Industrie- und Umweltausschuss

„Wir müssen dranbleiben“

Welche Herausforderungen erwartet die Industrie in den kommenden Jahren? Oliver Maier, Vorsitzender des IHK-Industrie- und Umweltausschusses, hat dabei besonders den Automobilsektor im Blick.

von Janne Bock

Engagiert: Oliver Maier tritt als Vorsitzender des Industrie- und Umweltausschusses für die Belange der Unternehmen in der Region ein. Foto: Wefa Group

Oliver Maier ist Geschäftsführer der Wefa Group in Singen und Vorsitzender des IHK-Industrie- und Umweltausschusses. Er spricht über die wachsenden Herausforderungen für die Industrie in der Region Hochrhein-Bodensee. Dabei blickt er auf den steigenden Wettbewerbsdruck, die Folgen der Transformation im Automobilsektor und die Chancen und Risiken von KI. Zudem erläutert er, welche Rahmenbedingungen Unternehmen benötigen, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Herr Maier, welche Entwicklung in der Industrie in der Region macht Ihnen mehr Sorgen als der Öffentlichkeit bewusst ist?
Das Thema, das in der Bevölkerung etwas unter dem Radar bleibt, sind die Herausforderungen durch die Grenznähe zur Schweiz. Wir Unternehmer sehen, dass der Druck auf die Lohn- und Gehaltskosten gestiegen ist und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit strapaziert wird. Früher waren wir noch in der Lage, Lohnkostensteigerungen durch Produktivitätssteigerungen auszugleichen. Doch jetzt sehen wir seit vielen Jahren eine Stagnation bei der Produktivität, während die Lohnkosten jährlich steigen.

Wenn Sie in fünf Jahren auf die Region Hochrhein-Bodensee blicken: Was wird die größte Herausforderung für die Industrie sein?
Ich glaube, dass die Transformation im Automobilsektor die größte Herausforderung ist und auch in den nächsten Jahren noch sein wird. Das hat unter anderem damit zu tun, dass China 
mittlerweile einen enormen Vorsprung im Bereich der Elektromobilität erzielt hat. Nicht nur technologisch, sondern auch bei den Ressourcen für die Herstellung von Batterien. Das ist ein großer Nachteil, den wir hier in Deutschland haben, weil uns diese Ressourcen fehlen und wir bestimmte Entwicklungssprünge noch nicht geschafft haben. Das hat gewaltige Auswirkungen, nicht nur auf die Automobilindustrie, sondern auch auf die Zulieferer. Dann sehe ich natürlich das Thema KI als eine große Herausforderung. Der Bereich kann eine Chance sein, aber es wird schwierig sein, dranzubleiben. Zudem sind viele Risiken damit verbunden und wir wissen noch nicht genau, in welche Richtung sich das entwickelt. Wir müssen bei diesem und anderen Themen innovativ und schlagkräftig sein, um auf die weltwirtschaftliche Situation und die internationale Konkurrenz reagieren zu können.

Wenn der Ausschuss eine einzige Rahmenbedingung für Industrieunternehmen in der Region sofort verändern könnte – welche wäre das und warum?
Ein Ansatzpunkt könnte sein, die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Digitalisierung, KI und Automatisierung zu verbessern. Das wäre keine einzelne Maßnahme, sondern eher ein Maßnahmenbündel, zum Beispiel beim Netzausbau. Schnelles Internet müsste flächendeckend zur Verfügung stehen, und es könnte entsprechende Förderprogramme geben. Das könnte helfen, die Innovationskraft weiter zu stärken und die Strukturen für zukünftige Innovationen zu schaffen.

IHK-Ansprechpartner

Alexander Graf
alexander.graf@konstanz.ihk.de, 0 76 22/39 07-2 13

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