Das Freiburger Gründerzentrum Grünhof bietet Co-Working mit Stil und hilft Green-Tech-Start-ups beim Wachsen. Das kommt so gut an, dass gern ein neuer Standort her darf…
Zwischen den historischen Mauern Freiburgs weht frischer Wind. Damit ist aber nicht der Höllentäler gemeint, sondern ein warmer Gründergeist, der eine Lokhalle am alten Güterbahnhof durchzieht: zwei Lagen Schiffscontainer sind hier aufeinandergestapelt und zu Büros umfunktioniert. Viel Metall und Glas, dazu Grünpflanzen und Designermöbel. Dieses Gründerzentrum Grünhof ist Heimat von Start-ups, Freelancern und Remote-Workern, die sich hier einmieten.
Der Grünhof ist kein reiner Arbeitsplatz, sondern ein Ort mit Mehrwert, an dem man sich fachlich austauschen, gegenseitig inspirieren und voranbringen kann – und sei es auch nur für Abwechslung im Homeoffice-Alltag und einen Plausch an der Kaffeemaschine. Das ist viel wert, vor allem wenn das eigene Team kilometerweit weg ist. Die ein oder anderen Freelancer haben sich aus dem Grünhof heraus auch schon zu einem Business zusammengetan.
Und das alles auf stylisch. Industrie-Chic im Kreativpark Lokhalle – lässige Gemütlichkeit derweil rund drei Kilometer entfernt am zweiten Grünhof-Standort im obersten Stock eines Geschäftshauses am Augustinerplatz in der Altstadt. Draußen kopfsteinbepflasterte Fußgängerzone, kleine Geschäfte und Cafés, bummelnde Menschen. Drinnen viel Teppich, Polster, Designermöbel, Menschen vor Bildschirmen und konzentrierte Stille.

250 Arbeitsplätze für 600 Menschen
Die beiden Grünhof-Standorte bieten zusammengenommen rund 3000 Quadratmeter Raum für Teambüros, fixe und flexible Arbeitsplätze, Besprechungs- und Eventräume und nicht zuletzt für Pause und Feierabend.
600 Menschen nutzen die 250 Arbeitsplätze, was deswegen funktioniert, weil die meisten nicht täglich da sind. Und eine Riesenzahl, wenn man bedenkt, dass der Grünhof 2013 mit etwa 23 Arbeitsplätzen in einem ausgemusterten Traditionsgasthaus beim Freiburger Hauptbahnhof gestartet ist; dem Grünhof, daher der Name.
Das Gründerzentrum Grünhof sollte in einer digitaler werdenden Gesellschaft von Anfang an als haptischer Ort und Anlaufpunkt für Gründer dienen, den es in Freiburg so noch nicht gab. „Co-Working war zu der Zeit noch ein junges Pflänzchen“, sagt Jonathan Niessen, einer der geschäftsführenden Gesellschafter. Das Ergebnis war ein Co-Working-Space inklusive dem Café Pow fürs einfache Kontakten. Privat bezahlt von den beiden Gründern Hagen Krohn und Martina Knittel, anders als zum Beispiel das über eine Stiftung finanzierte Offenburger Gründerzentrum Flow 1986.
Grüne Beschleunigung
Der Grünhof lief gut an und parallel baute das stetig wachsende Team ein Förderprogramm speziell für Green-Tech-Start-ups auf. Spätestens jetzt zeigte sich: Der Name Grünhof könnte passender kaum sein. „Dann kamen zwei Dinge, die uns sehr nach vorne katapultiert haben.“ Zum einen 2018 die Lokhalle, für die die Wirtschaftsförderer der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe (FWTM) einen privaten Betreiber suchte. Ein „mega Gewinn, weil wir endlich im Co-Working einen superattraktiven Ort hatten“. Zum anderen startete das Land einen Förderaufruf für Start-up-Acceleratoren. Das Grünhof-Förderprogramm bekam den Zuschlag und seither ist Smart Green einer der wenigen Start-up-Beschleuniger in der Region, der Green-Tech-Start-ups deutschlandweit mit Kapital, Know-how und Kooperationen mit dem Mittelstand anschiebt.
„Unsere Rolle ist schon auch eine Art Wirtschaftsförderung“, sagt Niessen. „Wir brauchen diese neuen Unternehmen, die dann irgendwann mal der neue Mittelstand werden. So hält man die Wirtschaft jung und innovativ.“ Durch den Fokus auf Green-Tech kann der Grünhof mit Detailwissen und einem länderübergreifendes Green-Tech-Netzwerk punkten. Das hilft den Start-ups genauso wie dem Gründerzentrum, denn als es 2016 losging, war Smart Green mit seiner Arbeit noch ziemlich allein. Inzwischen sind viele Player auf dem Markt, die Konkurrenz um Fördergelder, Start-ups und Unternehmens-Kooperationen groß. „Das ist gut“, sagt Niessen. „Es belebt das Geschäft.“
Endgültig rund wurde das Ganze dann mit dem Social Innovation Lab, einem Förderprogramm für social Businesses und einem Verein als gemeinnützigem Träger. Denn man fand, es brauche nicht nur grüne Innovationen, um Gesellschaft und Wirtschaft voranzubringen, sondern auch soziale.
Auslastung ist Voraussetzung
2021 kam dann der Co-Working-Space am Augustinerplatz dazu und war ziemlich schnell ausgelastet. „Das ist wichtig für unser Geschäftsmodell. Es funktioniert nur, wenn wir eine hohe Auslastung haben“, sagt Jonathan Niessen. Die Remote-Arbeiter sind seit Corona eine schnell wachsende Kundengruppe, aber auch die Teambüros sind beliebt, es gibt eine Warteliste. Anders als beim Gewerbemietvertrag, der oft für mindestens fünf Jahre geschlossen wird, liegt die Kündigungsfrist beim Grünhof-Konzept bei ein paar Monaten. Ideal für schnell wachsende (oder sich verkleinernde) Teams. Sie können auch innerhalb des Grünhofs umziehen oder erweitern. Um die Ausstattung muss sich auch keiner kümmern: Möbel sind da, ebenso Bildschirme, Internet, ein Drucker und eine Küche. So bleiben die einen zwei, die anderen viele Jahre. So wie Wetell, beispielsweise. Das Start-up für nachhaltigen Mobilfunk hat kürzlich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen und residiert seit einigen Jahren in der Lokhalle. Bereits ausgezogen ist dagegen Carbonfuture, eine Plattform für Carbon-Removal-Technologien, Kunden sind unter anderem Microsoft, Klarna und Swiss Re.
Historischer Boden
Der Freiburger Güterbahnhof ist von 1901 bis 1905 gebaut worden, um den Güter- vom Personenverkehr am Hauptbahnhof zu trennen. Bis 1983 wurden in der Lokhalle Züge gewartet, repariert und instandgesetzt – auch der berühmte Orient-Express. Dann zog die Bahn aus dem Gebäude aus und das denkmalgeschützte Gebäude wurde aufwendig saniert. Im Mittelschiff befindet sich heute der Kreativpark Lokhalle, die Heimat des Grünhofs, mit seinen für Büros aufeinandergestapelten Containern.
Seine unterschiedlichen Geschäftsbereiche finanziert der Grünhof auch unterschiedlich: Das Co-Working trägt sich durch Mitgliedschaften und die Buchung der Meetingräume. Der Geschäftsbereich Start-up-Förderung wird über Fördergelder finanziert (80 Prozent vom Land, 20 Prozent von der FWTM), aber auch über Mittelstandskooperation. Bei diesem Geschäftsmodell hilft Smart-Green einem Unternehmen dabei, eine passende Start-up-Lösung zu finden und bezahlt für diese Innovationsauftragsarbeit. Diese Start-up-Arbeit beschäftigt inzwischen den größten Teil des 30-köpfigen Grünhof-Teams, das im alten Grünhof untergebracht ist.
Wie man Bier neu erfindet…
Dass das Team Start-up-Methoden kann, hat es schon bewiesen. Unter anderem mit dem Freiburger Bierle, das die Grünhof-Ausgründung „Machn“ vor drei Jahren im Auftrag der Freiburger Brauerei Ganter entwickelt hat. Das Biobier in Retroflaschen wurde ein Riesenerfolg und Machn ist inzwischen verkauft. Die zweite Ausgründung wurde erst 2025 eröffnet: das Hokk Hotel, Restaurant und Kiosk, ein Joint Venture.
Der Grünhof mit seinem Green-Tech-Fokus könnte kaum besser in die selbsternannte Greencity Freiburg passen – oder wär’s in Berlin besser? In Freiburg gibt es sehr viel Innovation, durch die Uni und viele Forschungsinstitute, sagt Niessen. „Aber am Ende passiert Green-Tech überall.“ Und den Unternehmen sei es letztendlich egal, woher die Innovation kommt. „Die muss halt passen.“
Und weil der Grünhof so gut ausgelastet ist, guckt man sich jetzt schon nach einem weiteren Standort um. Was gar nicht so einfach ist, weil man eben nicht einfach nur irgendeine Gewerbefläche sucht, sondern eine mit Charme – und natürlich Style. Susanne Ehmann
Auch die IHK berät Gründer & Start-ups
IHK Südlicher Oberrhein: Steffen Hausch, 07 61/38 58 1 29, steffen.hausch@freiburg.ihk.de; IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Marlene Roming, 0 77 21/9 22 3 48, roming@vs.ihk.de; IHK Hochrhein-Bodensee: Felix Keller, 0 75 31/28 60 1 35, felix.keller@konstanz.ihk.de






