Der Oberkircher Autozulieferer PWO verbucht im ersten Halbjahr 2026 Neugeschäft mit einem Lifetime-Volumen von rund 363 Millionen Euro. Trotz rückläufiger Umsätze und Gewinne bestätigt der Konzern seine Jahresprognose weitgehend.

Zulieferer Progess-Werk in Oberkirch (PWO) hat Zahlen für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Trotz eines weiterhin schwierigen Marktumfelds mit allgemein stagnierender Industrieproduktion in Deutschland habe die Gruppe Neugeschäft mit einem Lifetime-Volumen von rund 363 Millionen Euro gewonnen und den Free Cashflow auf 3,3 Millionen Euro (im Vorjahr 0,8 Millionen Euro) gesteigert. Die Prognose für das Gesamtjahr 2026 werde bis auf das Investitionsvolumen vollständig bestätigt.
Die stärkste Dynamik beim Neugeschäft verzeichnete der Mitteilung zufolge Nordamerika, wo vor allem der Standort Mexiko den größten Beitrag leistete. Auch Europa und China trugen substantiell bei. Das gewonnene Volumen entfiel schwerpunktmäßig auf Struktur- und Karosseriekomponenten, ergänzt durch Aufträge für Sitzstrukturen, Luftfederkomponenten sowie Elektrik- und Elektronikkomponenten. Ein neu gewonnener OEM-Kunde erteilte bereits kurz nach der Erstbeauftragung Folgeaufträge.
„Angesichts der spürbar angespannten Marktsituation freuen wir uns über ein erfreuliches Neugeschäft in diesem Halbjahr. Die geopolitischen Unsicherheiten haben deutlich zugenommen, und die Automobil- und Zulieferindustrie ist davon überproportional betroffen. In Deutschland machen ungünstige Rahmenbedingungen Produktion und Entwicklung zunehmend unwirtschaftlich. Umso erfreulicher ist es, dass wir dank unserer internationalen Aufstellung und unseres „local-for-local“-Ansatzes als Gruppe weiter Neugeschäft gewinnen und unsere Jahresziele bestätigen konnten“, sagt Carlo Lazzarini, Vorstandsvorsitzender der PWO AG.
Die Umsatzerlöse lagen bei 252,7 Millionen Euro (im Vorjahr 273,4 Millionen Euro), beeinflusst durch deutlich niedrigere Werkzeugumsätze sowie negative Währungseffekte von 5 Millionen Euro. Das Seriengeschäft lag bereinigt um Materialpreis- und Währungseffekte leicht über dem Vorjahresniveau. Das Ebit vor Währungseffekten betrug 7,3 Millionen Euro (im Vorjahr 13,3 Millionen Euro), das Ebit nach Währungseffekten lag bei 7,2 Millionen Euro (im Vorjahr 12,6 Millionen Euro). Das Konzernergebnis betrug 0,1 Millionen Euro (im Vorjahr 5,4 Millionen Euro). Maßgeblich hierfür war der Wegfall eines positiven Sondereffekts aus kundenseitigen Planungsanpassungen im Segment Kanada, der das Vorjahresergebnis mit 4,8 Millionen Euro begünstigt hatte, sowie Anlauf- und Hochlaufkosten für neue Serienfertigungen, die das Ergebnis der Berichtsperiode belasten, da im Segment Mexiko planungsrelevante operative Risiken auch eingetreten sind. Gegenläufig beeinflussten Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen im unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich am Standort Oberkirch das Ergebnis.
Diese Investitionen in Wachstum begleitet die PWO-Gruppe mit konsequenter Ausgabensteuerung. Die Materialaufwandsquote sank von 58,7 auf 55,4 Prozent, getragen von rückläufigen Rohmaterialpreisen und einem veränderten Produktmix. Die Investitionen gingen planmäßig auf 11,3 Millionen Euro zurück (im Vorjahr 17 Millionen Euro), mit Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung des Standorts Serbien sowie projektspezifischen Erweiterungen in der Tschechischen Republik. Die Eigenkapitalquote blieb mit 37,1 Prozent zum 30. Juni 2026 stabil (31. Dezember 2025: 37,5 Prozent).
„Wir investieren gezielt in neue Serienfertigungen und tragen dafür heute Anlaufkosten, die ab 2027 in Erträge münden. Dass wir dabei den Free Cashflow verbessern und die Eigenkapitalquote stabil halten, zeigt, dass wir diesen Aufbau mit Disziplin steuern und auch in einem schwierigen Umfeld resilient aufgestellt sind“, sagt Jochen Lischer, Finanzvorstand der PWO AG.
Vor dem Hintergrund der weiterhin soliden operativen Entwicklung und des starken Neugeschäfts bestätigt die PWO-Gruppe die Prognose für das Gesamtjahr 2026, mit Ausnahme des Investitionsvolumens. Das Unternehmen erwartet Umsatzerlöse von rund 500 Millionen Euro, ein Ebit vor Währungseffekten zwischen 13 und 17 Millionen Euro sowie einen Free Cashflow positiv im einstelligen Millionenbereich. Die Eigenkapitalquote soll bei rund 37 Prozent liegen, der Anstieg des Nettoverschuldungsgrads auf rund 2,5 Jahre begrenzt werden. Das Lifetime-Volumen im Neugeschäft soll unverändert zwischen 550 und 600 Millionen Euro betragen. Das Investitionsvolumen wird auf rund 35 Millionen Euro angepasst, da sich einzelne Investitionsvorhaben zeitlich verschoben haben.
