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Ausgabe 01/2026
Aus der IHK  IHK Hochrhein-Bodensee
Regio Report IHK Hochrhein-Bodensee
Konjunkturumfrage

Dienstleister legen zu, doch Industrie und Handel bremsen Aufschwung

Der Konjunkturindex sendet erste Hoffnungssignale – doch der Aufschwung erreicht noch nicht alle: Während Dienstleister zulegen, kämpfen Industrie und Handel weiter mit Herausforderungen, sagt Kammer-Experte Alexander Graf.

Alexander Graf ist Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik bei der IHK Hochrhein-Bodensee. Er wertet die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage aus. Foto: Jigal Fichtner

Der Konjunkturindex bildet die Stimmung der Wirtschaft ab – und die war lange Zeit schlecht. Doch die Talsohle könnte durchschritten sein, sagt Alexander Graf, der Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik im Interview mit der WiS. Basis für seinen Optimismus: die neuen Zahlen aus der Konjunkturumfrage unter den Betrieben im Kammerbezirk.

Herr Graf, der aktuelle Konjunkturklimaindex liegt bei 108 Punkten. Vor einem Jahr waren es 102, im Herbst magere 98 Punkte. Was lesen Sie aus diesen Werten heraus?
Um es vorsichtig auszudrücken: In der Entwicklung des Konjunkturindexes sind erste Anzeichen zu erkennen, dass die wirtschaftliche Talsohle durchschritten sein könnte. In diesem Index werden Lage und Erwartung zusammengefasst. Da steckt also auch immer ein bisschen Hoffnung drin.

Was spricht aus Ihrer Sicht für eine verbesserte Gesamtlage?
Die für mich gute Nachricht ist, dass sich die Geschäftslage der Unternehmen in unserem Kammergebiet in der Gesamtheit stabilisiert und wieder das Vorjahresniveau erreicht hat.

Wie sieht die aktuelle Geschäftslage aus?
Insgesamt beurteilen 36 Prozent der teilnehmenden Betriebe ihre momentane Geschäftslage als gut, 47 Prozent als befriedigend und 17 Prozent als schlecht. Wenn man das auf eine Zahl verkürzen will, sind wir bei plus 19 und damit deutlich besser unterwegs als unsere nördlichen Nachbarn oder im Landesschnitt.

Im Herbst sprachen nur 29 Prozent der Betriebe von einer „aktuell guten Geschäftslage“ und 18 Prozent von einer schlechten.
Die Zahlen zeigen, dass sich die Lage geändert hat. Ich finde, dass ist eine signifikante Verschiebung hin zum Positiven.

Gilt die positive Tendenz für alle Branchen?
Nein, leider nicht. Es gibt große Unterschiede – sowohl in der Bewertung der aktuellen Lage als auch was Perspektiven angeht.

„Es sind erste Anzeichen zu erkennen, dass die Talsohle durchschritten sein könnte.“

Dann lassen Sie uns ein bisschen differenzieren. Welche Branche ist im Aufwind?
Das ist der Dienstleistungssektor. Vor zwei Jahren waren es 37 Prozent, die von einer guten Geschäftslage sprachen, aktuell sind es 57 Prozent. Dazu kommen 34 Prozent, die Ihre Lage als befriedigend betrachten. Nur neun Prozent sind mit der eigenen wirtschaftlichen Situation nicht zufrieden.

Und welche Erwartungen haben diese Unternehmen für die kommenden Monate?
Auch hier stimmen mich die Umfrageergebnisse positiver. Zwar rechnen noch immer 22 Prozent der Unternehmen mit einer eher herausfordenden Geschäftslage und nur 20 Prozent sind klar zuversichtlich, aber die Zahl der Optimisten hat deutlich zu-, die Zahl der Pessimisten deutlich abgenommen.
Wer profitiert nicht von diesem leicht-positiven Trend unserer Unternehmen?
Das ist zum einen der Handel, zum anderen aber auch große Teile der Industrie.

Im Herbst sprachen 25 Prozent der Industriebetriebe von einer guten Geschäftslage, 19 Prozent von einer schlechten. Wie bewertet die Industrie den Status Quo aktuell?
Die Einschätzung der Industriebetriebe im Kammergebiet zu ihrer wirtschaftlichen Situation ist nahezu unverändert auf niedrigem Niveau. Zwar bewerten nur noch 23 Prozent von ihnen ihre Lage als gut, dafür ist der Anteil derer gesunken, die ihre Situation mit „schlecht“ beziffert haben – und zwar auf 15 Prozent.

Wie sieht es mit dem Auslastungsgrad aus?
Nicht so gut. Er ist im Vergleich zum Herbst 2025 erneut gesunken auf jetzt 80 Prozent. Damit liegt er leicht über den 77 Prozent für Baden-Württemberg, aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent.

… und wie mit den Umsätzen?
Bei fast der Hälfte aller Produktionsbetriebe im Kammerbezirk sind die Umsätze – verglichen mit dem Vorjahresquartal – rückläufig.

 

IHK-Konjunkturumfrage

Die Konjunkturumfrage gibt das aktuelle Stimmungsbild der Unternehmen in Industrie, Handel und Dienstleistung anhand einer für die Wirtschaft der Region repräsentativen Stichprobe wieder. Die Umfrage wird dreimal jährlich bundesweit von allen Industrie- und Handelskammern durchgeführt.

Sind die Aussichten wenigstens positiv?
Wenn man auf die Tendenz im Auftragseingang schaut, gibt es ein wenig Hoffnung. Gaben im Herbst noch deutlich mehr Produktionsbetriebe einen Rückgang von Auftragseingängen an, so hat sich dieses Verhältnis zum Jahreswechsel ausgeglichen. Jeweils rund 19 Prozent berichten von steigenden oder fallenden Auftragseingängen. Bei der Mehrzahl ist der Auftragseingang gleichbleibend.

Wie sieht es beim Export-Geschäft aus?
Die Exporterwartungen werden signifikant besser eingestuft. Hier verdoppelt sich der Anteil der Unternehmen, die steigende Exporte prognostizieren, von 13 auf 26 Prozent. Parallel geht der Anteil derer, die mit sinkenden Auslandsgeschäften planen, von 27 auf 17 Prozent zurück. Trotz der Unwägbarkeiten im internationalen Warenaustausch durch Zölle und andere mögliche Einschränkungen.

Gibt es solche positiven Tendenzen auch im Handel?
Leider nein. Die Einschätzung der Händlerinnen und Händler ist weiter sehr von Zurückhaltung geprägt.

Im Frühjahr 2024 sprachen nur acht Prozent der Handelsunternehmen von einer guten Geschäftslage, diesmal sind es 15 Prozent. Das klingt doch positiv.
Im Prinzip schon, aber die Zahl der Betriebe, die von einer schlechten Geschäftslage berichten, hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 41 Prozent nahezu verdoppelt. Dazu kommt, dass bei 57 Prozent der Händler die Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken sind. Dies bereitet mit Blick auf das abgelaufene Quartal Sorge, weil das Weihnachtsgeschäft einen großen Teil zum Gesamtumsatz im Handel beiträgt.

Wie sieht es beim Kaufverhalten aus?
Die aktuelle Tendenz ist wenig erbaulich. Drei von vier Händlern sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten der Kunden, nur ein Viertel beschreibt es als saisonüblich. Von Kauffreudigkeit wird nicht berichtet.

Wenn wir nochmal den Blick aufs große Ganze richten: Was könnte sich in Sachen Arbeitsplätze und Beschäftigung tun?
Da ist wenig Bewegung zu spüren. Der mit 61 Prozent überwiegende Teil unserer befragten Unternehmen geht von einer konstanten Anzahl beschäftigter Personen aus. Etwas mehr als ein Viertel kann sich einen Stellenabbau vorstellen. Nur etwa zwölf Prozent aller Unternehmen rechnen aktuell mit zusätzlichen Einstellungen.

Und wie wird angesichts des schwierigen Umfelds mit Investitionen umgegangen?
Da sind die Unternehmen weiter zurückhaltend. Sie bleiben weiter deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten keine Investitionen vornehmen wollen, hat sich auf Jahressicht bei rund 15 Prozent eingependelt. Mehr als ein Drittel will weniger investieren, und 39 Prozent in etwa so viel wie im Vorjahr. Wichtigste Investitionsfelder sind die Ersatzbeschaffung, Maßnahmen zur Digitalisierung sowie Rationalisierungsmaßnahmen im Produktionsbereich. Interview: Patrick Merck

Ihr IHK-Ansprechpartner

Geschäftsführer Alexander Graf,
Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik,
0 76 22/39 07-2 13,
alexander.graf@konstanz.ihk.de

Alle Zahlen aus der Konjunkturumfrage finden Sie hier.

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