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Aktuelle AusgabeAusgabe 12/2025
Unternehmen
Gabriele Siedle

Architektin der nächsten Generation

275 Jahre Geschichte – und neue Wege: Gabriele Siedle denkt Unternehmensführung neu, setzt auf starke Werte, digitale Synergien und ein Kulturprojekt, das mehr ist als Kunst.

Gabriele Siedle hat sich 2023 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und widmet sich seitdem übergeordneten Themen der Unternehmensgruppe. Foto: S. Siedle & Söhne

Das Unternehmen Siedle aus Furtwangen (430 Mitarbeiter) hat im vergangenen Jahr sein 275. Jubiläum gefeiert. Ein Vierteljahrhundert dieser Geschichte prägte Gabriele Siedle, viele Jahre davon als Geschäftsführerin. Seit 2023 richtet die Unternehmerin ihren Fokus neu aus. Als vorsitzende Geschäftsführerin der Siedle-Gruppe widmet sie sich nun zwei zukunftsweisenden Feldern: den Synergien innerhalb der Unternehmensgruppe und ihrem Herzensprojekt, dem Siedle Haus.

Frau Siedle, das Unternehmen Siedle hat 2025 sein 275-jähriges Bestehen gefeiert. Was geht Ihnen zu diesem Anlass durch den Kopf?

Dieses Jubiläum ist ein Meilenstein, der Demut lehrt. 275 Jahre – das ist nicht selbstverständlich. Das größte Ergebnis dieser langen Geschichte ist, dass es das Unternehmen noch gibt. Siedle existiert als unabhängiges Familienunternehmen: wirtschaftlich gesund, ohne Fremdkapital, mit einer klaren Identität. Darauf bin ich stolz. Und ich bin dankbar für die Menschen, die das früher wie heute möglich gemacht haben. Das Jubiläum ist für mich weniger ein Rückblick als eine Verpflichtung, die Zukunft verantwortungsvoll und voll Engagement weiter zu gestalten.

Sie haben sich 2023 aus dem operativen Tagesgeschäft bei Siedle in Furtwangen zurückgezogen. Welchen Themen widmen Sie sich nun tagtäglich?

Als Vorsitzende der Geschäftsführung befasse ich mich mit den übergeordneten Themen der gesamten Siedle-Unternehmensgruppe. Dazu gehören neben Siedle in Furtwangen auch Novotechnik in Ostfildern, K+E in Mönchweiler sowie Contelec im schweizerischen Biel. Ganz bewusst haben diese Firmen bislang selbstständig agiert – sie bedienen immerhin eigene Märkte, haben eigenständige Vertriebswege und Kulturen. Aber die Welt hat sich im Zuge von Globalisierung und Digitalisierung grundsätzlich verändert: Cyber-Sicherheit, Compliance oder auch Personalgewinnung sind Themen, die so komplex und teuer geworden sind, dass wir uns da zusammentun müssen. Von Zöllen beispielsweise sind verschiedene Nationen oder Branchen verschieden stark betroffen – eine Gruppe kann das auffangen. Als Vorsitzende der Eigentumsgesellschaft bin ich zudem verantwortlich für große Investitionen, Jahresbudgets, die strategische Ausrichtung oder die Suche nach geeigneten Geschäftsführern.

Parallel dazu bin ich als Vorsitzende der Horst und Gabriele Siedle Kunststiftung auch Bauherrin eines Museums, des Siedle Hauses. Eine Herzensangelegenheit, der ich mich mit Hingabe widme. Kurz: Ich sitze also nicht da und warte auf die Aufgaben – das entspricht ohnehin nicht meinem Naturell.

Wo erleben Sie heute die großen Herausforderungen für Unternehmen und Unternehmer, speziell auch bei Siedle?

Die Rahmenbedingungen für Märkte heute kippen schnell. Zölle, Lieferketten, Beschaffung – das kann in Wochen zu neuen Realitäten führen. Gleichzeitig erwarten Kunden Sicherheit, Qualität und Geschwindigkeit. Wir müssen Time to Market deutlich verbessern, ohne Abstriche bei Sicherheit und Präzision zu machen. Das ist der Kern unserer Marke. Dabei treibt mich die Frage um, wie wir technologische Entwicklungen mit unseren Kernkompetenzen verbinden. Qualität, Materialität und Haptik sind für mich keine nostalgischen Begriffe, sondern echte Differenzierungsmerkmale.

Die Leitlinien, die wir für Siedle vor einigen Jahren formuliert haben – Standorttreue, Umweltbewusstsein, soziale Verantwortung und Exzellenz – sind dabei erstaunlich zeitlos, gewinnen heute sogar wieder an Bedeutung. Standorttreue beispielsweise darf kein Slogan, sondern muss eine Haltung sein. Ich will keine Abhängigkeiten, die uns morgen den Stecker ziehen. Im Gegenteil: Siedle hält an seiner hohen Fertigungstiefe in Furtwangen fest – und blieb dadurch auch während der Beschaffungskrise weitestgehend lieferfähig. 

Neben unternehmerischen Fragen beschäftigen Sie gesellschaftliche Themen sehr stark. Besonders Bildung sprechen Sie immer wieder an. Warum?

Weil Bildung die Basis von allem ist. Sie sorgt für Frieden und gegenseitigen Respekt. Bildung hilft, Demokratie, Freiheit und gleiche Chancen für alle zu schützen. Sie ist wichtig für den wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt und trägt somit auch zum Schutz der Umwelt bei.

Sprache, Stil, Wertschätzung von Arbeit: Bildung in Formen und Ästhetik vermittelt für all dies das Grundverständnis. Das kann man nicht allein den Schulen überlassen. Familien, Unternehmen, Vereine – sie alle tragen Verantwortung.

Sie haben das Siedle Haus erwähnt, das derzeit in Furtwangen entsteht und Heimat Ihrer Kunstsammlung wird. Was ist Ihre Vision für das Museum?

Wer privilegiert ist, muss auch etwas zurückgeben. Das Siedle Haus ist für mich kein privates Projekt, sondern ein Ort der Begegnung, der Bildung und des Diskurses. Kunst hilft, Zusammenhänge zu erkennen, Fragen zu stellen und Perspektiven zu wechseln. Ich wünsche mir, dass Mitarbeiter, Bürgerinnen und Bürger sagen: Das gehört zu uns. Das inspiriert uns. Das Siedle Haus soll allen offen stehen, die sich für Bildung und Kultur interessieren.

Kunst ist für Sie also mehr als nur guter Geschmack?

Auch Ästhetik ist Bildung. Die Bedeutung von Formen, Materialien oder Proportionen, der Goldene Schnitt beispielsweise – all das sollte man Kindern beibringen. Das beeinflusst nicht nur nachhaltig den Umgang in Sprache und Schrift, sondern es überträgt sich auch auf die Kultur in der Architektur ebenso wie auf die Kultur in Unternehmen und letztlich auf die Produkte. Das ist kein Luxus. Es ist ein Zeichen von Respekt.

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