Gekommen, um zu bleiben
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von Janne Bock
Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg optimiert ihre Strukturen. Zum Wohl der Mitarbeiter wie der Mitglieder sollen im Haus der Wirtschaft Entscheidungswege verkürzt, Verantwortlichkeiten geschärft und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit gestärkt werden. So sollen mehr Gestaltungsfreiräume entstehen.
von Ulf Tietge
Eine klassische Behörde war die IHK noch nie – doch mit der neuen Organisationsstruktur will die Kammer ihr Profil als moderner Dienstleister weiter ausbauen. Kleinere Einheiten, weniger Hierarchie und klare Verantwortlichkeiten sollen schnellere Entscheidungen ermöglichen. Zudem gibt es mit Philipp Hilsenbek künftig einen stellvertretenden Hauptgeschäftsführer und ein neues Leitbild. Im Mittelpunkt steht demnach das gemeinsame Handeln für Wirtschaft und Region und der Wunsch, Zukunft aktiv zu gestalten, erläutern Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez und sein neuer Vize Philipp Hilsenbek im Interview mit Ulf Tietge.
Lieber Herr Albiez, die IHK arbeitet an ihrer Organisationsstruktur. Warum das?
Albiez: Weil wir glauben, dass wir noch besser werden können und wir um das Potenzial unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen. Damit dieses Potenzial so richtig zur Geltung kommt, setzen wir auf weniger Hierarchien, mehr Verantwortung in den Teams und auf kürzere Entscheidungswege. Die Basis davon sind Vertrauen und Wertschätzung und eine moderne Form von Führung, bei der wir Führungskräfte nicht als Kontrolleure sehen – sondern als Förderer, Möglichmacher, Entwickler, Befähiger und Bestärker.
Das klingt nach dem Mindset eines Dienstleisters, nicht nach einem Amt.
Hilsenbek: Wir sind ja auch kein Amt. Wir sind eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit vielfältigen Aufgaben. Aus meiner Sicht besonders wichtig dabei: Wir unterstützen die regionale Wirtschaft in allen Fragestellungen als verlässlicher Partner mit Rat und Tat. Wir sind die erste Anlaufstelle für unsere Mitglieder: beispielsweise in Fragen der Fachkräftesicherung, der Interessensvertretung, der Aus- und Weiter-
bildung oder der Außenwirtschaft.
Alle diese Felder sind hochdynamisch. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wollen wir uns stetig weiterentwickeln, um den berechtigten Ansprüchen unserer Mitglieder zu genügen. Das ist der Geist der Selbstverwaltung.
Zusätzlich zu den Bereichen der Kammer gibt es künftig eine Doppelspitze mit einem Hauptgeschäftsführer und einem Stellvertreter. Warum das?
Albiez: Uns ist wichtig, dass die Kammer jederzeit voll handlungsfähig ist und das Konstrukt einer Doppelspitze hat sich auch anderswo bewährt. Beim Zuschnitt der Bereiche haben wir uns am Bedarf der Kunden orientiert, ebenso an den Feedbacks der Mitarbeiter, die in Gesprächen und Workshops beispielsweise den Wunsch nach mehr bereichsübergreifender Zusammenarbeit platziert haben. Silodenken soll der Vergangenheit angehören.
Wie haben die Mitarbeiter auf die neuen Ideen reagiert?
Hilsenbek: Aus vielen Gesprächen wissen wir: überwiegend sehr positiv. Es gibt auch kritische Stimmen und Fragen. Gleichzeitig erleben wir, dass viele Kolleginnen und Kollegen die Chancen der neuen Struktur sehr positiv sehen. Diese Offenheit für Veränderungen hat unsere Belegschaft auch früher schon bewiesen – etwa in Corona-Zeiten oder beim bundesweiten Cyber-Angriff auf die Industrie- und Handelskammern 2022. Und dennoch: Wir werden kommunikativ nach innen mit Sicherheit noch mehr erklären und eventuell noch offene Fragen gern beantworten.
Die neue Organisationsstruktur ist nicht unumstritten. Wie ordnen Sie die laufende Diskussion ein?
Albiez: Der Personalrat hat rechtliche Bedenken hinsichtlich der Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte geltend gemacht. Hierzu sind Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Freiburg anhängig; eine gerichtliche Entscheidung liegt derzeit noch nicht vor. Vergleichsgespräche laufen.
Was werden denn Ihre wichtigsten Aufgaben und Verantwortungsbereiche sein, Herr Hilsenbek?
Hilsenbek: Wir werden die Interessensvertretung weiter forcieren. Auch im Schulterschluss mit den Akteuren unserer Region. Jeder Betrieb soll gute Standortbedingungen vorfinden. Dafür bauen wir die Firmenkontakte weiter aus und stärken die Netzwerkarbeit unsere IHK. Selbstverwaltung heißt auch, Beteiligung möglich zu machen.
Ihr Entwicklungsprozess läuft seit über einem Jahr. Das klingt nach Sorgfalt und breiter Beteiligung statt nach schnellen Entscheidungen im Hauruck-Verfahren…
Hilsenbek: Unser Prozess basiert auf einer fundierten Herangehensweise unter Einbeziehung möglichst vieler Beteiligter. Die Datengrundlage für die neuen Ideen und zu erprobenden Strukturen sind die Ergebnisse einer breit angelegten Umfrage unter den Mitarbeitern. Aus deren Erfahrungen in der täglichen Arbeit hat sich weiteres abgeleitet: die Erstellung eines Führungskräfteleitbildes, das Durchführen einer zweiten Mitarbeiterbefragung zur erlebten Kommunikation im Haus, die Erstellung eines eigenen Mitarbeiterleitbilds. Im weiteren Prozess wollen wir jetzt den Zuschnitt neuer Bereiche erproben: damit wir Erfahrungswerte darüber gewinnen, wo wir welche Schnittstellen im Sinne unserer Belegschaft und unserer Kunden optimieren können.
Albiez: Als Kammer sind wir Partner der Wirtschaft. An deren Ansprüchen orientieren wir uns. Wir werden nur gut bleiben, wenn wir uns stetig weiterentwickeln. Genau das haben wir im Leitbild verankert und zudem unsere Führungsphilosophie in Zusammenarbeit mit dem Ifu-Institut für Unternehmensentwicklung aufs nächste Level gebracht. Und genau daran arbeiten wir jetzt weiter – um auf Basis von Wertschätzung, Vertrauen und gemeinsamen Zielen künftig ein noch stärkerer Partner für unsere Kunden sein zu können.
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