Agri-PV bringt die Energiewende auf die Felder. Das Freiburger Start-up Diveo macht aus einer Fraunhofer-Idee ein Geschäftsmodell und bringt Solarbauern und Investoren zusammen.

Alles begann um 7.30 Uhr in einem Café in der Freiburger Innenstadt. Kai Klapdor traf dort einen der Photovoltaik-Forscher vom Fraunhofer-Institut und stellte ihm eine Frage, die fortan sein Berufsleben bestimmen sollte. „Warum gibt es nicht mehr solcher Anlagen?“ Klapdor meinte Agri-PV-Anlagen, die im Unterschied zu Solarmodulen auf Kuhställen oder Hühnerfarmen das Sonnenlicht inmitten von Obstbaumkulturen oder auf Weiden einfangen. „Ich hatte eine Dokumentation über eine der ersten Anlagen gesehen und war sofort neugierig.“
Aus dem Labor in die Praxis
2023 ging Diveo als Spin-off aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hervor – mit dem Ziel, aus der Idee ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell zu machen. Das Team: der frühere Enit-Gründer Klapdor, dazu Oliver Hörnle, Niklas Kreifels und Jannis Rapp.

Diveo versteht sich als Projektentwickler für sogenannte Co-Location-Projekte. Das heißt: Stromerzeugung und Speicherung entstehen gemeinsam an einem Standort. Diveo sorgt für Netzzugang, Baurecht, Planung und Umsetzung – bis zur Inbetriebnahme. Ein Unterschied zu vielen Wettbewerbern: „Wir sind sehr viel auf den Höfen“, sagt Klapdor. Gespräche finden oft am Mittagstisch der Familien statt. Bevor es konkret um Solarmodule geht, stehen Fruchtfolgen und Bearbeitungsbreiten im Fokus. Ziel ist es, Landwirtschaft weiterhin sinnvoll zu ermöglichen. Der Einsatz von Agri-PV ist dabei klar geregelt: Mindestens zwei Drittel der landwirtschaftlichen Erträge müssen erhalten bleiben. Hier fließt das wissenschaftliche Know-how des Fraunhofer ISE ein – angepasst an Standort, Kulturen und Anlagentyp.
So groß wie 20 Fußballfelder
Die Projekte entstehen deutschlandweit, vorwiegend auf Grünland und Ackerflächen, aber auch über Apfel- oder Heidelbeerplantagen. „Grundsätzlich gibt es dabei keine Einschränkungen, von Kartoffeln über Obst bis hin zu Mais.“ Allerdings gehe es immer um Bewirtschaftungsbreiten. Sind diese für den Traktor zu eng, macht es für die Landwirte keinen Sinn.
Eine Anlage umfasst im Schnitt rund zehn Hektar – das sind etwa 20 Fußballfelder. Erst ab dieser Größe lohnen sich Netzanbindung, Technik und Speicher. Ein weiterer Kernpunkt ist die Beteiligung der Landwirte. Klassische Pachtmodelle hält Klapdor für nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen setzt Diveo auf eine Kombination aus fixer Pacht und Erlösbeteiligung – ohne eigenes Investitionsrisiko für die Höfe. Finanziert werden die Anlagen durch Diveo selbst oder ausgewählte Investoren, meist große Energieversorger.
Das Freiburger Start-up beschäftigt aktuell acht Mitarbeiter. Der Umsatz wächst: vom vierstelligen Bereich im Gründungsjahr über fünfstellig im Folgejahr bis hin zu sechsstellig 2025. Bis Ende 2027 will Diveo Projekte mit über 100 Megawatt Erzeugungs- und Speicherleistung zur Baureife bringen. Daniela Santo
Diveo
Gründer: Kai Klapdor, Oliver Hörnle,
Niklas Kreifels, Jannis Rapp
Gründung: 2023 in Freiburg
Branche: Energie/Agrar
Webseite: diveo-energy.com
