Nach drei ganz schwachen Jahren wächst die Hoffnung auf einen zarten Aufschwung. Das belegen diverse Umfragen, die steigende Kreditnachfrage bei Banken und optimistische Investitionen wie zuletzt bei der Firma Kaltenbach in Lörrach.
Die Eröffnung verlief standesgemäß: Statt des klassischen Banddurchschnitts mit einer profanen Schere fraß sich im neuen Werk von Kaltenbach Cutting Systems (KCS) eine High-Tech-Kreissäge durch eine Metallstange – kurz danach wurde auch schon losproduziert, der hohen Auftragslage wegen. Eine Summe „im hohen sechsstelligen Bereich“ steckte KCS in seine neue Produktionsstätte daheim in Lörrach. Und damit gezielt in Effizienz und Zukunftsfähigkeit, so René Eger, Geschäftsführer des Herstellers industrieller Sägelösungen mit 57 Mitarbeitern und 19 Millionen Euro Umsatz.

Banken: deutlich mehr Kreditnachfrage
Inlandsnachfrage, Fachkräftemangel, Arbeitskosten: Viele Unternehmen waren zuletzt zurückhaltend mit Investitionen in der Heimat. Langsam aber mehren sich die Anzeichen, dass sich das Geschäftsklima wieder dreht. Fragt man die Banken, so findet man dafür auch schon harte Zahlen. Besonders eindrucksvoll belegt das die Volksbank Lahr: Sie vermeldet ein außergewöhnliches Plus im Firmenkreditvolumen – um 53 Prozent gegenüber 2024 – und erreichte damit wieder das Vorkrisenniveau. Nachgefragt bei weiteren fünf Volksbanken und Sparkassen der Region bestätigen auch diese eine spürbar steigende Nachfrage nach gewerblichen Krediten innerhalb der vergangenen fünf Jahre: Rund 13 Prozent mehr Kreditvolumen bei der Volksbank Freiburg, ein Plus von rund 15 Prozent bei der Sparkasse Offenburg/Ortenau, ein kräftiges Wachstum von 35 Prozent sind es bei der Volksbank Rottweil.
Industrie: vorsichtiger Optimismus
In der Industrie sind die Vorzeichen weniger eindeutig, geben aber ebenfalls Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Zwar sind die Industriebetriebe im Südwesten 2025 mit einer schwarzen Null nur knapp einem dritten Rezessionsjahr entgangen, die Stimmung hat sich dennoch gebessert: Im Vergleich zum Vorjahr erwarten deutlich mehr Unternehmen steigende Umsätze, nur noch wenige erwarten Rückgänge.
Ein knappes Umsatzplus von 0,3 Prozent meldeten etwa die Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsverbands Industrieller Betriebe in Baden (WVIB) für 2025. Im Vorjahr war es noch ein nominales Umsatzminus von 4,8 Prozent. Und auch das Geschäftsklima zeigt nach oben: Das mathematische Mittel aus Geschäftslage und -erwartungen liegt 13 Punkte im Plus, vor einem Jahr lag es noch 17 im Minus. Die Geschäftserwartung liege damit auf dem höchsten Wert seit Ende 2022, freute sich Hanna Böhme, die neue Hauptgeschäftsführerin des WVIB. Bei den Aufträgen zeigt sich ebenfalls ein vorsichtiger Aufwärtstrend. Dem gegenüber steht allerdings eine noch immer geringe Auslastung, von der etwa zwei Drittel der Unternehmen berichten, vor allem aus dem Automotive-Bereich. Und anders als es die Zahlen der Banken nahelegen ist die Investitionslust der WVIB-Mitglieder noch gering ausgeprägt: Sie liegt bei schwachen 4,8 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 6,1 Punkte.

Kammer: Noch keine echte Trendwende
Auch bei den IHKs ist man mit zu viel Optimismus zurückhaltend. Im Kammerbezirk Südlicher Oberrhein hat sich die Stimmung der Unternehmen mit Blick auf die Geschäftslage über alle Branchen hinweg zwar verbessert, mit
13 Punkten liegt der Index immerhin auf seinem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren; aber: „Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf. Dann könnten wir auch von einer echten Trendwende sprechen“, sagt Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. „Aber genau das sehen wir nicht.“ Denn der von der IHK ermittelte Index der Geschäftserwartungen (der eben viel mehr umfasst als nur Industriebetriebe) rutschte zum Jahresbeginn mit minus sieben Punkte in den negativen Bereich ab. Dass die heimischen Unternehmen noch nicht vollends davon überzeugt sind, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten wurde, lässt sich auch an ihren Investitionsplänen ablesen. Zum vierten Mal in Folge notiert der Index der Inlandsinvestitionen im roten Bereich.
Auftragslage weiter sehr dünn
Viele Unternehmen im Bezirk Schwarzwald-Baar-Heuberg starteten schwach ins Jahr: Nur 18 Prozent melden eine gute Geschäftslage, 28 stufen ihre Situation noch als schlecht ein. Auch die Erwartungen bleiben verhalten: Ein Viertel der Betriebe rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. Ein Lichtblick: die Investitionsbereitschaft: Sie steigt auf 24 Prozent, ist damit jedoch noch immer defensiv.
Auch im Kammerbezirk Hochrhein Bodensee agieren die Unternehmen weiterhin vorsichtig. Die Geschäftslage hat sich stabilisiert, bei den Erwartungen für die kommenden Monate sind aber weiterhin mehr Unternehmen pessimistisch als optimistisch. Ausdruck dessen seien auch die zurückhaltenden Planungen der Inlandsinvestitionen in großen Teilen der regionalen Unternehmen.

Politik bleibt hinter Erwartungen zurück
Damit aus einer Tendenz nach oben ein richtiger Aufschwung wird, braucht es also noch einen ordentlichen Schubs in Form von politischen Reformen, fordern IHK und WVIB. Alwin Wagner: „Die bisher weit hinter den Erwartungen gebliebenen Reformbemühungen der Regierung und die eher populistisch geführten Diskussionen, beispielsweise um Themen wie Lifestyle oder Teilzeitarbeit, haben viele Unternehmerinnen und Unternehmer enttäuscht, die sich von einem Regierungswechsel eine echte ‚Wirtschaftswende‘ erhofft hatten.“ Die Themen könne man sachlich diskutieren, am Ende gehe es aber darum, mit den politischen Reformen auch ins Handeln zu kommen.
Nicht anders sieht man das beim BWIHK, wo sich in der Konjunkturumfrage ebenfalls viele positive Signale zeigten, die man aber nicht missdeuten sollte. „Die Umfrage zeigt den Spagat, den viele Unternehmen täglich leisten müssen: Mut, Ideen und Schaffenskraft auf der einen Seite – Bürokratie, Kosten und Stillstand auf der anderen“, betont BWIHK-Vizepräsident Claus Paal. „Unsere Wirtschaft ist modern, schnell und lösungsorientiert. Der Staat ist es vielerorts nicht. Die Unternehmen arbeiten im 21. Jahrhundert, die Verwaltung oft noch im letzten.“ Paal führt aus: „Diese Aufhellung ist kein politischer Erfolg. Sie ist das Ergebnis von Unternehmen, die sich behaupten und Verantwortung übernehmen – nicht wegen politischer Entscheidungen, sondern trotz politischer Trägheit.“
Ähnlich denkt René Eger von Kaltenbach Cutting Systems in Lörrach. Dort freut man sich über eine steigende Nachfrage nach KCS-Produkten: „Wir gehen von einer schrittweisen Erholung des Marktes aus und hoffen auf die richtigen wirtschaftspolitischen Signale und Entscheidungen seitens der Regierung. Viele unserer Kunden sind in energieintensiven Branchen tätig und stehen unter erheblichem Kostendruck. Verlässliche Rahmenbedingungen sind daher ein entscheidender Faktor für zukünftige Investitionen.“ Susanne Ehmann
