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Das Carnet wird digital

Der Reisepass für Waren

Seit Juni läuft die Zollabwicklung für viele temporäre Exporte elektronisch – und damit einfacher, schneller und bald komplett papierlos.

Klappt alles? Das Zollamt Singen hat bei Karl Storz das neue eCarnet getestet, bevor es im Juni an den Start ging. Foto: IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

W enn Medizintechniker ihr Equipment zur Messe in die Vereinigten Arabischen Emirate schicken, Monteure mit Spezialwerkzeug über die Grenze fahren oder ein Pferd am Wochenende in der Schweiz startet, reist seit Jahrzehnten ein unscheinbares Heft mit: das Carnet ATA. „Ein Reisepass für Waren“, nennt es Uwe Böhm, Leiter Geschäftsbereich International bei der IHK Hochrhein-Bodensee.

Dieser Pass wird nun digitalisiert und aus dem Carnet (frz.: Heft) wird das eCarnet. Seit dem
1. Juni ersetzt ein digitaler Nachweis – etwa per QR-Code und App – das klassische Heft und ist verpflichtend für die Schweiz, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Von der Antragstellung über die Abfertigung bis zur Rückgabe läuft alles elektronisch ab. Das Prinzip bleibt gleich: Unternehmen führen Waren vorübergehend ins Ausland aus, ohne sie dort zu verzollen oder Sicherheiten zu hinterlegen. Typische Einsatzbereiche sind Messe- und Ausstellungsgüter, Warenmuster oder Berufsausrüstung. Wichtig ist: Die Ware muss unverändert zurückkommen. Das Carnet ist ein Jahr gültig und kann für mehrere Reisen genutzt werden. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: weniger Bürokratie an der Grenze, weniger Papier und schnellere Abläufe.

Wie sich das im Alltag bewährt, zeigt ein Pilotprojekt. Gemeinsam mit der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Zollverwaltung hat der Tuttlinger Medizintechnikhersteller Karl Storz an seinem Standort in Neuhausen ob Eck das volldigitale Verfahren unter realen Bedingungen getestet. Der Ansatz war bewusst praxisnah: Abläufe wurden direkt im Unternehmen durchgespielt und offene Fragen gesammelt. „Gerade in der Pilotphase ist der enge Austausch zwischen Wirtschaft, Zoll und IHK entscheidend“, sagt Cristina Biljaka, die als Sachbearbeiterin International bei der IHK die Umsetzung für das volldigitale Carnet unterstützt. Dass ausgerechnet Karl Storz dabei eine zentrale Rolle spielt, ist kein Zufall. Das Unternehmen gehört zu den führenden Nutzern des Carnet-Verfahrens in der Region. Von 300 Carnets im Jahr stammen 50 von Karl Storz.

Die Tücken der Digitalisierung
So klar die Vorteile scheinen, so anspruchsvoll ist die Umsetzung. Denn das eCarnet ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt. „Es müssen viele Mitstreiter unter einen Hut gebracht werden, von lokalen Zollstellen über Kammern bis zur Generalzolldirektion – und das über Ländergrenzen hinweg“, sagt Susi Tölzel, Referentin Auslandsmärkte und Zoll bei der IHK Südlicher Oberrhein, die Ende 2019 als erste IHK bundesweit die elektronische Antragstellung eingeführt hat – als Vorstufe zum voll-digitalen Carnet. Doch die Praxis zeigt: Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Nicht alle Zollstellen sind gleich weit und oft sind es die kleinen Dinge, die den Fluss bremsen: fehlende Scanner, wackeliges WLAN oder schlicht fehlende mobile Endgeräte in Unternehmen. „Gerade in der Anfangsphase lief die Abfertigung ausschließlich über eine App. Doch in vielen Zollabteilungen gibt es weder Diensthandys noch Tablets.“

Bis 2027 soll aber alles rund laufen. Dann soll sich das eCarnet weltweit etabliert haben und ebenso wie sein analoger Vorgänger ein sicherer Reisepass für Waren sein. Daniela Santo

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