Wirtschaft im Südwesten
9 | 2016
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LEUTE
OFFENBURG.
Nach Herkunft und Jugendzeit befragt,
kommt Markus Dauber (47) schnell auf den Musikver-
ein, dem er angehört hat, zu sprechen. Schlagzeug hat
er dort gespielt. „Das Schlagzeug gibt den Rhythmus
an“, sagt der gebürtige Hesse und das Engagement
im Vorstand dieses Vereins hat noch weitere
seiner Talente gefördert, die ihm im heutigen
Berufsleben zugute kommen. So hat er früh
gelernt, Geschäfte zu organisieren und zu
führen, damals beispielsweise eine Kon-
zertreise in die USA mit 140 Teilnehmern.
Und es hat ihn gelehrt, ohne Nervosität vor
Publikum zu sprechen: Dauber ist außeror-
dentlich redegewandt, kann Ideen entwickeln
und seinen Zuhörern nahebringen, er überzeugt,
hat immer den großen Hintergrund seiner Aussagen
parat und verliert nie den roten Faden. Bei jeder Pres-
sekonferenz seiner Bank wird das deutlich.
Dazu gesellen sich sowohl Teamfähigkeit als auch eine
Begabung zur Führung von Gruppen. Die erste und
zweite Ebene der Bank sei ein sehr gut eingespieltes
Team, sagt Dauber. Strategien entwickelt er gemein-
sam mit allen Betroffenen – so wird die „Schwarmintel-
ligenz“ der Mitarbeiter systematisch genutzt. Die Bank
laufe so gut, dass Zeit für Innovationen bleibe. Dauber
ist davon überzeugt, dass es die kleineren Banken
nur über massive Strukturveränderungen schaffen,
angesichts der Herausforderungen – Nullzinspolitik der
EZB, regulatorische Anforderungen und Digitalisierung
– gegenüber den großen Instituten, den Direktbanken
und den Fintecs zu bestehen.
Der Sohn des Geschäftsführers eines großen Un-
ternehmens aus der Baustoffbranche ist früh mit
dem Volksbankensystem in Berührung gekommen,
nämlich über ein Praktikum in der elften Klasse.
Er hat eine Lehre bei der Marburger Volksbank ge-
macht, Wirtschaftswissenschaften studiert und als
Diplom-Kaufmann abgeschlossen. An der Steinbeis-
Hochschule in Berlin hat er ein weiteres Studium
zum Master of Business Administration mit dem
Schwerpunkt Financial Services Industry absolviert.
Bei der Marburger Volksbank wurde er Vorstandsas-
sistent, später Prokurist, Generalbevollmächtigter
und schließlich, im Jahr 2004, Vorstand dieser Bank.
Deren Fusion mit der Volksbank Gießen veranlasste
ihn, sich anderweitig umzusehen. So kam er nach
Offenburg. Im Oktober 2005 wurde Dauber Vorstand
der Volksbank Offenburg eG – unter dem Vorstands-
vorsitzenden Richard Bruder, mit dem ihn ein enges
Senior-/Juniorverhältnis verband. 2013 wurde er als
Nachfolger Bruders Vorstandsvorsitzender.
Die (bisherige) Volksbank Offenburg expandiert seit Jah-
ren in vielen Bereichen, was sich in überdurchschnittli-
chen Wachstumsraten niederschlug. Ein bundesweites
Alleinstellungsmerkmal erlangte das Institut beim kar-
tengestützen Bezahlen. Es betreibt ein Zahlungssystem
für große und sehr bekannte Filialisten und viele Einzel-
händler. An über 45.000 Kassenterminals finden sich
die Lösungen aus Offenburg. Dazu gesellt sich das jetzt
so stark aufkommende E-Commerce-Geschäft dieser
Kunden. Der Umsatz der Bestandskunden wächst jähr-
lich um zehn bis fünfzehn Prozent. Vergangenes Jahr hat
Dauber weitere Zahlungssystemanbieter dazugekauft.
Dieses Geschäft bietet inzwischen 40 Arbeitsplätze und
trug zu über einem Drittel zum Provisionsergebnis der
(bisherigen) Volksbank Offenburg bei.
Wo immer er einen Vorteil für die Kunden, Mitglieder,
die Region oder die Bank sieht, setzt Dauber auf Ko-
operation, statt „Energie in sinnlose Verdrängung zu
verschwenden“, wie er sagt. Zwei „neue Kinder“
sind zum einen das Immobilienportal Ortenau,
das die digitale Schlagkraft gegenüber den In-
ternet-Monopolisten erhöht und die Kosten für
alle Beteiligten verringert. Und zum Zweiten ist
es das weite Feld des E-Commerce-Handels:
Die E-Com-Region Ortenau ist eine Initiative
von Unternehmen der digitalen Wirtschaft in
der Ortenau, der Hochschule Offenburg, der Volks-
bank sowie der öffentlichen Verwaltung mit dem Ziel,
die führende Stellung der Region im Onlinehandel
deutschlandweit auszubauen.
Der Höhepunkt aber in Daubers bisherigem Wirken ist
die Fusion mit der benachbarten Volksbank Achern zur
„Volksbank in der Ortenau“. Ende Juni haben die Vertre-
terversammlungen der beiden bisherigen Volksbanken
(Offenburg und Achern) der Fusion zugestimmt. Damit,
davon ist Dauber überzeugt, konnte man „Gestalter
und nicht Opfer“ der strukturellen Veränderungen am
Bankenmarkt bleiben. Die neue Volksbank beschreibt
er als ein Institut mit knapp drei Milliarden Euro Bilanz-
summe und 500 Mitarbeitern. Dauber ist Vorstandsvor-
sitzender und führt mit seinen Kollegen Andreas Herz,
Clemens Fritz und Günter Quicker die Bank.
Das Ende der Fahnenstange ist damit aber sicher noch
nicht erreicht. Dauber, der mit Frau und zwei Kindern in
Oberkirch lebt, werden die Ideen nicht ausgehen.
orn
Der Rhythmusgeber
Markus Dauber, Vorstandsvorsitzender der neuen „Volksbank in der Ortenau“
KOPF
DES
MONATS
»Nach der Fusion fast drei
Milliarden Bilanzsumme«




