1700 Übernachtungen jährlich verzeichnet das Kloster Maria Bronnen. Doch der Return on Invest im Gotteshaus von Pater Richard hat nichts mit Geld zu tun.

Eines stellt Pater Richard gleich am Anfang klar: „Wir sind weder Wellnesskloster noch Übernachtungsbetrieb.“ Dennoch öffnet das Kloster Maria Bronnen zwischen Ay und Bierbronnen im Landkreis Waldshut immer wieder Gästen seine Türen. Rund 1700 Übernachtungen im Jahr sind es im Schnitt, sagt Pater Richard. Er ist der Generalobere, leitet das katholische Kloster mit seinen 20 Brüdern und Schwestern im Haselbachtal.
„Wir sind ein Zweckbetrieb“, erläutert der gebürtige Frankfurter, der seit mehr als 40 Jahren hier lebt und wirkt. Die Beherbergung von Gästen steht nicht im Mittelpunkt, sie flankiert das Leben im Kloster.
„Bei uns gibt es keine festen Übernachtungspreise. Alle zahlen das, was sie zahlen können oder wollen.“ Damit möchte man auch finanziell schwächeren Menschen den Aufenthalt bei den augustinischen Ordensgemeinschaften im Kloster ermöglichen. Sowohl die Brüder vom Gemeinsamen Leben als auch die Schwestern vom Gemeinsamen Leben haben hier ihren Sitz. Würde man einer Übernachtung inklusive Gemeinschaftsverpflegung ein Preisschild anhängen, so läge man bei 25 bis 30 Euro, sagt Pater Richard. Darüber wird aber meist nur auf Nachfrage informiert. Bei einer Buchung wisse man nie, ob der Aufenthalt finanziell positiv, negativ oder kostenneutral ist.
„Das spielt keine Rolle.“
Wer Zeit in Maria Bronnen verbringt, wird Teil der Gemeinschaft und darf sich einbringen – bei der Hauswirtschaft, der Versorgung der Tiere oder der Gartenarbeit. Das sind Wunsch sowie Hintergedanke des Angebots und ist im weitesten Sinn der Return on Invest. Dazu zählen auch die gemeinschaftlichen Mahlzeiten, integraler Bestandteil jedes Gästeaufenthalts. Bei den Brüdern und Schwestern geht es um Dialog und Spiritualität – untereinander und mit Gästen. „Sie müssen nicht Mitglied einer Kirche sein, um willkommen zu sein“, erläutert der Generalobere. Klar ist aber auch: „Wir sind ein katholisch geprägtes Kloster und wir leben das.“
Um eine Auszeit in der Gemeinschaft von Maria Bronnen erleben zu dürfen, führt der Weg allein über das Kloster selbst. Auf gängigen Übernachtungsportalen findet man es nicht. „Sie können nicht einfach zwei Wochen ‚Urlaub‘ bei uns buchen“, sagt der Pater. Beim ersten Besuch gehe es vor allem darum, das System Kloster und Gemeinschaft überhaupt kennenzulernen. Zwei oder drei Nächte vielleicht. Kennt man sich, können Aufenthalte auch länger sein. „Zu uns kommen Menschen aus ganz Deutschland, aus allen Bevölkerungsschichten“, berichtet Pater Richard: Menschen an der Armutsgrenze ebenso wie Unternehmer. Sie alle sitzen dann am selben Tisch. Und für alle gilt bei der Anreise das Gleiche: Bitte eigenes Bettzeug mitbringen. mrk
