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Brigitta Schrempp

Das ist die neue Präsidentin der IHK Südlicher Oberrhein

Brigitta Schrempp ist eine Pionierin der Digitalisierung: Seit 46 Jahren führt sie ihr Softwareunternehmen mit Weitblick, Mut und unerschütterlichem Optimismus. Auch persönliche Schicksalsschläge und Vorurteile hielten die Ortenauer Macherin nie davon ab, ihren Weg konsequent weiterzugehen. Nun ist sie zur Präsidentin der IHK Südlicher Oberrhein gewählt worden.

Brigitta Schrempp ist neue Präsidentin der IHK Südlicher Oberrhein. Foto: Schrempp EDV

Brigitta Schrempp ist eine Macherin. Zusammen mit ihrem Mann Gustel Schrempp gründete sie ein Softwareunternehmen, als der Begriff „Digitalisierung“ noch gar nicht existierte und E-Mails noch Zukunftsmusik waren. Mit Weitblick und eisernem Optimismus führt sie seit 46 Jahren ihre Firma Schrempp EDV. „Ich habe immer nach vorne geschaut“, sagt die Ortenauerin, die heute zu den prägendsten Unternehmerpersönlichkeiten am südlichen Oberrhein zählt.

Nach ihrer Ausbildung als Kauffrau im Groß- und Außenhandel startete die Offenburgerin beim Markant-Gründer Adolf Spinner ins Berufsleben. Dort kam sie erstmals mit der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in Berührung. Als aus dem Großhandel die Anfrage kam, ein Warenwirtschaftssystem für den Verkauf zu „dialogisieren“ – das heißt zu digitalisieren –, machten sie und ihr Mann sich selbstständig und gründeten 1980 in der gemeinsamen Einliegerwohnung die Firma Schrempp EDV: „Heute würde man sagen, wir waren ein Start-up, aber den Namen hat man damals noch nicht gekannt.“

Sie übernahm die Systemanalyse und das Kaufmännische, ihr Mann das Technische und die Programmierung. Nachdem ihr erstes EDV-Programm deutschlandweit im Handel zum Einsatz kam, folgte der nächste Meilenstein: der Schritt in die industrielle Anwendung. Dafür entwickelten sie ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) für den Mittelstand, mit dem alle Prozesse in der Fertigungsindustrie digital abwickelt werden können. Ihre Kunden aus Deutschland, der Schweiz und Österreich nutzen das Software-Paket noch heute.

„Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch. Mein Glas ist immer halbvoll. Ich bin eine Macherin.“

Mittlerweile ist Brigitta Schrempp seit 46 Jahren Geschäftsführerin von Schrempp EDV. Sie hat erlebt, wie ihre Branche die Welt und die Menschheit innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert hat – gipfelnd in der Künstlichen Intelligenz (KI): „Das wird Berufsfelder und Berufsbilder ändern, wie damals, als die Dampfmaschine erfunden wurde.“ In dieser schnelllebigen, sich ständig wandelnden IT-Branche setzte sie auf langsames, aber stetes Wachstum. In den ersten fünfzehn Jahren nach der Gründung wuchs ihr Unternehmen auf sieben Mitarbeiter heran, mit denen sie 1995 in das heutige Firmengebäude in Lahr zogen. Aktuell beschäftigt sie 85 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende für Wirtschaftsinformatik.

In der bis heute männerdominierten IT-Branche sah Schrempp sich immer wieder mit Vorbehalten konfrontiert. Doch davon ließ sie sich nicht beirren: „Die Bestätigung kommt dann, wenn man seine Sache gut macht.“ Jungen Unternehmerinnen rät sie, den Vorurteilen keinen Raum zu geben, „sein Ding durchzuziehen und zu beweisen, dass man es kann“. Optimismus ist für sie eine Frage der Haltung: „Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch. Mein Glas ist immer halbvoll. Ich bin eine Macherin.“ Diese radikal optimistische Grundhaltung trägt sie auch in Krisenzeiten. Als ihr Mann 2012 tödlich verunglückte, dachten viele, dass sie die Firma verkaufen würde. Doch nur zwei Tage nach dem Unfall war für sie klar: „Ich mach das.“ Diese Entscheidung war rückblickend die größte Herausforderung ihrer Karriere – bereut hat sie diesen Schritt nie.

Mit dem Erfolg als alleinige Geschäftsführerin kam auch die Anerkennung – und zwar in Form von Vertrauen: Immer öfter wurde sie gefragt, ob sie ehrenamtlich einen Posten im Vorstand übernehmen würde. „Die Leute haben Vertrauen in mich, dass ich das kann.“ Dieses Gefühl ist für sie der größte Erfolg ihrer Karriere. Schrempp übernahm von da an zahlreiche Posten als erste Frau, darunter auch das Amt der Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein  und nun, ganz frisch, das Amt der Präsidentin der IHK Südlicher Oberrhein. Womit erstmals eine Frau an der Spitze der IHK steht. In ihre Ehrenämter investiert sie gerne Zeit: „Ich kann in den Sitzungen meine Impulse einbringen. Gleichzeitig nehme ich wieder neue Impulse mit und sehe die Welt auch mal mit anderen Augen.“

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland sagt die Unternehmerin: „Es gibt immer magere und fette Jahre. Da darf man sich nicht ins Boxhorn jagen lassen, wenn’s mal ein Jahr nicht gut geht.“ Sie ist überzeugt, dass es auch wieder bergauf gehen wird und sieht in den Phasen, in denen die Wirtschaft stagniert oder stillsteht, auch eine Chance: „Man muss die Zeit dafür nutzen, sich selbst zu reflektieren und die Prozesse im eigenen Haus zu durchleuchten.“ Den südlichen Oberrhein sieht sie für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Die Region sei durch ihre diversifizierte Wirtschaftsstruktur aus Großindustrie, Mittelstand und Familienunternehmen „gesegnet“: „Diese Struktur, die wir hier haben, bringt uns nach vorne.“

Die Arbeit nimmt einen hohen Stellenwert in Schrempps Leben ein. Abschalten kann die 70-Jährige dennoch gut – am liebsten zusammen mit Freunden beim Grillen im Garten oder beim Golfspielen. Im Urlaub zieht es sie in die Fjorde nach Norwegen oder ins schottische Hochland: „Das Nordische, diese Urgewalten gefallen mir gut.“ Aber ihre Heimat ist und bleibt die Ortenau: „Wenn ich unterwegs bin und heimkomme, dann freue ich mich jedes Mal.“ Die hügelige Landschaft rund um Lahr ist für sie „die Toskana der Ortenau“.

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