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Ausgabe 01/2026
Start-up Storys
Investor Tim Schumacher

Warum Deutschland ein Hotspot für Climate-Tech-Start-ups ist

Tim Schumacher ist so etwas wie Freiburgs Antwort auf Peter Thiel, nur eben in nett: Beseelt von grünen Ideen und schwarzen Zahlen macht er aus kleinen Start-ups große Namen…

Das nächste Unicorn könnte in Furtwangen zu finden sein. In Konstanz oder Rottweil. Geniale Gründer gibt es im ganzen Land – aber damit aus einer Idee auch etwas Großes wird, braucht es Männer wie Frank Thelen, Carsten Maschmeyer, Oliver Samwer – oder den aus Freiburg stammenden Tim Schumacher und dessen Venture Capital.
Schumacher ist in den 2000er-Jahren zu Geld gekommen. Mit dem Domain-Broker Sedo, mit den Adblockern von Eyeo – inzwischen hat er den World Fund aufgelegt und beteiligt sich an Europas spannendsten Climate-Tech-Gründungen. Gerade Deutschland werde „derzeit völlig unterbewertet“, sagt Schumacher. An Ideen mangelt es nicht, an klugen Köpfen auch nicht und Geld – das kann man auftreiben.
Mit dem World Fund ist Schumacher an 25 Start-ups beteiligt. Eins ist schon mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet, eins ist krachend gescheitert, fünf dürften sich als Weltmarktführer etablieren. Und hinter all dem steckt ein Freiburger Bobbele mit einem 20-köpfigen Team, das er von Köln aus führt. Mit 300 Millionen Euro Assets under Management ist der Finanz-Schumi in Europa gut dabei. Die Lakestar-Fonds des Schweizer Milliardärs Klaus Hommels (Skype, Spotify, Getyourguide, Airbnb und Hometogo) sind 250 bis 420 Millionen schwer. Der Münchner Geldgeber HV Capital (früher Holtzbrinck und maßgeblich beteiligt an Zalando, Delivery, Flixbus, Sumup und Westwing) hat zuletzt einen Fonds mit 710 Millionen aufgelegt.

 

Ausgezeichnet vernetzt: Tim Schumacher im Eyeo-Büro mit Maik Heuser von RTL ...

„Öko allein – das zieht nicht mehr“
„Unser Land gibt jedes Jahr 80 Milliarden Euro für fossile Brennstoffe aus – und das meiste davon fließt in Schurkenstaaten“, sagt Schumacher und macht klar, warum er sich mit dem World Fund auf Climate-Tech fokussiert hat und 2026 einen zweiten Fonds auflegen will. Ähnlicher Fokus. Noch mal 500 Millionen, denn es gibt viele gute Ideen.
Allerdings: Öko allein – das zieht nicht mehr. „Auch wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet“, sagt Schumacher. „Wir investieren daher nur in Klimatechnologie, die du auch einem Klimaleugner verkaufen könntest.“ Grüne Ideen und schwarze Zahlen, umweht von Themen wie Autarkie und Resilienz, basierend auf KI-Technologie, Superrechnern und Ressourceneffizienz: Das hat Konjunktur. Im Portfolio finden sich daher Perlen wie IQM, die heute schon mehr Quanten-Computer verkaufen als IBM. Oder auch Cylib, Europas führender Recycler von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos. Diese Akkus müssen in der EU ab 2027 recycelt werden. Cylib eröffnet sich damit ein riesiger Markt – um den erbittert gekämpft wird. Einer der größten Wettbewerber: die US-Firma Redwood Materials. Vergleichbare Technologie – aber schon mit acht Milliarden Euro bewertet und damit im Besitz einer deutlich praller gefüllten Kriegskasse.

Jedes Jahr klopfen 3000 Gründer an
Dass die Amerikaner mit Wagniskapital nur so zugeschüttet werden und sich mit genug Geld oft auch die zweitbeste Idee durchsetzt – das stimmt, sagt Schumacher. Während in den USA auch Pensionsfonds und Rentenversicherer in Venture Capital investieren (und häufig Renditen um 20 Prozent erzielen), geht Europa auf Nummer sicher und investiert fast ausschließlich in Immobilien und Staatsanleihen. „Das ist der große Fehler im System“, sagt Schumacher.
Aber wie steht es um Gründergeist und Aufbruchsstimmung in good old Europe? „Wir hätten mit dem World Fund auch in 100 hervorragende Start-ups investieren können – und das trotz der Konzentration auf Climate-Tech“, sagt Schumacher. Pro Jahr melden sich inzwischen 3000 Gründer beim World Fund. Manche sind zu klein, manche schon zu groß, andere passen nicht ins Raster – aber vielversprechend sind sehr viele. „Es ist beeindruckend, was aus der Spitzenforschung kommt“, sagt Schumacher, der Europa hier nach wie vor an der Weltspitze sieht. Vor den USA und vor China. „Europa ist so reich an Ideen und bringt so kluge Köpfe hervor – herausfordernd ist nur die Skalierung.“ Manchmal mangele es an Mut zur Selbstständigkeit, dann wieder verhindere zu viel Genügsamkeit, dass eine Idee wirklich groß wird. Schumacher und sein Team können dabei nur bedingt helfen. „Wir mischen uns nie ins Tagesgeschäft ein“, sagt er. „Auch wenn es einem oft regelrecht in den Fingern juckt.“

 

.... und mit dem Preis für den Best Impact Investor, vergeben von der KfW an ihn und sein Team Fotos: privat/Tim Schumacher

Von Superkräften und blinden Flecken
Also kümmert sich Schumacher um andere Dinge: Anschlussfinanzierungen, Fördermittel und darum, die Führungsteams zu komplettieren. „Jeder Gründer hat eine Super-Power – aber immer auch blinde Flecken. Die erkennen wir und stellen einem chaotischen Genie einen Chief Operating Officer oder einen Spezialisten für den Vertrieb an die Seite. Wichtig dabei: Der darf nicht von einem Konzern kommen, sondern aus dem Mittelstand, wo man es gewöhnt ist, selbst was anzupacken.“
Klingt alles nach großer weiter Welt – aber im Herzen ist Schumacher noch immer ein Bobbele – er liebt Freiburgs schnucklige Innenstadt, die kleinen Cafés in der Gerberau und die warme Wintersonne, die zu Trottoir-Plätzen verführt. Nur ein paar Blocks weiter arbeiten die Entwickler von Black Forest Labs, Deutschland wertvollstem Start-up und hier irgendwo hat auch Tims unternehmerischer Weg einst angefangen – vor 30 Jahren, mit gerade 17. Nebenbei hat er damals mit Freunden den SC Freiburg Fußball-Manager programmiert. Ein Computerspiel, bei dem man mit ein bisschen Glück den VfB mit 6:0 aus dem Dreisamstadion schießen konnte. Damit verdienten Tim und seine Kumpels ihr erstes Geld, denn bald gab es auch Versionen mit Bayern, dem BVB oder dem HSV, obwohl die Reaktion der Fachwelt verhalten war: Nur einen von fünf Sternen vergab das Magazin PC Player für das Spiel auf Disketten – weil nach der Meisterschaft der Rechner abstürzte…
Aber: Das Spiel öffnete Türen und weil sich Tim sein BWL-Studium mit dem Programmieren von Webseiten verdiente, entstand 1999 die Idee zu Sedo, einer Handelsplattform für Internet-Adressen. Eigentlich die Lizenz zum Gelddrucken, aber das Timing war mies. In den USA platzte die Dot-Com-Blase, in Deutschland brach der Neue Markt zusammen und Tim musste fast froh sein, dass er für 400 000 Euro 40 Prozent von Sedo an den damaligen 1&1-Chef Andreas Gauger verkaufen konnte. „Aus heutiger Sicht ein lächerlich günstiger Betrag“, sagt Schumacher. „Aber für die damaligen Verhältnisse ganz okay.“ Außerdem ging es mit United Internet in neue Sphären. Sedo wurde weltweit aktiv, verkaufte mehrere tausend Domains im Monat und Schumacher ging für einige Jahre als Manager in die USA – als Boss über mehr als 350 Mitarbeiter.
2012 stieg Schumacher aus, wollte wieder Gründer sein, noch mal etwas Neues aufbauen – und avancierte mit Wladimir Palant und Till Faida als Entwickler von Adblockern zum Erzfeind deutscher Medienhäuser. Burda, Springer, der Spiegel – alle lebten damals online von Werbebannern. Und die verschwanden, wenn man einen Adblocker einsetzte. Genau damit ging Eyeo durch die Decke. Schnell war man bei 100 Millionen aktiven Nutzern, kassierte eine Art digitale Maut von so genannten Acceptable Ads (was nicht unumstritten war) und strich von jedem Euro Umsatz satte 50 Prozent als Gewinn ein. Eine Gelddruckmaschine – aber eine, die man immer wieder vor Gericht verteidigen musste.
Mit dem World Fund ist das anders. Kein Ärger mehr, keine Hausdurchsuchungen, keine Gerichtsverhandlungen. Von der Politik wie den Medien gibt es Wohlwollen und Zuspruch. Also alles eitel Sonnenschein? Fast. Denn auch Schumacher macht sich als Papa von zwei Jungen (13 und 17) so seine Gedanken zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Allen Herausforderungen zum Trotz bleibt er optimistisch: „Deutschland ist derzeit völlig underrated“, sagt er. „Wir erleben gerade, wie sich ausländische Unternehmer für kleines Geld einkaufen und geben zu viele kommende Weltmarktführer zu früh ab. Wenn wir da gegensteuern, wird sich das lohnen!“ Ulf Tietge

Schumachers World Fund

Tim Schumachers Wagniskapital-Beteiligungsgesellschaft World Fund ist unter anderem beteiligt am Food-Tech-Unternehmen Planet A Foods, am Weltraumunternehmen Space Forge, am Pilzprotein-Hersteller Enough, am Batteriezellenfertiger Customcells und dem Solardachanbieter Sunroof.

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