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Ausgabe 02/2026
Aus dem Südwesten
Der Liebling der Oberkircher

Die Piemont-Kirsche

Schon erstaunlich, was bei uns im Südwesten alles hergestellt wird. Diesmal geht’s um die Mon-Chéri-Kirsche, die nicht aus dem Piemont, sondern aus der Ortenau stammt.

Zum Reinlegen! Oberkircher Kirschen, Likör und die Schokohülle: das Erfolgsrezept von einer der beliebtesten Pralinen der Welt: Ferreros Mon Chéri Foto: Dimitri Dell Photography

Schokolade mit Kirsche und süßem Likör – das Rezept einer echten Erfolgsgeschichte. Mon Chéri: Die wohl berühmteste Likör-Kirsch-Praline der Welt. Geschätzt 130 Millionen Kilogramm soll Ferrero jährlich verkaufen — umgerechnet 12,4 Milliarden Pralinen. Für diese Zahlen muss man Wikipedia hinzuziehen, denn Ferrero selbst ist eher verschwiegen.
In Deutschland gibt es Mon Chéri seit 1957. Schon ein Jahr später waren die süßen Stückchen international bekannt und beliebt, inzwischen werden sie nahezu weltweit vertrieben. Herzstück der Praline war lange die sogenannte Piemont-Kirsche, die in den Werbespots viel italienisches Flair versprühte.
Ginge es nach Geografie und nicht nach Marketing, müsste das berühmte Früchtchen aber eigentlich Ortenau-Kirsche heißen. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass ein großer Teil der Kirschen für Mon Chéri aus Oberkirch stammt. In dem 20 000-Einwohner-Städtchen ist man froh über diesen zuverlässigen Abnehmer und ähnlich verschwiegen wie der Konzern selbst.
Klar ist aber: Die Kirsche fällt nicht weit vom Stamm. In der Ortenau gibt es haufenweise Kirschbäume und die höchste Brennerei-Dichte Deutschlands. Zur Herkunft der Pralinen-Kirsche befragt, teilt Ferrero Deutschland vage mit: „Neben Italien beziehen wir die Kirschen für Mon Chéri aus weiteren sorgfältig ausgewählten Anbaugebieten weltweit.“ Neben Deutschland noch aus Polen und Chile, sagt Wikipedia.

Was nicht passt, wird passend gemacht
Ferrero lässt sich ungern in die Karten schauen: Viele Fragen bleiben unbeantwortet, stattdessen erfährt man ein bisschen was zur Verarbeitung der Steinfrucht. Denn da die Größe der Schokohülle nicht verhandelbar ist, müssen sich die Kirschen anpassen. Sie sollten laut Ferrero eine eher dünne Schale und eine passende Größe haben, „damit sie in unsere Praline integriert werden können“. Weil das naturgemäß nicht immer klappt, würden die Kirschen zusätzlich mit speziellen Maschinen kalibriert. Nach dem Entsteinen stellen Röntgenmaschinen sicher, dass keine Steine oder Steinreste enthalten sind. Die entfernten Kirschkerne wiederum dienen der Energiegewinnung.
Derweil ist die Piemont-Kirsche als Markenbotschafterin längst berentet. Lange prangte ihr Schriftzug in goldenen Lettern auf der rot leuchtenden Mon-Chéri-Packung – 2022 wurde der Markenauftritt aktualisiert. „Die bisherige, eher traditionelle Gestaltung, inklusive des Begriffs der Piemont-Kirsche, die eine Hommage an die piemontesische Herkunft von Ferrero darstellte, ist nicht mehr Teil der aktuellen Markenstrategie“, sagt Ferrero.
Das Unternehmen hat 1946 in einer kleinen Konditorei im italienischen Alba seinen Anfang genommen. Inzwischen ist Ferrero einer der größten Süßwarenhersteller der Welt mit mehr als 47 000 Mitarbeitern. Und die Menschen lieben Süßes: Für das Geschäftsjahr 2023/24 meldete die Ferrero-Gruppe einen Umsatzanstieg von 8,9 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro. Was für süße Aussichten!

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