Anja Schröder tauschte einst ihren Bankjob gegen das Töpferhandwerk. Seither schafft sie für sich und ihre Kunden Alltags-Glück durch schöne Dinge und echte Begegnungen.

Für Anja Schröder ist Keramik weit mehr als nur Teller, Becher, Schalen und Vasen. Sondern Alltags-Glück. Sie halte nicht viel davon, immer auf die großen Ereignisse wie den nächsten Urlaub zu warten. Menschen bräuchten auch kleine, schöne Dinge im Alltag, sagt sie. Und diese zu erschaffen, sei ihr Antrieb. Vor etwa 15 Jahren zog Schröder deswegen unter den Zahlen ihres Bankkauffrau-Jobs einen Schlussstrich und machte sich mit Lärchenwerk Keramik selbstständig. Auch weil die Selbstständigkeit gut mit der Familie vereinbar war. Zuvor hatte sie sich lange im Töpferhandwerk fortgebildet. Sie stellte sich eine Drehscheibe ins Souterrain des Familienheims in Steinen bei Lörrach und einen Brennofen in die Garage. Und fand Erfüllung.
„Ich würde sagen, Sinnhaftigkeit, Schönheit und Verbundenheit sind drei Dinge, die wir in unserer digitalisierten Welt nicht ersetzen können. Und alle drei verbinde ich mit meiner kleinen Selbstständigkeit.“ Die Keramikerin sagt: „Ich möchte genau das fördern: dass wir uns begegnen, dass die Menschen die Produkte anfassen können, dass wir uns ins Gesicht gucken. Ich glaube, diese Dinge sind nicht ersetzbar und werden in Zukunft ein großer Skill sein.“ Ihre Produkte verkauft sie deshalb hauptsächlich auf Kunsthandwerkermärkten oder in ihrer Werkstatt. Eben da, wo sie mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht ins Gespräch kommen kann. Denn danach ist die Sehnsucht der Menschen groß, ist ihr Eindruck, in einem Alltag, der sich für viele immer mehr isoliert vor dem Bildschirm abspielt.
Noch vor ein paar Jahren hatte die Keramik ein angestaubtes und biederes Image. Inzwischen aber ist Steinzeug über alle Altersgruppen hinweg ziemlich angesagt. Vielleicht, weil der Trend zum Weniger-ist-mehr geht, überlegt Schröder: weniger industriell hergestellte Perfektion, mehr Individualität und Nachhaltigkeit (sogar spülmaschinenfest). „Man kauft nicht mehr das 24-teilige Service, man kauft sich die Lieblingstasse.“ Und noch eine und noch eine, auch wenn am Ende kein Teil im Schrank dem anderen gleicht.

Durch das Töpfern hat Anja Schröder die Kreativität entdeckt, die in ihr steckt. Und noch mehr. „Ich habe wahrscheinlich die größte Frustrationstoleranz gelernt beim Üben.“ Und sie lernte Gelassenheit. Keramik herzustellen ist aufwendig und mit mindestens vier Wochen Dauer pro Gefäß langwierig. „Man kann das kaum beschleunigen und das ist gar nicht so leicht auszuhalten.“ Weder für sie noch für ihre Kunden. Das betrifft das Drehen („Je schneller ich werde, desto schlechter klappt‘s“) genauso wie das Trocknen. Will man diesen Prozess verkürzen, rächt sich das im allerletzten Schritt. Ein Spannungsriss, weil der Ton noch zu feucht für den Brennofen war. „Ja, man braucht Geduld.“
Schröder hat sich auch bewusst gegen ein eigenes Geschäft und für das Arbeiten im Homeoffice entschieden. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die Flexibilität und die geringen Fixkosten sind Vorteile. Andererseits sind die Expansionsmöglichkeiten in ihrer kleinen Werkstatt zwischen Regalen voller Keramik begrenzt. Obwohl sie, dank des Keramik-Hypes, viel mehr herstellen könnte. Doch momentan ist sie zufrieden, wie es ist. Mit teils Zwölf-Stunden-Tagen in der Zeit vor Weihnachten und Zeiten im Sommer, wo sie auch mal drei Wochen gar nicht in der Werkstatt arbeitet. Sie mag diese Freiheit. Aber eine kleine Expansion steht im kommenden Jahr dann doch an: Schröder bietet erstmals Keramik-Glasurkurse an. S. Ehmann
