Was im Nahen Osten passiert, beeinflusst direkt die Wirtschaft in der Region. Wie aber stellen sich Unternehmen auf den Dauerstress und die hohen Preise am Energiemarkt optimal ein?

Die Weltlage entscheidet derzeit mit darüber, wann in Schwenningen Heizöl geliefert wird. Für Rolf Schumpp gehört das zum Alltag. Als einer der Geschäftsführer der Erhard Bürk-Kauffmann GmbH beobachtet er nicht nur Preise und Nachfrage, sondern auch Tankerbewegungen am Persischen Golf. „Die Zeiten sind turbulent“, sagt der Energiehändler.
„Wir kriegen kein Versorgungsproblem“
In der Straße von Hormus steckte zuletzt ein Viertel der globalen Ölproduktion fest. Für Händler wie Bürk-Kauffmann bedeutet das vor allem eins: Unsicherheit. Doch aus seinen 40 Jahren Erfahrung im Unternehmen weiß Schumpp auch: „Wir kriegen kein Versorgungsproblem.“ Der Grund dafür sei eigentlich ziemlich banal. Es gehe schlicht ums Geld. Die europäischen Länder könnten sich die hohen Energiepreise leisten und seien damit beim Bietergefecht auf dem Weltmarkt meist vorne.
Die eigentliche Herausforderung sieht der Energiehändler deshalb nicht in leeren Tanks, sondern in den extremen Schwankungen. „Die Nachfrage ist momentan extrem preisgesteuert“, beschreibt Schumpp die Lage. Viele Kunden warteten ab und bestellten Heizöl nur dann, wenn es unbedingt nötig sei. Das bekommt die Branche unmittelbar zu spüren. Eigentlich herrscht um diese Jahreszeit Hochbetrieb. Stattdessen aber bleiben viele Tanks zunächst leer.

Die Marge bleibt gleich
Für die Unternehmen der Branche bedeutet das tägliche Risikoarbeit. Die Preise ändern sich permanent, langfristige Kalkulationen werden schwieriger. Hohe Preise allein sorgen dabei keineswegs automatisch für hohe Gewinne. „Unsere Marge bleibt gleich. Denn wir kaufen teuer ein und verkaufen teuer weiter. Es gibt im Moment keine Schnäppchen“, erklärt der Geschäftsführer. Die Gleichung viel Umsatz gleich viel Ertrag stimme im Energiehandel gerade nicht.
Um die Versorgung dennoch stabil zu halten, setzt Bürk-Kauffmann auf eine Mischung aus kurzfristigem Einkauf und langfristigen Lieferkontrakten. Gerade in turbulenten Zeiten gewinne diese Absicherung an Bedeutung. Auch für die Kunden. Besonders gilt das für Speditionen. Wer Diesel ausschließlich zum Tagespreis tanken müsse, gerate bei den aktuellen Kosten schnell unter Druck. „Mit 30 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer fährt man sonst tief in die roten Zahlen“, sagt Schumpp. Unternehmen mit langfristigen Preisvereinbarungen sieht er klar im Vorteil.
Die Dimensionen der Energieversorgung bleiben für viele unsichtbar. In den großen Tanks von Bürk-Kauffmann lagern acht Millionen Liter. Zweimal pro Woche rollen Güterzüge mit je 1,28 Millionen Litern Heizöl und Diesel ins Industriegebiet Rammelswiesen. Insgesamt kommen so per Bahn jährlich 150 Millionen Liter nach Schwenningen. Das erspart dem Straßenverkehr rund 4700 Tanklastwagenfahrten.
Abhängig von der Konjunktur
Bürk-Kauffmann ist längst mehr als ein klassischer Heizölhändler. Neben dem Geschäft mit Kraftstoffen und rund 40 Tankstellen ist vor allem der Schmierstoffbereich ein wichtiges Standbein des Unternehmens.
Die Kundschaft verteilt sich auf nahezu alle Branchen. Trotzdem hängt auch dieses Geschäft stark an der Konjunktur. „Wenn die Industrie schwächelt, merken wir das sofort“, sagt Schumpp.
Sorgen bereiten dem Geschäftsführer nicht nur die Lage auf den Weltmärkten, sondern auch staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung. Etwa die 12-Uhr-Regelung für Preiserhöhungen oder den Tankrabatt. Unternehmen bräuchten vor allem Verlässlichkeit für ihre Kalkulationen.
Dass fossile Energieträger bald verschwinden, glaubt Schumpp indes nicht. „Ich denke, dass man uns über das Jahr 2040 hinaus noch braucht.“ Ohne Öl, Gas und klassische Kraftstoffe werde die Welt auch in Zukunft nicht auskommen. Gleichzeitig werde die Technik immer effizienter. Unabhängig von allen Debatten bleibt für den Energiehändler jedoch eine Erkenntnis zentral: „Ressourcen schonen und Energie sparen – das ist immer ein guter Rat.“
Nach Beobachtung der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg haben viele Unternehmen genau daraus längst Konsequenzen gezogen. „Seit Beginn der Energiekrise hören wir keine Panik aus den Betrieben“, sagt Marcel Trogisch, IHK-Bereichsleiter Energie und Umwelt. Zusätzliche Hilferufe oder hektische Reaktionen gebe es derzeit nicht.
Handlungsdruck durch Preise
Die Gründe dafür liegen für Trogisch auf der Hand. Spätestens seit dem Wegfall russischer Gaslieferungen beschäftigten sich Unternehmen intensiv mit ihrem Energieverbrauch. Sie investieren in Effizienzmaßnahmen, suchen nach Förderprogrammen und setzen Energiescouts ein. „Bei Strompreisen sind wir an der Spitze von Europa. Da ist der Handlungsdruck für einen effizienten Energieeinsatz schon da.“ Unabhängig von der Lage im Nahen Osten bleibe das Thema Energiepreise für viele Mittelständler ohnehin ein dauerhafter Belastungsfaktor. Hohe Energiekosten spielten auch bei Überlegungen eine Rolle, Produktionsstandorte ins Ausland zu verlagern.
Umso wichtiger sei der Erfahrungsaustausch. Im Arbeitskreis Energie der IHK treffen sich rund 40 Betriebe aus der Region. Dort gehe es um konkrete Lösungen, Erfahrungen aus der Praxis und neue Ideen. „Mit den Beispielen aus den Unternehmen können wir der Politik auch genau in Zahlen erklären, wo der Schuh drückt“, so Trogisch. Berthold Merkle
IHK-Arbeitskreis Energie
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