Je größer die Herausforderungen, desto wichtiger ist Sicherheit – im und für das Unternehmen. Das Thema ist vielschichtig – und Luft nach oben gibt es auch.

Dominik Kögel schüttelt den Kopf und sagt: „Nicht alle Unternehmen nehmen das Thema Sicherheit so ernst, wie sie es nehmen sollten.“ Das weiß er aus eigener Erfahrung. Der 35-Jährige ist Geschäftsführer von Kögel Berufskleidung in Lörrach. Das Fachgeschäft führt Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) wie Schnittschutzhandschuhe, Helme, Warnwesten, Berufs- und Sicherheitsschuhe, aber auch Berufskleidung wie Kochjacken oder Schürzen. „Industrie, Handwerk und Gastronomie – das sind unsere Kunden“, sagt Kögel, dessen Vater Michael das Unternehmen 1991 gründete. Das Einzugsgebiet des Fachhändlers umfasst die Landkreise Waldshut und Lörrach sowie Teile des Breisgaus.
Dass an der Ausstattung von Mitarbeitern gespart werde, habe selten wirtschaftliche Gründe, ist sich Dominik Kögel sicher. „An Prävention wird einfach nicht gedacht. ‚Bisher ist nichts passiert‘, heißt es dann bloß.“ Doch, und das ist ihm wichtig klarzustellen: „Das betrifft eine Minderheit. Die meisten Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst.“ Das gelte für Arbeitskleidung mit Schutzfunktionen – aber auch darüber hinaus.
Nicht an der falschen Stelle sparen
„Der Schutz unserer Leute hat höchste Priorität“, sagt Holger Amann. Vor gut 16 Jahren hat er die Hery GmbH mitgegründet. Das Bad Säckinger Unternehmen kennen alle, die in Süddeutschland durch Baustellen fahren. Auf Warnbaken, temporären Verkehrsschildern oder Ampeln prangt dessen Aufkleber. Hery bietet Dienstleistungen rund um Verkehrssicherung und Verkehrsplanung an. Beim Auf- und Abbau sei Sicherheit essenziell, sagt Amann: „Wir achten daher bewusst auf die Qualität der Arbeitskleidung und der Schuhe.“ Gleiches gilt für den Helm. Für einen Kopf- und Genickschutz investiert das Unternehmen mehr als 500 Euro.
Die Begründung ist einfach – zumindest aus Sicht des Geschäftsführers: „Wir müssen uns auf die Mitarbeiter verlassen, die draußen unterwegs sind.“ Da sei es nur recht und billig, dass man deren Gesundheit und Sicherheit ernst nehme. „Mit kostenlosem Mineralwasser oder einem Obstkorb kommst Du da nicht weit.“ Sinnvoller sei es da schon, Einsätze bei schwierigen Wetterlagen wie im Hochsommer in den frühen Morgen zu verlegen.

Gesundheit gemeinsam denken
Eine Einschätzung, die Verena Riesterer vom Referat Gesundheitswirtschaft der IHK Hochrhein-Bodensee sicherlich gern hört. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Betreuung des Netzwerks Betriebliches Gesundheitsmanagement Hochrhein-Bodensee. Hier kommen Unternehmen zusammen, denen das Wohlergehen ihrer Teams wichtig ist. Mittlerweile existiert es seit 16 Jahren. Zentrales Format dieses Verbunds sind jährlich zwei, meist online angebotene Netzwerktreffen. Der Vorteil: „So erreichen wir auch kleinere Unternehmen, für die Präsenzveranstaltungen oft schwer zu integrieren sind – auch aufgrund der großen Entfernungen im Kammergebiet.“

Überhaupt stehen kleinere Unternehmen bei den Verantwortlichen der IHK im Fokus, macht IHK-Geschäftsführer Alexander Graf klar. „Da ist Betriebliches Gesundheitsmanagement ein Thema von vielen, das eine Personalabteilung auf dem Tisch hat“, sagt der Leiter des Geschäftsfelds Region entwickeln. Dazu kommt, dass die IHK Hochrhein-Bodensee landesweit die Federführung für die Gesundheitswirtschaft innerhalb der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern inne hat. Sie ist damit der zentrale Ansprechpartner für Unternehmen der Gesundheitsbranche sowie für die Betriebliche Gesundheitsförderung.
Durch die Zusammenarbeit im Netzwerk muss nicht jedes Unternehmen bei null anfangen oder jede Idee selbst entwickeln. Verena Riesterer: „Sie können auf den Erfahrungen anderer aufbauen. Das betrifft sowohl grundlegende Fragen zum Einstieg und zu Unterstützungsangeboten als auch ganz praktische Themen.“
Themen aus der Praxis
Um ganz praktische Themen geht es auch in den Netzwerktreffen. Zuletzt standen Hitze und Hitzeschutz auf der Agenda. Erst wurde informiert, dann diskutiert. Als Expertinnen waren Miriam Meschede und Johanna Weis von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. zugeschaltet. Sie erläuterten nicht nur, welche Risiken und Folgen Hitze im Arbeitsleben haben kann, sondern gaben auch klare Handlungsempfehlungen wie einen Sechs-Punkte-Plan. Mit ihm lasse sich erfassen, welche Personen, Arbeitsbereiche oder Tätigkeiten im Unternehmen besonders gefährdet sind, um dann entsprechende Lösungen zu entwickeln.
Sicherheit ist vielschichtig
Die Herausforderungen, vor denen Unternehmen aktuell stehen, sind komplex. „Sicherheit hat auf jeden Fall viele Aspekte“, sagt Alexander Graf – und jeder davon hat seine Bedeutung. Der Schutz der firmeneigenen IT ist wichtig, so wie der von Patenten, Betriebsmitteln und Ressourcen.
Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels rücke aber auch die Gesundheit der Mitarbeiter in den Fokus. Und die wirkt gleich zweifach: „Zum einen sind gesunde Teams wichtig, um den Betrieb am Laufen zu halten, zum anderen sind sie ein Attraktivitätsfaktor – nach innen und nach außen.“

Genau das ist das Business von Silke Masurat. Sie beschäftigt sich seit mehr als 27 Jahren mit der Attraktivität von Unternehmen. 2014 gründete sie mit dem Zentrum für Arbeitgeberattraktivität (Zeag) ein Beratungsunternehmen, das sich diesem Thema explizit widmet.
Welcher Anspruch sich dahinter verbirgt, erläutert dessen Gründerin: „Arbeitgeberattraktivität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, Menschen für sich zu begeistern.“ Gelingt dies, schafft das Resilienz, fördert die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter und verschafft ein positives Image – sowohl in die Gesellschaft hinein wie als Arbeitgeber. „Es macht Unternehmen stärker“, sagt die Unternehmerin, die sich schon im Studium mit strategischer Entwicklung beschäftigt hat. Dieses „Begeistern“ meint die 61-Jährige wörtlich. „Unternehmen sollten das Ziel haben, ihre Mitarbeiter zu Fans zu machen.“ Die Parallelen zum Sport oder Showbusiness sind bewusst gewählt: „Als Fan stehst Du zu einem Verein oder einem Star, und gehst mit ihm auch durch schwierige Phasen.“
Der Weg zum attraktiven Arbeitgeber kann allerdings herausfordernd sein. „Es geht um konkrete Kennzahlen und Strukturen“, beschreibt Masurat. Vor dem ersten Schritt zu mehr Arbeitgeberattraktivität steht daher eine Bestandsaufnahme. Aus den ermittelten Daten – dazu zählen wirtschaftliche Zahlen wie Rückmeldungen aus Mitarbeiterbefragungen – lassen sich Handlungsoptionen herausarbeiten. Sehr oft gehe es in solchen Fällen um die Rolle und das Verständnis von Führungskräften: „Hier den Hebel anzusetzen ist oft nicht leicht. Aber das ist menschlich. Wir schieben unliebsame Termine wie die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt ja auch zu gern auf.“ Patrick Merck
Gesundheitsmanagement
Weitere Informationen zum BGM der IHK finden Sie hier
Die IHK Hochrhein-Bodensee bietet auch ein kostenfreies Coachingprojekt zur Arbeitgeberattraktivität an
Kontakt: Verena Riesterer
Gesundheitswirtschaft
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