Ein Angebot der

  • IHK Südlicher Oberrhein
  • IHK Hochrhein-Bodensee
  • IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten

Wirtschaft im Südwesten

  • Home
  • Ausgaben
    • März 2026
    • Dezember 2025
    • November 2025
    • Oktober 2025
    • September 2025
    • Juli/August 2025
    • Juni 2025
    • Mai 2025
    • April 2025
    • März 2025
    • Alle Ausgaben
  • Rubriken
    • Schwerpunkt
    • Unternehmen
    • Service
    • Regio
      • IHK Hochrhein-Bodensee
      • IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg
      • IHK Südlicher Oberrhein
    • Kopf des Monats
    • Start-up-Storys
    • Aus dem Südwesten
  • Redaktion & Anzeigen
    • Redaktion
    • Verlag & Anzeigenleitung
    • Ihr Unternehmen im redaktionellen Teil
    • Probeheft & Abo
  • Kontakt
Ausgabe
Unternehmen
China im Wandel

Warum deutsche Unternehmen ihre Strategie neu denken müssen

China bleibt für viele Firmen unverzichtbarer Markt – doch das Erfolgsmodell der Vergangenheit funktioniert nicht mehr. Experten zeigen beim Unternehmergespräch in Freiburg, welche Chancen, Risiken und Strategien künftig entscheidend sind.

Foto: Adobe Stock/Jack

China: Partner, Markt, Wettbewerber, Technologieführer? Welche Rolle spielt das ostasiatische Land künftig für deutsche Unternehmen? Dieser Frage sind Experten beim Unternehmergespräch im Freiburger Büro von Advant Beiten nachgegangen. Dazu eingeladen hatten neben der Rechtsanwaltskanzlei die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, das China Forum Freiburg, das Konfuzius-Institut an der Universität Freiburg und die Regio Tri-Rhena. Barbara Mayer (Advant Beiten) und Alwin Wagner (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein) moderierten die Veranstaltung.

Susanne Rademacher lebt seit rund 25 Jahren in der Hauptstadt Peking. Jahre in denen die Volksrepublik ein immenses Wirtschaftswachstum erlebte. Chinas Eintritt in die Welthandelsorganisation (WTO) 2001 beschleunigte dessen Integration in den globalen Markt und löste einen Export- und Industrialisierungsboom aus. Ausländische Unternehmen strömten in das ostasiatische Land.

 

Susanne Rademacher lebt seit rund 25 Jahren in der Hauptstadt Peking. Jahre in denen die Volksrepublik ein immenses Wirtschaftswachstum erlebte.

China galt als „Werkbank der Welt“, wo man billig produzieren konnte. Ein Wachstumsmodell, das sich stark auf westliche Technologien und geistiges Eigentum stützte, so Rademacher. Etwas, das die Spannungen mit westlichen Staaten später verstärken sollte – und ein Thema, bei dem europäische Unternehmer noch immer vorsichtig sein sollten.

Doch nach Jahren des Aufschwungs herrscht momentan Flaute in Chinas Wirtschaft. Mehr noch: Die Volksrepublik erlebe derzeit einen grundlegenden Strukturwandel, so die Partnerin und Standortleiterin des Advant-Beiten-Büros in Peking, die als Rechtsanwältin Unternehmen aus dem DACH-Raum bei ihren Aktivitäten in China berät, und darüber hinaus als Mitglied im Board of Directors der Auslandshandelskammer in Nordchina um die Lage der Unternehmen vor Ort weiß.

Der Grund für den Abschwung: Das alte Modell Chinas funktioniert nicht mehr. Mehrere Belastungen kommen Rademacher zufolge zusammen: abkühlende Weltmärkte, eine alternde Bevölkerung und damit eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung. Die Löhne in den östlichen und südlichen Provinzen hätten inzwischen ein Niveau wie in Teilen Europas erreicht und andere Länder Asiens würden zunehmend die Rolle als günstige Produktionsstandorte übernehmen. „Da verliert China einen Standortvorteil.“  Hinzu komme eine extrem niedrige Geburtenrate.

Peking versuche nun, das Land neu auszurichten, auf Innovation und einen stärkeren Binnenkonsum. Dieser strukturelle Umbruch sei der Grund, weshalb viele der Strategien, mit denen deutsche Unternehmen in China jahrzehntelang erfolgreich waren, heute nicht mehr nur wirkungslos seien, sondern riskant.

Doch der Strukturwandel ist herausfordernd, denn die chinesische Wirtschaft steht aktuell vor mehreren Problemen: ein durch das bisher stark investitionsgetriebene Wachstumsmodell gedämpfter Binnenkonsum, dem Überkapazitäten gegenüberstehen; eine massive Immobilienkrise, die das Vermögen vieler Haushalte beeinträchtigt. Hinzu kommen hohe Arbeitsplatzunsicherheit und politische Prioritäten, die mehr auf Sicherheit, Resilienz und technologische Eigenständigkeit ausgerichtet sind. Und dann sind da noch die geopolitischen Themen dieser Tage, vor denen auch die Volksrepublik nicht gefeit ist: Aktuell fehlt es beispielsweise wegen des Iran-Kriegs an Öl. Die Folge: ein Sparkurs.

 

Spannende Runde (v. li.): Michael Meding, Barbara Mayer, Susanne Rademacher, Michael Ziesemer und Alwin Wagner

Trotz allem:  Für viele Unternehmen bleibe China strategisch unverzichtbar, stellt Susanne Rademacher klar. Das nach Indien zweitbevölkerungsreichste Land der Welt bleibt einer der größten nationalen Märkte und bietet mit seinem industriellen und technologischen Ökosystem darüber enorme Chancen. Es wäre ein Versäumnis, nicht von Chinas hochverdichtetem Innovationssystem aus Unternehmen, Universitäten, Behörden zu profitieren, das Technologie und Wissenschaft stark fördert. Die Geschwindigkeit von Entwicklung bis Skalierung sei weltweit einzigartig, so die Rechtsanwältin.

Was also tun? Um in China erfolgreich zu bleiben, müssten viele Unternehmen ihre Strategie ändern, meint Rademacher. Weg vom Drang, alles immer stärker kontrollieren zu wollen, hin zu mehr Autonomie für lokale Niederlassungen, die nur so in diesem extrem agilen Markt wettbewerbsfähig bleiben könnten. Außerdem gewinnen lokale Partnerschaften wie Joint Ventures wieder an Bedeutung. „Ohne verlässliche und vertrauenswürdige lokale Partner wird es oft schwer, sowohl Chancen zu erschließen als auch Risiken zu verstehen.“

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei dabei ein besseres Verständnis der chinesischen Geschäftskultur, und das über die Formalitäten hinaus. Wirklich zu verstehen, wie die chinesischen Kunden, Partner, Behörden ticken. Sehr helfen könne dabei der Austausch von Mitarbeitern zwischen China und Europa, um gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zu fördern.

Doch wie nimmt China eigentlich Deutschland wahr? „Als Land im Übergang: wirtschaftlich unter Druck stehend, politisch fragmentiert, sicherheitspolitisch neu ausgerichtet und gegenüber China mindestens ambivalent.“ Gleichzeitig erkenne die Volksrepublik, dass sich das internationale System zunehmend multipolar entwickelt. Europa hätte das Zeug, in einer multipolaren Welt eigenständig zu agieren, so Rademacher, doch es muss selbst Regeln setzen. China wiederum handele aus rein wirtschaftlichen Interessen, was zählt sind Marktgröße, industrielle Kapazität und Vernetzung, nicht Sympathien. „Wir müssen nicht mit jedem ideologisch einer Meinung sein. Das ist zumindest im wirtschaftlichen Kontext nicht unbedingt zielführend.“

Rademachers Fazit: „China ist schwieriger geworden. Aber für diejenigen, die strukturell denken und strategisch handeln, bleibt es ein zentraler Baustein globaler Wettbewerbsfähigkeit.“

Aus der unternehmerischen Praxis berichteten Michael Ziesemer, lange Jahre COO und seit 2016 im Verwaltungsrat von Endress + Hauser, und Michael Meding, CEO beim Neuenburger Hersteller für die Baustoffindustrie M-tec. China bleibe ein Chancenmarkt, bekräftigte auch Ziesemer. Der Schweizer Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik Endress + Hauser beschäftigt heute 1500 Mitarbeiter in China, die Führung sei ausschließlich von Chinesen besetzt. Ziel sei immer gewesen, nah am Kunden zu sein. Doch ein starkes Produkt und Produktinnovationen seien enorm wichtig, um vor Ort Erfolg zu haben. Doch Deutschland dürfe selbstbewusst auftreten. Denn hierzulande entwickelte Konzepte wie die Industrie 4.0 und digitaler Zwilling seien in China stark nachgefragt, die deutsche Ingenieurskunst werde sehr geschätzt. Deutschlands Stärke liege vor allem in der Verbindung von Industrie, Automatisierung und Digitalisierung, so Ziesemer.

Eine weitere Perspektive ermöglichte Michael Meding, CEO beim Neuenburger Hersteller für die Baustoffindustrie M-tec. Das Unternehmen hat einen chinesischen Hauptgesellschafter. Und auch wenn deren Bild aus deutscher Sicht facettenreich und teils widersprüchlich sei, bezeichnet Meding den Zusammenschluss mit der chinesischen Zoomlion-Gruppe 2014, die zu den weltweit größten Baumaschinenherstellern zählt, als „Glücksfall“. Auffällig sei bei den Chinesen die andere Größenordnung des Denkens, deutlich höhere Wachstumsraten würden anvisiert. Er hob hervor, dass chinesische Unternehmen oft nach dem Prinzip handeln: einfach machen, schnell umsetzen, später nachjustieren. Diesen Pragmatismus und Mut könne Europa durchaus von China lernen. Zudem schilderte Meding einen kulturellen Wandel im Markt: Hätten internationale Kunden früher keine chinesischen Komponenten haben wollen, fragten viele heute aktiv danach, weil sie Preisvorteile akzeptieren oder sogar suchen.

Government Work Report & Five Year Plan Draft

China startet 2026 mit dem 15. Fünfjahresplan (2026 bis 2030) und setzt ein BIP-Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent, das niedrigste seit Jahrzehnten, so Susanne Rademacher. Dies signalisiere einen klaren Fokus auf langfristige Strukturreformen und Risikokontrolle statt kurzfristiger Konjunkturmaßnahmen. Zentrale Priorität bleibt die „hochwertige Entwicklung“, insbesondere durch eine stärker technologiegetriebene Wirtschaft. Innovation, KI-Anwendungen und größere technologische Eigenständigkeit sollen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorangetrieben werden, mit besonderem Fokus auf Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Luft- und Raumfahrt, Biomedizin, Zukunftsenergie, Quantentechnologien und 6G. Gleichzeitig soll der Binnenmarkt gestärkt und ein einheitlicher nationaler Markt aufgebaut werden, um das Potenzial des „ultragroßen“ chinesischen Marktes besser zu nutzen und ungesunden Preiswettbewerb zu begrenzen. Die Öffnung für zweiseitige Investitionen bleibt Teil der Strategie: Chinesische Unternehmen sollen stärker international investieren, während China weiterhin ausländische Investitionen anziehen will. Für deutsche Unternehmen bedeutet dies vor allem, dass Innovation und Zukunftstechnologien zentral für die wirtschaftliche Entwicklung in China bleiben, während kurzfristige Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage eher nicht zu erwarten sind.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf LinkedIn teilenAuf XING teilen

Die Herausgeber

IHK Südlicher Oberrhein

IHK Hochrhein-Bodensee

IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

© copyright Wirtschaft im Südwesten

Besuchen Sie uns auf LinkedIn

  • Impressum | 
  • Datenschutz