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Ausgabe 01/2026
Start-up Storys
BlackVRst Private Equity

Volksbank Lahr investiert in Fintechs und Start-ups

In Lahr sucht eine Volksbank-Tochter nach einer neuen Zukunft für die genossenschaftliche Bankengruppe und investiert dafür in ihre ärgsten Wettbewerber. Ist das ein Aufbruch, ein Ausbruch oder einfach nur das Echo der Erfolge von gestern?

Keine Angst anzuecken: Johannes Weide, der Chef von BlackVRst Equity, der wilden Tochter der Volksbank Lahr Foto: Paul Wagner

Vor Deutschlands Volksbanken und ihrer genossenschaftlichen Idee verneigen sich sogar die Vereinten Nationen. „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ ist inzwischen Welterbe und steht auf der Liste der größten Errungenschaften der Menschheit irgendwo zwischen den Pyramiden von Gizeh und den Märchenschlössern von König Ludwig II.
Nur bockt das junge Kunden nicht mehr. Oder besser: nicht mehr so wie früher. Die Markt­anteile von Volksbanken wie Sparkassen bei Kunden unter 30 befinden sich teilweise im freien Fall. Neo-Broker wie Trade Republic, Neo-Banken wie Qonto, N26 oder Revolut und eine Vielzahl von Fin-Techs und Insure-Techs graben den Genossen das Wasser ab. Dazu Apple Pay statt Girokarte, Paypal statt Wero und ETF statt Lebensversicherung. Deutschlands erfolgsverwöhnte Regionalbanken können all das dank der über Jahrzehnte thesaurierten Gewinne noch gut abwettern – aber die heile Welt von gestern kriegt immer mehr Risse. Immer lauter muss man um neue Mitglieder werben, sieht immer mehr Rentner bei Vertreterversammlungen oder liest von mitunter hastig verabredeten Fusionen. Und der Verband? Der schweigt. Eine Interviewanfrage der Wirtschaft im Südwesten liegt seit einem Jahr unbeantwortet beim Genoverband in Stuttgart.

Die jungen Wilden Luis Weber (li.) und Marc Karkossa haben Dyno 2021 gegründet und bringen erfolgreich das Prinzip der Neobroker in die betriebliche Altersvorsorge.

Umdenken in der Ortenau
Also bleibt alles beim Alten? Mitnichten. Ausgerechnet in Südbaden gibt es eine Art Rebellenhochburg. Eine disruptiv denkende Volksbank, die nicht den Kopf in den Sand steckt und einfach abwartet, was in den nächsten Jahren halt so passiert. Handlungsdruck? Nicht mehr als anderswo, ganz im Gegenteil. Wie viele andere badische Volksbanken gilt auch die Volksbank Lahr bundesweit als Benchmark und Best-Practice-Beispiel. Doch gerade diese Musterbänker machen nun gemeinsame Sache mit ihren ärgsten Wettbewerbern und investieren in Fintechs. Denn diese neuen Wettbewerber sind „die Zukunft der Finanzbranche“, sagt ausgerechnet einer der progressivsten Banker in der Genoszene, der Lahrer Investmentbanker Johannes Weide.
Weide ist ein Eigengewächs der Volksbank. Klassische Ausbildung, einer von nebenan. Einer, mit dem man angeln geht, mit dem man beim Handball die Halle zum Beben bringen kann und der nach seiner Lehre raus in die Welt ist. Hongkong. Nicht zum Spaß, sondern zum Schaffen. Und um Neues zu lernen. Das ist ein paar Jahre her, aber geblieben ist ein Mindset: das Bestreben, groß zu denken. Nicht alles wie immer zu machen, sondern neue Wege zu suchen – auch wenn man dabei aneckt.
Johannes Weide hat seinen Vorstand davon überzeugt, dass die Zeit reif ist für eine Neuinterpretation von genossenschaftlichem Banking. Jenseits von Sparschwein und Schalterzeiten, Basel III und Bausparvertrag kann man sich ja auch mal Gedanken über Venture Capital und mezzanine Finanzierung machen, über Early-Stage-Investitionen und die Welt der Start-ups.

Seither hat die Volksbank Lahr ein ganzes Netzwerk neuer Tochtergesellschaften, darunter die BlackVRst Capital Management (BCM) und die BlackVRst Equity GmbH. Bei der BCM sammeln Weide und sein Team für nette Projekte von nebenan Geld wie ein Fundraiser mit fairer Verzinsung. Das ist gut für die Region, rentiert sich für die Anleger und ermöglicht es, Projekte umzusetzen, die Herz und Hirn erfreuen. Auf diese Weise beschafft man Eigenkapital für Windräder, finanziert Solardächer auf Vereinsheimen, ermöglicht den Bau eines Pflegeheims oder hilft bei der Finanzierung eines Nahversorgers im Schwarzwald. Alles sehr nett.

Fabian Sasse (l.) und Lukas Weiser wollen mit Hypofy dagegen die Immobilienbranche aufmischen. Für klassische Banken ist beides eine Herausforderung – aber genau deshalb investiert BlackVRst Equity in Start-ups wie diese . Fotos: Hypofy, Dyno

Unterwegs in der Höhle der Löwen
Mit der BlackVRst Private Equity geht Weide noch einen Schritt weiter. Fünf Millionen Euro hat ihm die Bank anvertraut – und Weide hat sich damit in die Fintech-Szene gesneakt. Sehr früh hat man sich an Fintech-Perlen wie Nao und Anytax (Berlin), am Dyno (Offenburg), Hypofy und Onino (Karlsruhe) sowie Beatvest beteiligt. 100 000 Euro hier, 100 000 Euro da – alles keine gigantischen Beträge. Und doch dürfte Weide aus den ihm anvertrauten fünf Mi-
llionen Euro inzwischen mehr als zehn gemacht haben. Alles andere wäre „ein Flop“, sagt er.
Allein das Investment in Dyno wäre eine Geschichte für sich. Dem kleinen Offenburger Start-up mit seinen zwei Handvoll Mitarbeitern wird nachgesagt, im vergangenen Jahr mehr Neuverträge in Sachen Betrieblicher Altersvorsorge abgeschlossen zu haben als die gesamte genossenschaftliche Bankengruppe zusammen. Das USP: der Verzicht auf üppige Provisionen. Damit sägt man am Ast, auf dem die Banker sitzen, aber Weide und seine Robin-Hood-Combo stören sich daran nicht. Im Gegenteil: Sie haben Dynos Erfolg erst möglich gemacht, denn zwischenzeitlich wäre den Gründern fast die Luft ausgegangen…
Und doch: Was Johannes Weide und sein Team machen, ist wie ein Tropfen auf heißem Stein. So clever kann man fünf Millionen Euro gar nicht investieren, dass man damit die Zukunft von 650 Volksbanken und mehr als 180 000 Beschäftigten retten könnte. Angesichts von rapide nachlassenden Marktanteilen bei jungen Kunden (Weide: „Die Erkenntnis haben alle“) könnte man denken, dass sich die eine oder andere Volksbank schon dem Lahrer Fintech-Fonds angeschlossen hätte – aber dem ist nicht so. Weder beteiligen sich andere Volksbanken am Lahrer Konstrukt, noch gibt es Nachahmer. Nicht einmal eine handvoll professioneller PE-Gesellschaften gibt es bei Deutschlands Regionalbanken. Der Primus hier: die Berliner Volksbank. Und dann kommen schon die Schwarzwälder… Das sagt eine Menge aus über die Risikoaffinität von stets auf Sicherheit geeichten Geno-Bankern. Aus denen macht man eben nicht so einfach eine holistisch denkende Version vom Wolf of Wallstreet.
Also doch ein Flop? „Ich sehe uns eher als Testballon, mit dem wir den Proof of Concept hingelegt haben“, sagt Johannes Weide. „Wenn wir eine Private-Equity-Firma mit nur fünf Millionen aufziehen können und rentabel betreiben, was wäre dann erst mit 20 Millionen möglich?“

Das nächste große Ding…
Hinzu kommt noch ein bisschen Silicon-Valley-Mindset. „Uns geht es bei all diesen Dingen nicht nur um Geld“, sagt Johannes Weide irgendwann. „Wir gewinnen noch etwas viel Wertvolleres und das sind Erkenntnisse über die Zukunft.“ Welche Möglichkeiten kommen morgen auf den Markt? Wie wird das mit den Firmenkunden, wenn Qonto und Revolut erst ernst machen? „Die wenigsten Start-ups haben ihr Konto noch bei einer Sparkasse oder Volksbank“, sagt dazu Weide, der als bestens verdrahteter Netzwerker und guter Stratege gilt. Einer, der Kontakte herstellt, der Rat weiß, der immer ein offenes Ohr hat und das Gras wachsen hört. Und einer, der jetzt mit den Sevdesk-Gründern Fabian Silberer und Marco Reinbold nach deren Millionen-Exit das nächste große Ding aufzieht: Mit dem Fairspace-Projekt versucht man sich an der Quadratur des Kreises in der Baubranche und verspricht Neubau-Wohnungen für 9,54 Euro Miete je Quadratmeter. 100 neue Wohnungen will man im ersten Schritt realisieren und hat sich dafür durch einen Riesenwust an Förderbürokratie gekämpft. Dahinter aber steckt dann doch irgendwie wieder dieser genossenschaftliche Gedanke: Was einer allein nicht schafft – das schafft man gemeinsam. Ulf Tietge

Genossenschaftliche Rebellen

Mehr über die BlackVRst-Gruppe und die unkonventionellen
Volksbänker aus Lahr findet sich auf deren Website.

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