Der Iran-Konflikt trifft Unternehmen am Südlichen Oberrhein spürbar: steigende Kosten, fragile Lieferketten und wachsende Unsicherheit setzen vor allem Industriebranchen unter Druck. Was jetzt entscheidend ist, sagt Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein.

Gibt es aus Ihrer Sicht für die Unternehmen in der Region schon spürbare Folgen – über das Thema Ölpreis hinaus?
„Ja – der Konflikt macht sich auch am Südlichen Oberrhein bemerkbar. Nicht nur über die Energiepreise, sondern vor allem über steigende Transportkosten, längere Wege im Welthandel und wachsende Unsicherheit. Für unsere exportorientierten Unternehmen heißt das: mehr Aufwand, mehr Risiken und weniger Planbarkeit im Tagesgeschäft.“

Sind Ihnen Unternehmen oder Branchen bekannt, die besonders betroffen sind?
„Besonders betroffen sind die industriellen Kerne unserer Region – also Maschinenbau, Automobilzulieferer und Chemie. Diese Unternehmen sind stark international vernetzt. Wenn globale Lieferketten ins Stocken geraten oder sich verteuern, spüren sie das unmittelbar.“
Was rät die Kammer betroffenen Unternehmen aktuell, bzw. wie kann die Kammer helfen?
„Jetzt ist strategische Robustheit gefragt: Lieferketten breiter aufstellen, Abhängigkeiten reduzieren und Energiefragen aktiv managen. Als IHK unterstützen wir mit aktuellen Einschätzungen, individueller Beratung und unserem internationalen Netzwerk. Gerade in solchen Situationen ist es entscheidend, schnell an verlässliche Informationen zu kommen.“
Ist das Thema Iran-Konflikt in den Ausschüssen und Arbeitskreisen der IHK ein Thema?
„Ja, und zwar sehr konkret. In unseren Gremien wird intensiv darüber gesprochen, wie sich Risiken verändern und welche Anpassungen notwendig sind. Es geht weniger um abstrakte Szenarien, sondern um ganz praktische Fragen: Kosten, Lieferfähigkeit und strategische Ausrichtung.“
Wie stark wird sich das Thema Iran-Konflikt inklusive Ölpreisschock auf Konjunktur und Beschäftigung auswirken?
„Der Konflikt ist ein zusätzlicher Belastungsfaktor in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage. Höhere Energie- und Logistikkosten treffen die Unternehmen direkt. Das dämpft Investitionen und kann die konjunkturelle Entwicklung bremsen. Wie stark sich das auf Beschäftigung auswirkt, hängt entscheidend davon ab, wie lange die Unsicherheit anhält.“
Sehen Sie den Iran-Konflikt gegebenenfalls als neuen Treiber für eine weitere Dekarbonisierung hiesiger Unternehmen?
„Der Konflikt zeigt einmal mehr: Energieabhängigkeit ist auch ein wirtschaftliches Risiko. Viele Unternehmen am Südlichen Oberrhein sind bereits auf dem Weg in Richtung mehr Effizienz und erneuerbare Energien. Die aktuelle Lage dürfte diesen Prozess eher beschleunigen als bremsen.“
