Perspektive Zukunft

Ganz normal bio

Riegel Bioweine ist seit mehr als 40 Jahren am Markt und weit mehr als ein Weinimporteur und -großhändler. Das Unternehmen aus Orsingen ist ein Pionier, wenn es um Bio-Weine und Umweltschutz geht.  

von Patrick Merck

Nachhaltigkeit ist ein Prozess

Riegel Bioweine sind schon weit gekommen, wenn es um Klimaschutz geht. Das spiegelt sich nicht nur in Auszeichnungen wie dem Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg 2022, sondern auch in den Aufgaben. Da in den beiden Gebäuden in Orsingen keine fossilen Energieträger mehr zum Einsatz kommen, „ist das dann mal das Ende der Fahnenstange“. Eigentlich, denn Nachhaltigkeit sei ein Prozess. So heißt bei Riegel der nächste Schritt Automatisierung: Sensoren sollen die Lichtsteuerung in den Logistikhallen übernehmen. Nur da, wo ein Mensch unterwegs ist, wäre dann Licht.

Mit gutem Gewissen Bioweine sind bei Riegel die Regel. Dazu gehört natürlich auch der ökologische Anbau, wie hier beim Weingut Andres.

Die Geschichte selbst beginnt in Konstanz: In der Altstadt eröffnet Peter Riegel einen Laden. Da ist er noch Student der Politikwissenschaften. Das Sortiment besteht aus Tee, Wolle, Heilkräutern und Recyclingpapier. Irgendwann ergänzt Wein die Produktpalette. Der Impuls dafür kommt durch ein politisch-soziales Projekt. Der Funke greift. Fünf Jahre später, 1985, gründet Riegel einen Großhandel für Bioweine. Es ist der Startschuss für die Peter Riegel Weinimport GmbH. Erst sind nur Weine aus Europa im Programm, dann aus aller Welt. Der Anspruch ist dabei von Anfang an der gleiche: „100 Prozent Bio aus 100 Prozent Überzeugung“, heißt es in einer Firmenpräsentation.  

„Für uns ist bio normal und keine Ausnahme oder etwas Besonderes“, sagt auch Dieter Hallerbach – „und zwar schon immer“. Er ist einer von rund 100 Mitarbeitern von Riegel Bioweine und seit acht Jahren verantwortlich für die Be48 reiche Logistik und Nachhaltigkeit. Aus diesem Verständnis heraus operiert Riegel: „Es definiert, wie wir Dinge tun, wie wir unsere Logistik- oder Bürogebäude bauen und wie wir versuchen, sowohl mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus als auch in der Lieferkette und bis hin zu den Kunden diese Dinge umzusetzen.“ Seine eigene Rolle definiert Hallerbach, der direkt an Geschäftsführer Felix Riegel berichtet, so: „Ich sehe mich als Berater, Erklärer und jemanden, der Orientierung gibt. Ich möchte, dass verstanden wird, was in diesem Unternehmen gemacht wird.“ 

Von Beginn an klimaorientiert

Der Fokus auf Nachhaltigkeit „ist seit jeher Teil der Unternehmenskultur“. Gelebt worden sei das schon lange vorher. Ein Beispiel: die Logistikhalle in Holzständerbauweise, die anlässlich des Umzugs nach Orsingen entstand. „Das war schon sehr, sehr weitsichtig und aus heutiger Perspektive klimaorientiertes Handeln“, sagt der 61-Jährige. Und etwas Neues. Das Unternehmen sei damals belächelt worden, weiß er. „Aber wir können interessierten Menschen zeigen, dass es geht und dass man damit erfolgreich sein kann.“ 

Der Anteil biologisch bewirtschafteter Weinbauflächen lag laut eines Berichts des Forschungsinstituts für ökologischen Landbau (FiBL) 2024 weltweit bei etwa 7,2 Prozent, in Europa waren es 12,1. Viel Potenzial ist also vorhanden.    

Bereits 2010 wird eine Photovoltaikanlage für die eigene Stromversorgung installiert. Am Firmensitz in Orsingen wird seit 2020 vollständig dekarbonisiert gearbeitet. Biogas, Diesel aus pfl anzlichen Reststoff en und Sonnenenergie sind die wichtigsten Energielieferanten. Dass es „unvermeidbare Emissionen“ gibt, die mit Klimaschutzbeiträgen versehen sind, veröffentlicht das Unternehmen auf der eigenen Website. Für Dieter Hallerbach ist Transparenz ein hohes Gut: „Wenn ich von ökologisch und bio spreche, dann muss ich es belegen können. Ich muss genau diese Aspekte nachweisen.“ Als eines der ersten Unternehmen der Branche wurde Riegel Bioweine nach dem „We Care“Standard zertifiziert.

Das ist ein Grund, warum man bei Riegel Bioweine gelassen auf Ende September 2026 blickt. Denn die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo) soll Verbraucher vor sogenanntem Greenwashing schützen. „Wir freuen uns drauf, weil es eine Marktbereinigung geben wird.“

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