Werkschutz und Sicherheitstechnik

Warum ein Wachmann zu wenig ist

Moderner Werkschutz geht heute über Streifendienste und Zugangskontrollen hinaus, macht Unternehmen resilient und wird oft erst ernst genommen, wenn es zu spät ist.

von Daniela Santo

Der Klassiker: Kontrollgänge sind nur ein Teil eines umfassenden Sicherheitskonzeptes. Moderner Werkschutz ist auch auf Risikosteuerung und Unternehmenssicherheit ausgerichtet. Foto: BEKK

„Bei uns ist noch nie etwas passiert.“ Ein Satz, der in vielen Unternehmen fällt – aber vielleicht ein bisschen trügerisch ist. Denn in jedem und für jeden Betrieb lauern Gefahren. Dennoch wird das Thema Sicherheit oft nur stiefmütterlich behandelt. Dabei geht es um weit mehr als den Zaun ums Gelände oder nächtliche Patrouillengänge.

Moderner Werkschutz hat nur noch wenig mit der klassischen Vorstellung von Wachpersonal zu tun. „Unternehmenssicherheit ist deutlich komplexer geworden“, sagt Marco Kimmich von BEKK Security in Schiltach. Es denkt dabei nicht nur an Einbruch, Diebstahl oder Vandalismus, sondern an physische, organisatorische und digitale Bedrohungen. Seine Kunden fragen: Wie stellen wir sicher, dass unser Unternehmen auch bei Störungen, Krisen oder Angriffen handlungsfähig bleibt? Damit rücken Themen wie Krisenmanagement, Notfallplanung, Lieferkettenstabilität und Business Continuity in den Vordergrund. Zeitgemäßer „Werkschutz wird somit Teil einer umfassenden Unternehmensresilienz“, sagt Kimmich.

Trotzdem scheuten sich viele, in Sicherheit zu investieren. Der Grund ist so einfach wie nachvollziehbar: Prävention kostet Geld – und ihr Nutzen ist zunächst schwer messbar. „Sicherheit wird erst dann priorisiert, wenn der Ernstfall eingetreten ist.“ Hinzu komme eine Unternehmenskultur, die stark auf Vertrauen setzt. Doch wo Vertrauen Kontrolle ersetzt, entstehen Lücken – etwa durch offene Türen, ungeprüfte Zugänge oder unregistrierte Besucher.

Ein oft unterschätzter Baustein ist außerdem der Schutz der Produktion selbst. Maschinen und Anlagen müssen nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher betrieben werden können. „Sicherheitstechnik sorgt dafür, dass Mensch und Maschine zuverlässig zusammenarbeiten können, dass Schutz und Produktivität kein Widerspruch sind“, sagt Marcel Aulila, Geschäftsführer von SSP Safety System Products in Spaichingen. Konkret geht es dabei um das Zusammenspiel aus Schutzsystemen wie Schutzzäunen, Sensorik, Sicherheitssteuerungen und durchdachten Bedienkonzepten. „Sicherheitsmaßnahmen, die zu kompliziert sind oder den Arbeitsalltag ausbremsen, werden umgangen.“ Gute Lösungen seien intuitiv und praxistauglich. Aulila: „Echte Sicherheit entsteht erst dann, wenn sie gelebt wird.“

Werkschutz ist kein Standardprodukt, sondern hängt stark vom jeweiligen Unternehmen ab – entsprechend variieren auch die Kosten. Üblich sind Stundensätze zwischen 25 und 45 Euro für die Sicherheitskräfte, eine 24/7-Überwachung kann monatlich 15 000 bis 25 000 Euro kosten. In diesen Größenordnungen bewegt sich auch der Autozulieferer PWO aus Oberkirch, der jährlich einen unteren sechsstelligen Betrag für Werkschutz aufwendet: „Dieser übernimmt neben klassischen Sicherheitsaufgaben auch die Sortierung und Zustellung der internen Post“, sagt EHSS-Manager Alexander Ruppel.

Am Ende ist Werksschutz also eine Abwägung: Wie kritisch sind Prozesse, Werte und Abläufe – und welche Folgen hätte ein Ausfall? Werkschutz rechnet sich immer dann, wenn er Schäden verhindert, die das Unternehmen deutlich teurer zu stehen kämen.

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