Aus der Buchhaltung über den Onlineshop in die Fußgängerzone: Catherine Römer und ihre Leidenschaft für Tee sind in Tuttlingen gut angekommen. Unser Autor über eine Frau, die beruflich ihr Glück gefunden hat.

Der Duft hinter der Ladentür ist eindeutig: In der Helfereistraße 4 in Tuttlingen dreht sich alles um Tee. Vor gut elf Jahren haben Catherine und Dieter Römer ihren Laden geöffnet, mit Tee gehandelt hat das Paar allerdings schon vorher – im Nebenerwerb und übers Internet. „Wir haben unseren Online-Shop für Tee 2010 gegründet. Dazu waren wir regelmäßig mit einem Stand auf Märkten und Messen unterwegs“, sagt Catherine Römer. Beide sind zu diesem Zeitpunkt angestellt, sie ist gelernte Industriekauffrau und arbeitet in der Buchhaltung eines Unternehmens. Doch glücklich machte sie diese Arbeit nicht, sagt sie rückblickend.
Vor elf Jahren ergab sich eine Chance, und die Römers griffen zu: In 1b-Lage, aber noch in der Fußgängerzone, wird aus dem Nebenerwerb ein echter Laden mit 65 Quadratmetern Verkaufsfläche: Römer Spitzentee. Ganz ohne Risiko ist das nicht, „denn Tee ist in Deutschland immer noch ein Nischenprodukt und es gibt das Nord-Süd-Gefälle“ sagt die 56-Jährige. Während man sich im Norden – Stichwort Ostfriesland – gern eine Tasse Tee zubereitet, ist das im Süden eher weniger der Fall. „Reich wird man mit einem Teegeschäft also nicht.“ Sie lächelt und schiebt ein „aber es macht glücklich“ hinterher. Zumal: „Es hat sich schon einiges getan“, findet die Expertin. „Vor allem die jüngere Generation entdeckt das Teetrinken für sich.“ Teeliebhaber gibt es in allen Altersklassen, bei Männern und Frauen, und der Laden lockt nicht nur Teetrinker an: „Wir haben auch Pralinés und erlesene Süßigkeiten im Programm.“ Das ist wichtig, denn Tee ist eher ein Saisonartikel: „Die Hauptsaison beginnt mit dem Herbst und endet im Februar oder März.“
Wasserhärte als Faktor
Teetrinken mag einfach sein, die Teezubereitung ist es nur bedingt. „Da gibt es schon Beratungsbedarf“, sagt Catherine Römer und klärt auf. „Hochwertiger Grüntee wie der japanische Kabusecha oder ein First Flush Darjeeling vertragen kein hartes Wasser.“ Also besser Wasserfilter nutzen oder stilles Wasser aus der Flasche nehmen. Auch Wassertemperatur und Ziehzeiten sind relevant. „Bei vielen Grüntees sind 70 bis 80 Grad ideal – und länger als zweieinhalb Minuten sollte er nicht ziehen.“ Zwar werde der Tee nicht ungenießbar oder ungesund, aber die Gerbstoffe machen ihn bitter: „Und das mag man hierzulande eher weniger.“
Sich Zeit für Beratung, Gespräche und Aromen nehmen, ist Catherine Römer und dem zweiköpfigen Team, das manchmal durch Dieter Römer unterstützt wird, wichtig. Kein Wunder: Das Angebot an Grün-, Schwarz-, Rooibos- und Kräutertees ist schon groß. Dazu kommen noch Früchteteemischungen wie Erdbeer-Popcorn, Dattelzauber, Sanddorn oder Vanilla Cheesecake. Dabei legt die Unternehmerin großen Wert auf Frische. „Ich bestelle immer nur kleine Mengen nach, weil ich mein Ware nicht lange lagern möchte.“ Patrick Merck
