…aber Vertrauen ist besser, sagt Leadership-Experte Mario Cristiano, den viele Unternehmer fragen, wie man in unsicheren Zeiten als Führungskraft seinen Teams Sicherheit gibt. Seine Antwort? Ein Gastbeitrag

Wie schafft man es eigentlich, in einer Zeit multipler Krisen und der immer lauter werdenden Transformation ein Unternehmen zu führen? Das ist eine Frage, die sicherlich uns alle schon beschäftigt hat. Gerade jetzt, wo es scheint, als würden die schlechten Nachrichten für Betriebe im Südwesten nicht abreißen. Eine enorme Herausforderung für Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter.
Die Folge: Unsicherheit in der Belegschaft macht sich breit. Und der erste, naheliegende Reflex vieler Organisationen? Mehr Kontrolle, mehr Tools, mehr Prozesse oder mehr Druck. Oder vielleicht hilft doch noch ein Seminar zu Work-Life-Balance, Zeitmanagement oder Resilienz? Und ach ja – dann gibt es da noch die künstliche Intelligenz, die angeblich alles einfacher und schneller machen soll.
Noch mehr Controlling? Puuh…
In der Praxis zeigen sich jedoch oft ganz andere Bedürfnisse bei den Menschen, die Unternehmen tatsächlich durch schwierige Zeiten führen sollen: den Mitarbeitern und Führungskräften selbst.
Dabei müssen Führungskräfte gar nicht alles alleine tragen. Wenn wir eines aus Coronazeiten gelernt haben, dann, wie wichtig „geteilte Verantwortung“ ist. Menschen wollen aus ihren Grundbedürfnissen heraus einen Beitrag leisten und häufig sogar Verantwortung übernehmen. Viele Führungskräfte vergessen jedoch, das „Warum“ wirklich zu erklären: Warum tun wir das, was wir tun? Warum ändern wir gefühlt jede Woche die Richtung? Warum ist diese Entscheidung gerade jetzt notwendig?
Mit einem schärferen Blick wird deutlich, dass die eigentlichen Hebel selten im „Mehr“ liegen, sondern in dem, was im Führungsalltag wirklich passiert: in Emotionen, in Klarheit und im Umgang mit Unsicherheit. Das Eisberg-Modell kann dabei ein hilfreiches Bild sein. Themen wie Sicherheit, Orientierung, Motivation oder Werte liegen unter der Oberfläche und somit im unsichtbaren Bereich. Sichtbar sind meist nur Prozesse, Tools oder Verhalten. Doch beeinflusst wird all das von dem, was darunterliegt.
Und wenn Sie sich nun vorstellen, dass wir den Eisberg gemeinsam bewegen wollen, dann macht es doch mehr Sinn, am größeren Teil anzupacken – also unten.
Deshalb ist meine Empfehlung an alle, die Unternehmen und Menschen führen: Investieren Sie mehr qualitative Zeit in echte Gespräche und Begegnungen. Nicht als weiteres Doing im Outlook-Kalender, sondern Gespräche zum Steigern von Beziehungsqualität. Dialoge auf Augenhöhe, die sich nicht ausschließlich um Fakten, Tagesgeschäft und KPIs drehen.
Stattdessen Gespräche mit einem Blick unter die Wasseroberfläche – dorthin, wo die wirklich beeinflussbaren Faktoren liegen.
Und was bewegt euch?
Das hört sich nun nach einer weichen Maßnahme an. Aber viele Erfahrungsberichte und Studien zeigen, wie wichtig diese Instrumente sind, um Sicherheit zu geben. Und das wäre zumindest aus der Führungspraxis nun die oberste Prämisse für jedes Unternehmen.
Um so ein Gespräch zu starten, gibt es ein paar praxiserprobte Fragen, die immer wieder helfen können: Was bewegt Euch? Wie geht es Dir wirklich? Was brauchen Sie, um in dieser Zeit einen guten Job zu machen? Wo kann ich als Führungskraft oder Unternehmer konkret unterstützen? Neurobiologisch betrachtet schaffen solche Fragen nicht nur die oft zitierte Wertschätzung, sie senken zudem Stress, schaffen Sicherheit, reduzieren Angst und geben Orientierung. Und nicht selten lautet die Antwort der Menschen auf Fragen wie diese, am Ende: „Vertrauen.“
Unser Autor
Früher in der Geschäftsleitung der Spedition Dischinger, jetzt Coach und Leadership-Experte: Mario Cristiano
