Flusskreuzfahrten und mehrtägige Busreisen boomen, zudem ist man auf der Suche nach neuen Zielen abseits des klassischen Badeurlaubs und der großen Touristenströme.

Dieter Petrolli aus Fischbach ist froh, dass die Unsicherheit nach Corona überstanden ist. Sein Angebot mit 13 Reisebussen (vom kleinen 20-Sitzer bis zum großen Doppeldecker mit 78 Plätzen) ist stark gefragt. Ein weiteres Standbein ist der Linienverkehr, bei dem täglich elf Busse im Einsatz sind. Besser denn je läuft auch der sogenannte Gelegenheitsverkehr für Vereine, Firmen, Bildungswerke und Schulen. „Wir bieten den reinen Transfer an, organisieren auf Wunsch aber auch die komplette Reise“, sagt der Geschäftsführer. Drei Mitarbeiterinnen kümmern sich ausschließlich um diesen Bereich, der jetzt stärker ist als vor Corona. Ebenso sind seine drei Söhne im Unternehmen mit aktiv.
Die eigenen Reisen – von der Tagesfahrt bis hin zur Flusskreuzfahrt – sind der andere große Geschäftsbereich des Familienunternehmens. Hier hat Petrolli festgestellt, dass viele Kunden individueller unterwegs sein wollen. Er hat auf diese Entwicklung reagiert und bietet Bausteine an, mit denen die Gäste ihren Reiseablauf selbst gestalten können. Etwa, um mehr Zeit zur freien Verfügung haben. Überhaupt seien neue Ideen gefragt, erklärt Dieter Petrolli. Eine einfache Tagesfahrt lasse sich kaum noch verkaufen. Da müsse immer ein Schmankerl dabei sein, etwa eine Schiffsfahrt auf dem Bodensee oder eine Traktortour.

Kooperieren und Neues wagen
Für längere Reisen ist Petrolli eine Kooperation mit vier Kollegen eingegangen, die unter dem Motto „Bus dich weg“ einen deutlich größeren Einzugsbereich abdecken. So lassen sich für Fahrten von mehr als einer Woche wie nach Norwegen oder Frankreich sichere Teilnehmerzahlen erreichen. Sorgen bereiten allerdings die stark gestiegenen Preise: höhere Löhne und Betriebskosten schlagen zu Buche, Busse würden immer teurer, hinzu kämen teils enorme Preissteigerungen bei Hotels und Restaurants für die Kunden.
Diese Herausforderung kennt auch Norbert Echle aus Eschbronn. Die Logistik, die hinter jeder Reise stehe, sei enorm. Er ist froh, zuverlässige Mitarbeiter aus neun Nationen für alle Aufgabenbereiche zu haben. Dazu zählt er explizit auch die Reinigungsfrauen, die über Nacht die Busse für die Fahrt am nächsten Morgen vorbereiten. Anspruchsvoll sei aber auch die Organisation des Zubringerverkehrs aus dem Einzugsgebiet von Freiburg und Offenburg bis nach Konstanz und Albstadt zum jeweiligen Abfahrtsort.
Das Geschäft läuft. „Die Auftragsbücher füllen sich für die neue Saison bereits sehr gut“, sagt Norbert Echle, der das Unternehmen seit 20 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard führt. Damals hätte er nicht gedacht, dass die Menschen immer noch gerne nach Bayern und Südtirol reisen. „Da habe ich mich getäuscht“, schmunzelt Echle. Die klassischen Ziele bleiben beliebt und bilden weiterhin das Hauptgeschäft. Doch es gibt auch Neues: Die Gebrüder Echle spüren gezielt Ziele abseits der großen Touristenströme auf, etwa auf dem Balkan. „Das macht uns richtig Spaß – an den Gardasee fahren kann jeder“, meint Norbert Echle.
Immer beliebter werden auch Flusskreuzfahrten. „Die gehen sehr gut, weil sie für die Kunden äußerst bequem sind.“ Die Gäste sind in ihrem schwimmenden Hotel unterwegs, müssen ihren Koffer nur einmal aus- und wieder einpacken und sehen dennoch jeden Tag eine andere Stadt. Der Bus fährt parallel mit und steht am Etappenziel für Ausflüge bereit. Ein Renner seien auch Hochseekreuzfahrten, für die die Kunden zu Hause abgeholt und mit dem großen Reisebus zum Hafen gebracht werden. Und noch einen Trend hat der Reisefachmann ausgemacht: Seine Kunden wollen länger mit dem Bus verreisen – statt vier Tagen sollen es mindestens sechs sein.

Individuell und interaktiv
Dass Kunden auch bei Pauschalreisen mehr Individualität wünschen, weiß auch Mahmut Bilgay aus seinem Reisebüro in Tuttlingen. Er bietet deshalb sogenannte Bausteinreisen an. Das heißt: Die Kunden können sich innerhalb des Programms ihre eigenen Bestandteile zusammenstellen. Seit der Gründung seines Unternehmens im Jahr 2018 arbeitet Bilgay mit großen Reiseveranstaltern wie TUI und Alltours zusammen. Ein bewährter Partner ist außerdem das Reiseunternehmen Hauser in Rottweil.
Corona ist laut Bilgay endgültig überwunden. Er hat die Zeit genutzt, um mit seiner Frau in den sozialen Netzwerken aktiv zu werden. Über diese Kanäle kommen inzwischen Kunden aus ganz Deutschland. Wie es sich für einen überzeugten Reiseunternehmer gehört, hat auch Mahmut Bilgay stets neue Ziele vor Augen: geografisch wie inhaltlich. Künftig will er verstärkt selbst Reisen mit kulturellem Schwerpunkt organisieren. Die Premiere in Bosnien war ein voller Erfolg, nun soll eine Tour nach Spanien folgen. Auch Fahrten mit den Schwerpunkten Geschichte und Kultur in der Türkei und in Italien sind schon in der Planung. „Die Leute wollen nicht nur Badeurlaub, sondern auch das Landesinnere erleben. Dieses Thema werden wir deshalb künftig noch deutlich ausbauen“, sagt Bilgay. Berthold Merkle
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