Immer wieder erstaunlich, was bei uns im Südwesten seinen Ursprung hat. Dieses Mal geht es um die Erfindung des Skilifts vor über 100 Jahren – und dessen originalgetreue Rekonstruktion.
Wer heute im Schwarzwald auf frisch gewalzten Pisten seine Schwünge zieht, ahnt wohl kaum, dass hier einst Skigeschichte geschrieben wurde. Am Schneckenhof in Schollach konstruierte der Gastwirt Robert Winterhalder den weltweit ersten funktionstüchtigen Skilift – 280 Meter lang, mit Wasserkraft betrieben und seiner Zeit weit voraus. Denn Skifahren galt anno dazumal noch nicht als Hobby, sondern war schlicht ein Fortbewegungsmittel im Winter.
Der Erste Weltkrieg und die Materialknappheit setzten Winterhalters Liften bald ein Ende. Der Erfinder starb 1932, ohne je vom späteren weltweiten Erfolg seiner vielfach kopierten Idee zu profitieren. Jetzt aber soll seine Geschichte weitergeschrieben werden: Enthusiasten rund um das Schwarzwälder Skimuseum Hinterzarten planen die originalgetreue Rekonstruktion des Ur-Lifts. „Die Zukunft unserer Skiregion liegt in ihren traditionellen Wurzeln“, sagt Ideengeber und Skischulbetreiber Gundi Thoma, der nicht müde wird zu betonen, dass eben der Schwarzwald „die Wiege des Skisports“ sei und man von hier aus die ganze Welt inspirierte. Historiker und Projektleiter Roland Weis ergänzt: „Wir sind mit etlichen Sponsoren im Gespräch, die das Projekt großzügig finanziell unterstützen wollen.“ Das Projekt hat drei denkbare Varianten: vom reinen Schaubetrieb für rund 300 000 Euro über einen vollwertigen Winterbetrieb samt Skiverleih (etwa eine Million Euro) bis zur großen Ganzjahresattraktion für etwa 1,8 Millionen Euro.
In den Startlöchern
Für die technische Umsetzung steht bereits ein erfahrener Kopf bereit: Ingenieur Peter Bläsi aus Waldau, früher Konstrukteur bei Mack-Rides, einer Firma, die weltweit Freizeit- und Erlebnisbahnen baut. Offen indes ist noch die Standortfrage. Die soll beantwortet werden, sobald sich genügend Sponsoren gefunden haben. Ein möglicher Standort sticht allerdings schon heraus – der Feldberg. Denn in Winterhalders Nachlass fand sich eine Zeichnung aus dem Jahr 1910, die genau dort den Bau eines Schlepplifts vorsah. Bemerkenswert: Die Skizze zeigt den Lift dort, wo später der Sessellift errichtet wurde. Warum das Projekt damals scheiterte, bleibt ein kleines Mysterium. Und gerade dieses ungelöste Kapitel macht den Charme des heutigen Vorhabens aus. Denn es verbindet Pioniergeist und Geschichte mit einer klaren Vision für die Zukunft.
Während viele Alpenregionen im Zeichen des Klimawandels in einen teuren Wettlauf um immer spektakulärere Infrastruktur geraten, setzt das Schwarzwälder Projekt bewusst auf das Gegenteil: Authentizität, Ursprünglichkeit und den Mut, Traditionen weiterzuerzählen. Und so könnte die Rekonstruktion des ersten Skilifts nicht nur eine museale Attraktion werden, sondern ein lebendiges Stück Identität. Ein Ort, der Winterhalders genialer Idee endlich die Bühne gibt, die sie verdient. Daniela Santo
