Zehn Jahre am Seerhein

Mehr als nur eine Adresse

Lernort, Treffpunkt, Arbeitsplatz – und sogar Fernsehkulisse: Seit zehn Jahren ist die Reichenaustraße 21 die Konstanzer Heimat der IHK Hochrhein-Bodensee. Ein Gebäude mit vielen Rollen und Geschichten

von Bettina Fettich-Biernath

Blick aufs Wasser: Im Jahr 2016 zog die IHK in die Reichenaustraße 21. Ihre Standorte im Kammergebiet liegen in Konstanz und in Schopfheim. Foto: Achim Mende

In der Prüfungszeit liegen Vorfreude und Anspannung in der Luft. In den Abendstunden halten Weiterbildungen die Konzentration hoch. Unternehmen tagen, Gremien oder Netzwerke kommen zusammen. IHK-Mitarbeiter beraten beispielsweise bei Existenzgründung oder stellen Bescheinigungen für den Außenhandel aus. Und trotz großer Fensterfronten lag hier mal eine Haftanstalt verborgen – zumindest für einen Drehtag. 
Die Reichenaustraße 21 hat mehr als eine Rolle. Nicht nur, weil sich an dieser Adresse die IHK Hochrhein-Bodensee und das Bodenseeforum seit einem Jahrzehnt ein Dach teilen. In der Silhouette des Konstanzer Europaquartiers sticht das Gebäude am Seerhein schnell ins Auge. „Da muss ich mal rein“, dachte sich auch Rudi Janssen, als er noch nicht als Locationscout tätig war. Einst war das Bauwerk Solarinnovationszentrum von Centrotherm. 2016 bezogen dann die IHK Hochrhein-Bodensee und das Bodenseeforum Konstanz das Gebäude. 
„Menschen und Architektur, ich mag das ehrlich“, sagt Rudi Janssen beim Streifzug durch den Konstanzer Standort der IHK. Diese Begeisterung begleitete ihn aus der Möbel- und Einrichtungsbranche über die Selbstständigkeit als Immobilienmakler ans Film- und Fernsehset. Heute ist Janssen Locationscout und Motivaufnahmeleiter auf der deutschen Seite des Bodensees. „Das heißt, ich übersetze Drehbücher in Bilder.“ Von der Familienküche über das Chefbüro bis zum Leichenfundort gibt er Szenen ihren Rahmen.

Im Locationscout-Himmel

Als Janssen 2018 für die Serie WaPo Bodensee und ihre Produktionsgesellschaft Saxonia Media nach repräsentativen Büros Ausschau hielt, dachte er an die IHK am Seerhein. „Wenn ich Hightech-Unternehmen sagen möchte, habe ich solch ein Gebäude vor Augen“, erzählt er. Janssen zeigt Richtung Wasser: „Ich bin wie im Locationscout-Himmel.“
Seitdem machte die WaPo Bodensee drei Mal Räume der IHK zu denen ihrer Protagonisten. Unter anderem wurden Tiefgarage und Durchgang so in Szene gesetzt, dass sie in der Serie als Zufahrt zu einer Haftanstalt inklusive Zelle dienten. Das Drehteam war während der Aufnahmen im Sommer auf leisen Sohlen auf den Fluren unterwegs – denn es war Prüfungszeit in der IHK. 

Wenn Sebastian Holl nach seinen eindrücklichsten Erinnerungen des letzten Jahrzehnts am Standort gefragt wird – etwa genauso lange ist er jetzt bei der IHK –, gehören diese Drehtage dazu. Holl arbeitet in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und ist Ansprechpartner, wenn die IHK zum Gastgeber für ein Fernsehteam wird. Seit er dort eine Zeit lang die Vermietung von Räumen betreute, kennt er jeden Winkel. Sein Lieblingsort: Das Präsidiumszimmer, nicht zuletzt wegen der Aufnahmen für die WaPo Bodensee. 
Was den Standort am Seerhein im Vergleich zu dem vorherigen in der Konstanzer Schützenstraße auszeichnet? Die Verkehrsanbindung, betont Holl, und denkt an Veranstaltungen wie den Neujahrsempfang im Bodenseeforum, aber auch an die Weiterbildung. Er hat selbst seinen Wirtschaftsfachwirt in der Reichenaustraße 21 gemacht. „Wenn ich abends zum Lernen hier war, habe ich auch von der Dachterrasse und den Räumen profitiert.“

Treffpunkt für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

Seit 2016 nutzten rund 15 000 Personen das Angebot der IHK-Weiterbildung in Konstanz für Qualifizierung und Beratung. Und mehr als 10 000 Auszubildende allein im Landkreis Konstanz wurden im letzten Jahrzehnt betreut. „Ebenso wie unser Standort und unser Bildungszentrum in Schopfheim, das letztes Jahr seinen zehnten Geburtstag feierte, hat sich die Konstanzer Reichenaustraße 21 als moderne Aus- und Weiterbildungsstätte bewährt“, sagt Katrin Klodt-Bußmann, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee. An einem Knotenpunkt – unter anderem in Laufnähe zu Fernbusbahnhof und Wasserbus – versteht sie den Standort am Seerhein als zentralen Treffpunkt für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die IHK begrüßt hier die breite Öffentlichkeit, wie beim Podium Wirtschaftspolitik vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, ebenso wie Gremien und Ausschüsse oder auch Unternehmen, die Räume mieten.
Die Transparenz zwischen Büros und Meetingräumen, auch die vielen offenen Flächen stehen für einen Veränderungsprozess in der Wirtschaft und in der IHK, betont IHK-Präsident Thomas Conrady. „Weiterentwicklung ist immer mit Teamarbeit verbunden. Das symbolisiert dieses Gebäude par excellence.“ Während die räumlichen Gegebenheiten am früheren Standort limitiert gewesen seien, könnten sich nun unter anderem auf der Konferenzebene oder der Dachterrasse die Menschen aus dem Kammergebiet begegnen. Nicht nur aus diesem Grund ist in der Reichenaustraße 21 die Dachterrasse sein Lieblingsort. Dort angekommen wandert der Blick von Rhein-Kilometer Null über den Untersee in Richtung Lörrach und Dreiländereck. Eine Gedankenreise durch die Landkreise Konstanz, Waldshut und Lörrach. „Das ist eine Reise zu circa 40 000 IHK-Mitgliedsunternehmen. Mitten in Europa, mitten im Zentrum von Technologie und Zukunft.“     

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