Tapeten von Erismann in Breisach

Liebe an der Wand

Schon erstaunlich, was bei uns im Südwesten alles hergestellt wird. Diesmal geht’s um zwei Jahrhunderte Tapeten-Geschichte bei Erismann in Breisach und ganz viel Romantik…

von Daniela Santo

Foto: Erismann

Tapeten hatten es zuletzt nicht leicht. Zu schnell dachte man an Omis Wohnzimmer: psychedelische Muster in Braun und Orange oder wilde Blumenranken mit XXL-Schrankwand. Kein Wunder, dass Tapeten lange als modisches Relikt vergangener Jahrzehnte galten. Doch der Trend dreht sich wieder, immer mehr Wände werden wieder geschniegelt und dabei mischt ein Unternehmen aus Breisach ganz vorne mit: Erismann. Seit fast 190 Jahren stellt das Familienunternehmen Tapeten her, die in mehr als 70 Ländern hängen – in Wohnzimmern, Hotels und Bürogebäuden. 
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte nicht mit einer bahnbrechenden Erfindung, sondern mit Herzklopfen. Als sich die Tochter des Kaufmanns Johann Baptist Hau im 19. Jahrhundert in den jungen Franz Joseph Müller verliebte, stieg ihr Vater kurzerhand in eine kleine Tapetenmanufaktur in Breisach ein, um dem Paar eine Zukunft zu ermöglichen. 
Zwei Jahrhunderte später ist daraus eine Firma mit mehr als 600 Mitarbeitern und 100 Millionen Euro Umsatz geworden. Neben dem Stammsitz in Breisach mit den 200 Mitarbeitern gibt es Standorte in den Niederlanden, Polen und Großbritannien sowie eine Produktion in Russland. 

Tapeten, die man fühlen kann

Was dort produziert wird, hat mit den Tapeten aus Omas Wohnzimmer so viel gemeinsam wie ein Elektro-SUV mit einem Mofa. Bei Erismann entstehen Oberflächen, die wie Naturstein, Samt oder verwittertes Holz wirken, mit metallischen Reflexen spielen oder ganze Räume in tropische Gärten, mediterrane Landschaften oder urbane Designwelten verwandeln.
„Tapeten erzählen heute Geschichten – über Materialien, Licht und Atmosphäre. Dank moderner Technologien können sie Oberflächen schaffen, die man nicht nur sehen, sondern auch fühlen möchte“, sagt Geschäftsführer Maximilian Bercher. Traditionelles Handwerk trifft dabei auf modernste Druck- und Prägetechnologie. Zu den technisch anspruchsvollsten Entwicklungen von Erismann zählen Struktur- und Vliestapeten mit Prägungen sowie großformatige digitale Wandbilder, die Räume in individuelle Wohnwelten verwandeln. 
Dass Tapeten wieder cool sind, hat auch mit ihrem Imagewandel zu tun. Früher waren sie Hintergrund, heute sind sie Hauptdarsteller. Wer eine Wand tapeziert, zieht ihr gewissermaßen ein neues Kleid an. Kein Wunder also, dass große Namen aus der Mode- und Designwelt mitmischen. Erismann entwickelt Kollektionen gemeinsam mit Elle Decoration und Guido Maria Kretschmer. 
Auch vor der Werkshalle wird deutlich, dass sich das Unternehmen nicht nur mit schönen Oberflächen beschäftigt. Direkt am Standort produziert ein Solarpark mit 4500 Modulen einen Teil des benötigten Stroms selbst. Ganz schön beachtlich für eine Firma, die einst mit einer kleinen Romanze im Breisacher Rheintor begann. Manche Liebesgeschichten schreiben eben Geschichte. Andere landen an den Wänden der ganzen Welt.

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