Hidden Champions prägen die Maschinenbau-Branche im Schwarzwald – und einer davon ist Teubert. Beim Familienunternehmen aus Blumberg ist Krise kein Thema, stattdessen startet hier gerade die dritte Generation durch. Aber wie!
Wolfgang Teubert hat allen Grund zum Strahlen. Der Mann hat aus der Tüftler-Werkstatt vom Vater einen international renommierten Sondermaschinenbauer gemacht und eine weltweit beachtete Füge-Technologie entwickelt, mit der man verschiedene Werkstoffe ohne Kleber verbinden kann. Was auch immer an Krisen kam: Er hat sie alle überstanden und ist jetzt mit 63 nicht nur glücklicher Vater, sondern auch stolzer Opa. Eine große Messe noch, dann darf er zurücktreten und dabei zusehen, wie seine drei Kinder gemeinsam das Familienunternehmen übernehmen: Tamara, Philip und Patrick.

„Ich hätte mir noch vor ein paar Jahren nie vorstellen können, irgendwann wieder in Blumberg zu sein“, sagt Tamara Teubert-Braun und schmunzelt. Denn Blumberg, dieser letzte Zipfel Badens, ist schon ein kleiner Ort und auch wenn es hier ein bisschen aussieht wie im Ruhrgebiet: Als ehemalige Bergarbeiterstadt ist Blumberg schon sehr ländlich geprägt. Die große, weite Welt: Die ist ganz woanders. Doch nach ein paar Jahren in der Ellenbogen-Kultur großer Konzerne war Tamara 2018 die erste, die nach Stationen in München und der Schweiz wieder in die alte Heimat zurückkehrte. Blumberg statt Boston, Maschinenbau statt Pharma – auch, weil sie beim Skifahren mit der alten Clique jemanden kennenlernte, dann mit diesem Blumberger eine Familie gründete und direkt neben dem Firmengelände ein Haus baute. Inzwischen sind es zwei Kinder. Der Große wird vier. Er kann Besuchern schon erklären, was da in der Halle steht und ob eine Maschine nun EPP verarbeitet, um damit Fahrradhelme oder Sonnenblenden zu schäumen – oder für faserverstärkte Kunststoffe im CCM-Verfahren gedacht ist, mit denen man Produkte für die Luftfahrt herstellt.
„Im Betrieb aufgewachsen“
„Meine Kinder sind im Betrieb mit aufgewachsen“, erzählt Tamara Teubert-Braun, die sich zunächst um Marketing und HR gekümmert hat, inzwischen aber die strategische Geschäftsleitung im Familienunternehmen verantwortet. Das Wort Familienunternehmen interpretiert sie dabei sehr pflichtbewusst und hat eben nicht zwei Jahre Elternzeit in Anspruch genommen, sondern bis zwei Wochen vor der Geburt gearbeitet um dann eine Woche danach wieder durchzustarten – auch wenn das gesell-
schaftlich fast schon verpönt sei… „Jeden Tag nur daheim, das wär’ nichts für mich“, sagt Tamara Teubert, die nicht nur die Kita-Zeiten ihrer Kinder nutzt, sondern auch abends noch mal an den Rechner geht, wenn Maia und Mattia im Bett sind.
Maschinenbau-Branche
Der Maschinenbau ist mit 972 Betrieben im Regierungsbezirk Freiburg ein wesentlicher Teil der hiesigen Industrielandschaft. Die Branche ist stark mittelständisch geprägt, hochspezialisiert und weist überdurchschnittlich hohe F&E-Aktivitäten sowie eine starke Exportorientierung auf. Wichtige Cluster: der Raum Schwarzwald-Baar, Hochrhein, Breisgau, Emmendingen und die Ortenau.
Immer die ersten aus der Krise
Das aber lohnt sich. Als die benachbarte Stahlbaufirma Feederle unlängst ans Aufhören dachte – da waren Tochter und Papa zur Stelle und kauften das Areal samt Werkhalle. Damit haben sich die Teuberts auf 24 000 Quadratmeter verdoppelt und der Branche eine Botschaft übermittelt: Wir haben Bock auf Zukunft! Wir glauben an uns! „Natürlich spüren auch wir konjunkturelle Schwankungen“, sagt Wolfgang Teubert. „Aber wir sind immer die gewesen, die als Erste eine Krise überwunden haben.“ Damit ist Teubert inzwischen so ziemlich das letzte unabhängige Familienunternehmen in einer technologische Nische, in der ansonsten entweder Konzerne am Start sind – oder niemand mehr.
Etwa im Wochentakt gehen bei Teubert die Maschinen vom Hof. Mal sind die Anlagen nur so groß wie eine Telefonzelle, mal sind es ganze Fertigungsstraßen. 70 Prozent der Maschinen werden exportiert und wenn es weiter so gut läuft wie im ersten Quartal, dann knacken die Teuberts in diesem Jahr auch die 20-Millionen-Euro-Umsatzgrenze.
20 Millionen – darauf kann man aufbauen. Und so sind Tamaras Brüder seit 2025 an Bord: Wirtschafts-Ingenieur Philip teilt sich mit Teubert-Veteran Thomas Volz die technische Leitung, während Betriebswirt Patrick, 29, als Bereichsleiter Vertrieb in Papas Fußstapfen tritt. Vierter im Bunde: Cousin Yannick, der keine Ambitionen in Sachen Geschäftsleitung hat, aber als leidenschaftlicher Tüftler ein bisschen wie der Opa tickt: einer mit großer Freude am Neuen, ein Innovationstreiber, ein Daniel Düsentrieb von der Baar.

Ein großes Innovationsthema haben die vier jungen Teuberts vom Seniorchef in jedem Fall schon mal geerbt: das Atecarma-Geschäftsfeld, basierend auf einer Verbundtechnologie, bei der man mit Hitze, Druck und einer chemischen Emulsion die unterschiedlichsten Werkstoffe miteinander verbinden kann, ohne sie zu kleben. Daher auch der Name, entlehnt von der heißesten Wüste der Welt. Ein Kleber ist immer eine Zwischenschicht“, erklärt Tamara Teubert. „Um damit zu arbeiten, braucht man in der EPP- Welt Wasser oder Dampf.“ Mit der Atecarma-Technologie ist das nicht notwendig – und so kann man einen Heckspoiler oder einen Helm auch einfach auf Nano-Ebene in Form backen. Das spart Maschinen, das spart Prozessschritte, hat sich aber noch nicht im großen Stil herumgesprochen. Bisher machen die Atecarma-Maschinen nur fünf Prozent vom Umsatz aus – aber es gab schon einige Angebote großer Marktbegleiter, die gern die ganze Technologie kaufen würden…
Dafür aber sind die Teuberts zu beharrlich. Sie glauben dran, dass sich ihre Verbundtechnologie am Markt noch durchsetzen wird und sie auf ihr Näschen für Trends vertrauen können. Bei der Entscheidung für den Einstieg in die Wehrtechnik war das schließlich auch so. Als einer der ersten in der Region hat man den Kontakt zu Drohnenbauern gesucht und gefunden. Wolfgang Teubert: „Wir fragen uns immer: Was wollen die Kunden unserer Kunden? Denn wenn man das weiß und ein gutes Team hat, dann kann man alles schaffen.“
Der große Fleiß der Blumberger
Apropos Team: Das ist wiederum die Domäne von Tamara und bei diesem Thema kommt die Chefin ins Schwärmen. Denn die Blumberger seien schon ein besonders fleißiges Völkchen. Viele haben noch Landwirtschaft im Nebenerwerb und schrauben dann schon morgens um fünf in der Fabrik an ihren Maschinen, um nachmittags noch dreschen zu fahren. Tamara
Teubert: „Blumberg ist nicht Kreuzberg. Hier hockt keiner stundenlang im Café – hier lebt man Fleiß und Disziplin, will was schaffen und sich was aufbauen. Ein besseres Umfeld kann man sich als Unternehmer gar nicht wünschen.“ Ulf Tietge
Mehr über Teubert
Hightech-Maschinen für die Kunststoffverarbeitung aus Blumberg: Mehr über Teubert erfährt man über deren Website.
