Der Defence-Markt boomt – und mit ihm die Chancen für Unternehmen. IHK-Berater Klemenz erklärt, welche Förderprogramme den Marktzugang erleichtern und worauf es bei der Antragstellung ankommt.

Die boomende Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist für viele Unternehmen ein interessanter Markt geworden. Eine „Chance für die baden-württembergische Verteidigungswirtschaft“, sagt dazu das Wirtschaftsministerium des Landes. Der Schritt in diesen Markt kann teuer sein – aber die Kosten dafür muss ein Unternehmen nicht zwangsläufig allein stemmen. In Deutschland gibt es Förderprogramme von Bund, Ländern und EU – doch welche eignen sich, wenn ein Unternehmen in Rüstung machen möchte?
Philipp Klemenz von der IHK Südlicher Oberrhein berät die Mitglieder der drei IHKs im Regierungsbezirk Freiburg zu Fördermöglichkeiten – auch im Defence-Bereich. Er rät zu Programmen, bei denen schnell entschieden ist, ob es klappt mit der Förderung, und die nicht themenbezogen sind. Und dann entscheidet das Spotlighting: Was beleuchte ich an meinem Vorhaben so, dass es ins Förderprogramm passt?
Klemenz empfiehlt vor allem zwei: das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und die Forschungszulage. Das ZIM ist ein bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm für Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die zu neuen Produkten, technischen Dienstleistungen oder besseren Produktionsverfahren führen. „Das ist gerade in der Kooperation mit Forschungseinrichtungen gut, denn diese werden zu 100 Prozent gefördert.“ Bessere Chancen auf Förderung haben beim ZIM Klemenz zufolge Dual-Use-Güter. Güter oder Technologien also, die sowohl zu zivilen als auch militärischen Zwecken einsetzbar sind. Und das gilt es im Antrag hervorzuheben. Beispiel: Ultrahochfester Beton taugt zum Bau von Brücken – und für Bunker.
Auch nachträgliche Förderung möglich
Hat ein Unternehmen in den vergangenen Jahren schon ein Dual-Use-Gut entwickelt, empfiehlt Klemenz zum anderen die steuerliche Forschungszulage. Das Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung ermöglicht die steuerliche Begünstigung von Forschungsausgaben der Unternehmen – unabhängig von Größe, Rechtsform und Branche. Darunter fallen auch Produktionstechnologien. Hauptsache: branchenneu. „Es ist das einzige Programm in Deutschland, womit man nachträglich fördern kann – auch abgebrochene Projekte“, sagt Klemenz.
Möchte ein Unternehmer eine neue Produktionsmaschine kaufen, kann die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft geeignet sein. Dabei steht die Energieeffizienz im Vordergrund – wofür die Maschine letztendlich verwendet wird, sei erst mal nicht relevant.
Neben diesen gibt es auch Programme, die sich explizit an Unternehmen aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich richten. Aber: „Diese Förderaufrufe sind selten“, sagt Klemenz. Auch seitens der EU gebe es jetzt mehrere Programme, wie etwa den Nato-Innovationsfonds, der besonders in Start-ups investiert. Nachteil vieler Programme: Es dauert, bis eine Entscheidung fällt. Klemenz: „Ein Jahr zu warten, ehe ich überhaupt erst loslegen kann, das bremst Entwicklung und Innovation aus.“ Dennoch sagt Klemenz klar: Einen Versuch ist es wert. Auch wenn der Arbeitsaufwand je nach Förderprogramm ordentlich ist. Aber allein bei der Forschungszulage könnten Unternehmen, je nach Projektstart und Unternehmensgröße, bis zu 4,2 Millionen Euro jährlich rausholen. se
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