro summierte. Kein Wunder also, dass unsere Autorin Susanne Ehmann in ihrem Porträt über das Black Forest Silicon Valley zu dem Schluss kommt: Wäre Freiburg eine Volkswirtschaft – halb Europa würde die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region bewundern. Wie hier Forschung und Gründergeist, Lebensqualität und Zuzug Hand in Hand gehen – das ist nicht nur beeindruckend. Es macht mir auch Lust auf Zukunft und zeigt, dass „,mir im Süden“ noch immer beste Chancen haben. Wir brauchen nur den Mut, sie zu nutzen – und manchmal ein bisschen einen langen Atem.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre, gute Geschäfte, kluge Entscheidungen und grüße herzlich.
Ihr Thomas Conrady,
Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee





