Der Krieg im Nahen Osten wirkt bis zur Tankstelle vor der Haustür: Die Preise steigen, die Märkte reagieren nervös. Dominik Bucher vom Energiedienstleister Bürk-Kauffmann erklärt, warum vor allem die Kosten derzeit zur Herausforderung werden – und wie sicher die Versorgung ist.

Der Krieg in Nahost zeigt sich auch an der Tankstelle um die Ecke. Die Preise steigen, es stellen sich Fragen über den Stand der Versorgungssicherheit. Für Dominik Bucher, Geschäftsführer des Energiedienstleisters Bürk-Kauffmann, sind es herausfordernde Zeiten.
Bürk-Kauffmann betreibt in Villingen-Schwenningen ein großes Tanklager für Treibstoffe. Von hier aus werden Gewerbe- und Industriefirmen, Speditionen und landwirtschaftliche Betriebe mit Diesel und Schmierstoffen beliefert. „Als mittelständisches, regional verwurzeltes Unternehmen verstehen wir uns als Teil der kritischen Versorgungsinfrastruktur“, sagt Bucher über die Rolle des 1897 gegründeten Unternehmens.
Die vergangenen Tage seien aus Händlersicht ausgesprochen dynamisch gewesen, fasst es der Geschäftsführer zusammen: „Der internationale Rohölmarkt reagiert sehr sensibel auf geopolitische Entwicklungen, Förderentscheidungen großer Produzentenländer, globale Nachfrageprognosen, Raffineriekapazitäten und nicht zuletzt auf Wechselkursbewegungen zwischen Euro und US-Dollar.“ Da Rohöl weltweit in Dollar gehandelt werde, schlagen Währungsschwankungen direkt auf die Preise.
„Wir haben innerhalb weniger Tage deutliche Preisaufschläge im Großhandel gesehen“, erläutert Bucher. Zwar sei Volatilität im Energiemarkt nichts Ungewöhnliches – doch die Geschwindigkeit, mit der sich Preisbewegungen inzwischen durch die gesamte Lieferkette fortpflanzen, habe es vorher so nicht gegeben. „Digitale Handelsplattformen und eine hohe Markttransparenz führen dazu, dass Preissignale nahezu in Echtzeit weitergegeben werden.“

Versorgung ist nicht gefährdet
Aktuell sieht Bucher keine flächendeckenden Lieferengpässe: „Die logistische Versorgung funktioniert.“ Die Lieferketten sind europäisch vernetzt. Bürk-Kauffmann arbeite mit etablierten Partnern, verfügt über eigene Lagerkapazitäten und einen Bahnanschluss, um flexibel reagieren zu können. „Die Herausforderung liegt weniger in der physischen Verfügbarkeit als im Preisniveau und in der Marktunsicherheit“, formuliert es Bucher.
Auswirkungen auf Unternehmen und Haushalte
Für Unternehmen bedeute die aktuelle Situation vor allem höhere und schwer kalkulierbare Energiekosten. Gerade energieintensive Betriebe spüren das unmittelbar in ihrer Kostenstruktur. Buchers Ratschlag: „Hier empfehlen wir eine strategische Beschaffung – beispielsweise durch Teilmengenabsicherung, um Preisspitzen abzufedern und Planungssicherheit zu erhöhen.“
Für private Haushalte sei so eine Situation emotional oft belastend, weil Heizölpreise direkt im Geldbeutel spürbar sind. Auch rät Bucher zu Besonnenheit: Man solle nicht ausschließlich auf den perfekten Tiefstpreis zu spekulieren, sondern den eigenen Bedarf im Blick zu behalten. „Wer frühzeitig plant, reduziert das Risiko, in einer kurzfristigen Hochpreisphase kaufen zu müssen.“
Vorfinanzierung wird höher
Für Bürk-Kauffmann ist die Lage mit Mehraufwand verbunden: Mit den höheren Marktpreisen steigen die Vorfinanzierungskosten. Und zwar erheblich, wie Bucher betont: „Jede Tankfüllung im Lager bindet mehr Kapital.“ Gleichzeitig nehme der Beratungsbedarf stark zu. Man stehe in einem Spannungsfeld zwischen internationalem Großhandelsmarkt und regionalem Endkunden. „Preisbewegungen entstehen nicht auf regionaler Ebene, sondern an den globalen Rohstoffbörsen und durch politische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen.“
Blick nach vorn
„Unsere Hoffnung ist eine Beruhigung der geopolitischen Lage und damit eine Stabilisierung der Märkte“, sagt Bucher. Aber kurzfristig müsse weiterhin mit Schwankungen gerechnet werden. Das liegt an der komplexen Gesamtsituation: „Zu viele Faktoren – geopolitische Spannungen, Förderpolitik, globale Konjunkturentwicklung – beeinflussen derzeit den Markt gleichzeitig. Mittel- bis langfristig wird entscheidend sein, wie sich Angebot und Nachfrage weltweit austarieren und wie stabil das politische Umfeld bleibt. Patrick Merck
