Pop-up gegen Leerstand

Gekommen, um zu bleiben

In Waldshut-Tiengen soll ein von der Stadt organisierter Pop-up-Store die Innenstadt beleben. Das Projekt kommt gut an – und nach knapp einem Jahr zieht Citymanagerin Monika Studinger Bilanz.

von Janne Bock

Foto: Sira Huwiler

Leerstände gehören zu den größten Herausforderungen vieler Innenstädte. Auch Waldshut-Tiengen suchte nach neuen Wegen, um die Innenstadt zu beleben und Unternehmern den Einstieg in stationäre Verkaufsflächen zu erleichtern. Ein Experiment war ein von der Stadt organisierter Pop-up-Store. Das Ergebnis: ein voller Erfolg. 
Im Oktober 2025 eröffnete der Pop-up-Store in einem rund 80 Quadratmeter großen Ladenlokal in bester Innenstadtlage. Zu diesem Zeitpunkt waren die Nutzungszeiträume bereits weitgehend vergeben. „Wir sind nie groß in die Außenwerbung gegangen. Das Projekt hat sich herumgesprochen, und schnell waren alle Plätze reserviert“, sagt Monika Studinger, Citymanagerin von Waldshut-Tiengen. Unternehmer konnten die Fläche jeweils für einen Monat nutzen.

Erst mal einen geeigneten Laden finden...

Die Bilanz nach knapp einem Jahr: Drei Teilnehmer haben sich dauerhaft für einen Standort in der Innenstadt in Waldshut entschieden. Einer von ihnen, ein Gitarrenbauer, übernimmt das ehemalige Pop-up-Ladenlokal sogar selbst. „Er hatte bereits ein gut laufendes Geschäft außerhalb der Innenstadt, hat aber den direkten Kontakt zu den Menschen gesucht.“ Eine weitere Mieterin hat mittlerweile Praxisräume in der Innenstadt von Tiengen angemietet.

Dass das Projekt überhaupt umgesetzt werden konnte, war nicht selbstverständlich. Eine der größten Herausforderungen bestand darin, ein geeignetes Ladenlokal zu finden und den Vermieter vom Konzept zu überzeugen. „Der Vermieter stimmte zu, weil die Stadt selbst als Mieter auftrat und die Verantwortung übernommen hat“, erklärt die Citymanagerin. An die Nutzer wurde stark subventioniert weitervermietet.
Neben den günstigen Konditionen profitierten die Unternehmer von der organisatorischen Unterstützung der Stadt. Mit einem Budget von rund 5000 Euro wurde die Fläche gemeinsam eingerichtet. „Wir haben eine Grundausstattung gestellt, darunter eine kleine Miniküche. Und es gab Spenden wie zum Beispiel den Kühlschrank, den wir von der Privatbrauerei Waldhaus bekommen haben.“ Viele Nutzer brachten zusätzlich eigene Ausstattung mit. Weitere Anforderungen seien im laufenden Betrieb entstanden und pragmatisch umgesetzt worden.

Kunden wollen erleben statt nur einkaufen

Das Spektrum der Teilnehmer reichte von einer Blumen- und Eventagentur über eine Ayurveda-Therapeutin bis hin zu Kunsthandwerkern und Künstlern. „Ein bunter Blumenstrauß“, berichtet Studinger begeistert. Besonders wichtig sei dabei gewesen, dass die Unternehmer neue Kundenkontakte knüpfen und ihre Bekanntheit steigern konnten. „Die Menschen möchten heute nicht nur einkaufen. Sie wollen etwas erleben.“

Da das erste Jahr so erfolgreich verlief, kann sich Monika Studinger sehr gut vorstellen, einen weiteren Pop-up-Store zu realisieren. Allerdings: „Hierzu benötigen wir wieder ein Ladenlokal.“ Ihr Fazit: „Wir freuen uns über den Erfolg des Projekts und hoffen auf Nachahmer.“ Mittlerweile habe sich sogar eine kleine Fangemeinde gebildet. „Es wird nachgefragt: Wie geht es weiter und wer kommt als nächstes in den Pop-up-Store?“ 

Sie besitzen ein Ladengeschäft und möchten es der Stadt Waldshut-Tiengen zur Verfügung stellen? Dann melden Sie sich bei:
Monika Studinger, Citymanagement,
0 77 51/8 33 2 08, 01 71/30 34 8 05,
MStudinger@waldshut-tiengen.de

Mehr aus dieser Ausgabe

Zur Ausgabe
Zehn Jahre am Seerhein

Mehr als nur eine Adresse

von Bettina Fettich-Biernath

Industrie- und Umweltausschuss

„Wir müssen dranbleiben“

von Janne Bock

Brigitta Schrempp

Ehrlich und optimistisch

von Johanna Kaiser

Empfehlungen

My two cents - meine bescheidene Meinung

Wissen ist Macht - Knowledge is spam

Analysen waren einmal teuer, langsam und knapp. Heute liefert KI sie in Minuten – und macht damit nicht Wissen, sondern...

von Christoph Münzer