Luft- und Raumfahrt

Grenzenlose Weiten

Die Leiber Group in Emmingen-Liptingen reduziert ihre Abhängigkeit von der Automobilindustrie mit dem Einstieg in die Luft- und Raumfahrt und den Defence-Sektor. Ein Erfahrungsbericht

von Johannes Fritsche

Arbeiten für den Orbit: Innovationsleiter Andreas Kroner, Geschäftsführer Simon Balk und Kommunikationschef Jürgen Wolfer (von rechts) Foto: pixl-Agentur, Hüfingen

Die deutsche Industrie steht unter Veränderungsdruck. Besonders betroffen sind Automobilindustrie, Maschinenbau und Metallverarbeitung. Für die Leiber Group in Emmingen-Liptingen ist das Orientieren hin zu weiteren Absatzmärkten allerdings nicht erst seit der anhaltenden Krise der Automobilindustrie ein Thema. Der Spezialist für Aluminiumleichtbaukomponenten hat bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen, seine Abhängigkeit von einer einzelnen Hauptbranche zu verringern und systematisch neue Märkte erschlossen. Ein Schwerpunkt liegt heute auf der Luft- und Raumfahrt, daneben gewinnt auch der Defence-Bereich an Bedeutung.

Fokus auf Anwendung statt auf Hersteller

Diversifizierung ist deshalb das Wort der Stunde. Dies bedeutet allerdings nicht einfach, vorhandene Erzeugnisse künftig an andere Abnehmer zu verkaufen. Es geht um Weitsicht: Leiber untersucht systematisch, in welchen Märkten seine Kompetenzen in der Aluminiumverarbeitung langfristig einen wertprägenden Nutzen bieten können. „Wir definieren Wachstumsfelder. Und dann fragen wir uns: Wie sieht der Markt in fünf bis zehn Jahren aus? In welchen Bereichen kann Aluminiumleichtbau eine besondere Rolle spielen?“, beschreibt Geschäftsführer Simon Balk den Ansatz. Früher hätten einzelne Kunden wesentlich die Richtung vorgegeben. „Das ist vorbei“, unterstreicht Balk. „Wir orientieren uns breiter. An Anwendungen statt an Herstellern.“

Der Mittelständler, der heute mehr als 700 Mitarbeiter beschäftigt, hat mit Aluminiumprodukten für Industrie und Landwirtschaft angefangen. Später ist dann dem allgemeinen Trend folgend Automotive als wichtiges Standbein hinzugekommen. Aktuell macht die Automobilindustrie noch rund 75 Prozent des Geschäfts aus. Bis 2031 soll dieser Anteil auf weniger als 50 Prozent sinken.

Technik vor Preis

Ein zentrales Wachstumsfeld ist die Luftfahrt. Aus geschmiedetem Aluminium entstehen beispielsweise Sitzelemente für Verkehrsflugzeuge. Dort zahlt sich aus, dass die Leiber-Sitzstrukturen leicht und hoch belastbar im Einsatz sind, zudem materialeffizient in der Fertigung. „Speziell in der Luftfahrt kommt es auf jedes Gramm an“, erklärt Balk.
Während das Automotive-Geschäft sehr stark preisgetrieben ist, stehen beim Einstieg in die Luftfahrt zunächst vor allem technische Anforderungen im Mittelpunkt. „Wir müssen die Techniker auf Kundenseite überzeugen, deren Sprache und spezifische Anforderungen verstehen“, sagt Innovationsleiter Andreas Kroner. Die Eintrittshürden sind entsprechend hoch. Voraussetzung ist unter anderem die Luftfahrtzertifizierung EN 9100. Gleichbleibende Materialeigenschaften müssen ebenso gewährleistet werden, wie der Nachweis, kritische Prozesse zu beherrschen, speziell die Wärmebehandlung. Dafür verfügt Leiber über ein eigenes Prüflabor und beschäftigt Werkstoffexperten.

Leibers Erfahrungen zeigen: Der Aufbau eines solchen neuen Geschäftsfeldes braucht Zeit. Kontakte entstehen über Fachmessen und Netzwerke, anschließend muss Vertrauen aufgebaut werden. „Es braucht Ausdauer, bis ein Kunde einen ersten Auftrag platziert“, berichtet Kroner. Bei individuell optimierten Bauteilen spricht Balk von Projektlaufzeiten von zwei bis drei Jahren bis zum Serienanlauf. Dabei will Leiber nicht lediglich Teile nach Kundenvorgaben produzieren. „Wir überlegen, welchen Mehrwert wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette leisten können.“

Weiter auf Expansion

Neben der Luftfahrt hat Leiber weitere Märkte im Blick. Im Defence-Bereich ist das Unternehmen bereits tätig, auch Anwendungen für die Raumfahrt werden entwickelt. Für Kroner, an dessen Bereich auch das Ausbildungszentrum Talentschmiede angeschlossen ist, gehört die technologische Herausforderung dabei auch zu den Argumenten im Wettbewerb um Mitarbeiter. „High Performer suchen ein Unternehmen wie Leiber. Wer an die Front des Geschehens will und an anspruchsvollen neuen Anwendungen arbeiten möchte, wählt seinen Arbeitgeber bewusst.“ 

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